Sachbuch: Dem Tod auf die Schliche kommen

Sachbuch : Dem Tod auf die Schliche kommen

Die Wuppertaler Journalistin und Autorin Heike Fink hat ein Buch über den Tod geschrieben. Ein Jahr lang hat sie mit Menschen gesprochen, die eine ganz persönliche Beziehung zu ihm haben, und dabei viel über das Leben gelernt.

"Der Tod muß abgeschafft werden, diese verdammte Schweinerei muß aufhören. Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter." (Bazon Brock)

Der Tod gehört zum Leben, heißt es. Und doch versuchen wir ihn zu meiden, verschließen die Augen, wenn er um die Ecke schaut. Tritt er in unser Leben, dann ist sein Besuch meist schmerzhaft, weil damit verbunden, dass er uns geliebte Menschen entreißt oder nach unserem eigenen Leben die Hand ausstreckt. Für Heike Fink platzte der Tod vor ein paar Jahren auf mehrfache Art in ihr Leben. Mit Freund und Regisseur Bernd Schaarmann dreht die Wuppertalerin den Dokumentarfilm "Nice places to die", in dem sie Menschen auf drei Kontinenten begleiteten, die mit den Toten ein Stück ihres Lebensweges teilen. Dann geschieht das Unfassbare: Der Film ist gerade fertig gestellt und als Muster abgegeben, da stirbt Schaarmann. Mit gerade mal 46 Jahren, völlig überraschend, fünf Tage nach Abgabe.

"Das fliegt mich Jahre später noch an", erzählt Heike Fink. Wir sitzen an einem himmelblauen Sommertag im Straßencafé und der Tod könnte nicht weiter entfernt scheinen. Vogelgezwitscher, Kinderlachen, Blätterrascheln — die Luft ist voller Leben, als die 50-Jährige von ihrem Jahr mit dem Tod berichtet. Denn nach dieser Erfahrung will sie mehr wissen. "Ich wollte meine Angst loswerden und zugleich dem Tod auf die Schliche kommen. Warum beherrscht er uns so?", erklärt sie den Ansatz zu ihrem ersten Sachbuch.

Also macht sie sich auf. Ein Jahr lang sucht sie die Nähe von Menschen, die einen besonderen Umgang mit dem Tod pflegen. Sie spricht mit einem Bestatter, einem Friedhofsgärtner, der Leiterin eines Hospizes und einem Physiker mit Nah-Toderfahrung. Ein Tatortreiniger erzählt ihr von seinen Erfahrungen und eine todkranke Sängerin, deren Stimme nur noch jüdische Lieder singen mag. Es sind Geschichten voller Witz und Poesie, manchmal traurig, manchmal sentimental, immer ehrlich und sehr berührend. Und gar nicht düster.
Denn auch wenn es kein einfaches Jahr für sie war — "es gab unglaublich berührende Erlebnisse, Freundschaften sind entstanden, viele gute Dinge."

Da war etwa James. Er ist zwölf Jahre, als Heike Fink den Jungen im Hospiz Burgholz kennenlernt. "Ich habe mit ihm so tolle Gespräche geführt. Weniger über den Tod, viel mehr über das Leben und die Liebe — was Jungs in dem Alter eben so bewegt", erinnert sich die Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin. "Er erzählte mir, dass er eigentlich sogar dankbar für seine Krankheit ist. Weil er sonst nie die Freunde gefunden hätte, die für ihn jetzt die besten auf der Welt sind", erinnert sich Fink an diese eindrucksvolle Begegnung. "Er war so weise — das hat mich umgehauen." Und allen, die jetzt das Schlimmste fürchten, sei gesagt: James lebt.

Fazit ihrer zwölf Monate langen und zwölf Kapitel umfassenden Reise, bei der die Wissenschaft am Anfang und der Glaube am Ende steht: "Der Tod ist kein Tabu. Nur Gedanken an den eigenen Tod, die meiden wir!" Die Angst vor dem großen Unbekannten, die hat Heike Fink dabei etwas abbauen können. Und am Ende brachte das Jahr mit dem Tod ihr vor allem eins: Erkenntnisse über das Leben.

Heike Fink: "Mein Jahr mit dem Tod. Wie ich den großen Unbekannten besser kennenlernte", Gütersloher Verlagshaus 2018, 20 Euro

(nib)
Mehr von Wuppertaler Rundschau