Neue Spielzeit: Erstmals ohne „klassischen Klassiker“

Neue Spielzeit : Erstmals ohne „klassischen Klassiker“

Acht neue Produktionen, davon eine Gastproduktion, und drei Wiederaufnahmen hat sich das Taltontheater für die neue Spielzeit vorgenommen. Damit präsentiert das freie Theater an der Wiesenstraße ein Stück mehr als in der gerade beendeten Saison.

Der künstlerische Leiter des Taltontheaters (TTT), Jens Kalkhorst, zieht ein positives Fazit der letzten Spielzeit: "Wir haben einen Gewinn von 500 Euro erzielt." Für ein freies Theater, das sich mit dem künstlerischen Leiter und dem Geschäftsführer David Meister immerhin zwei Festangestellte leistet, eine beachtliche Leistung. Dass die Finanzen stimmen, meint Kalkhorst, liege unter anderem daran, dass das ehrenamtliche Ensemble mit Leidenschaft dabei sei. Das merke das Publikum.

Deshalb sei auch die überregionale Beachtung des kleinen Theaters in den 14 Jahren seines Bestehens stetig gewachsen. "Wir hatten rund 5.100 Zuschauer in der letzten Saison. Etwa 40 Prozent davon waren Nicht-Wuppertaler", zieht Kalkhorst Bilanz. Die Stücke seien alle gut besucht gewesen, aber dennoch habe es fast immer noch freie Stühle gegeben.

Das will das TTT mit dem neuen Spielplan ändern. Erstmals entfällt der klassische Klassiker zugunsten eines modernen Klassikers. Zudem werden Produktionen auf die Bühne gebracht, die zwar humorvoll sind, aber stets einen tieferen Hintergrund haben. Los geht es am 8. September mit der unkonventionellen Liebesgeschichte "Harold und Maude". Jens Kalkhorst freut sich auf diese "herbstliche Komödie", die als Film bekannt wurde und daher viele Szenenwechsel enthält.

Am 28. September und für sieben weitere Termine gastiert das Trio-Theater mit dem kammerspielähnlichen Musical "Sarg niemals nie" an der Wiesenstraße. Regie führt Benjamin Breutel, der auch schon im TTT als Regisseur aktiv war. Die kabarettistische Komödie "Haie küsst man nicht" ist ab dem 13. Oktober zu sehen. Eine Erzieherin ertappt ihren Freund beim Fremdgehen und verbarrikadiert sich daraufhin im Kindergarten. "Ankomme Dienstag — Stop — Falle nicht in Ohnmacht" feiert am 17. November Premiere. Bei dieser spanischen Komödie kommt ein tot geglaubter Ehemann nach fünf Jahren nach Hause und bringt seinen Zwillingsbruder mit.

Bei "Die Wunderübung" ab dem 2. Februar führt wieder Benjamin Breutel Regie. Jens Kalkhorst freut sich, dass damit in der neuen Spielzeit zwei Stücke von dem jungen Regisseur inszeniert werden. "Die Wunderübung" handelt von einem Ehepaar bei der Paartherapie und allen damit verbundenen Klischees. Mit "Die zwölf Geschworenen" (bekannt durch den Film von 1957 mit Henry Fonda) nimmt sich das Taltontheater anschließend einen modernen Klassiker vor. Das Gerichtsdrama beleuchtet eine sechstägige Gerichtsverhandlung im Amerika der 1950er Jahre. Erstmals zu sehen ist das subtile Psychogramm mit großem Ensemble ab dem 16. März.

Richtung Boulevard begibt sich das TTT mit der "Tour de Farce" ab dem 20. April. Verwicklungsspirale und rasante Rollenwechsel zeichnen das Zwei-Personen-Stück aus, das das TTT als "Geheimtipp 2019" bewirbt. Um "Die Niere" geht es ab dem 11. Mai. Eine Ehefrau benötigt eine Spenderniere. Der Ehemann ist trotz gleicher Blutgruppe zur Spende nicht bereit, ein Freund schon. Dessen Gattin ist damit nicht einverstanden. Die Komödie lebt von Ping-Pong-Dialogen und der Frage: "Liebling, was bist du bereit, für mich zu tun?"

Drei Wiederaufnahmen stehen auf dem Programm: "Wir sind die Neuen" ist am 15. und 16. September zu sehen. "Hexenjagd" (ab 27. Oktober) und "Das Bildnis des Dorian Gray" (ab 23. Februar) kommen zurück auf die Bühne an der Wiesenstraße.

Das Taltontheater erhält seit zwei Jahren von der Stadt Wuppertal eine Förderung in Höhe von 12.000 Euro jährlich. Ansonsten finanziert es sich über Spenden, Sponsoren und Eintrittsgelder. Es gibt einen Förderverein. Die rund 40 Ensemblemitglieder bringen sich ehrenamtlich ein.

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