Zum 80. Geburtstag: Die großen Kapitel des Hermann Schulz

Zum 80. Geburtstag : Die großen Kapitel des Hermann Schulz

Der Wuppertaler Schriftsteller feierte am Samstag (21. Juli 2018) seinen 80. Geburtstag. Erst mit 60 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch. Dabei klingt sein Leben wie ein einziger Roman.

Es gibt Menschen, die mitreißend schreiben, aber nicht vortragen können. Und es gibt große Redner, die niemals ihre Gedanken zu Papier kriegen würden. Der Schriftsteller Hermann Schulz hat die Gabe, beide Talente in sich zu vereinen. Am vergangenen Samstag hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert: "Privat feiere ich mit zehn bis 15 Leuten — mehr passen nicht in meinen Garten." Gestern dann "das richtige Halligalli", wie er es nennt; die Universität hatte zur großen Geburtstagsfeier geladen — erst im Mai war ihm hier die Ehrendoktorwürde verliehen worden.

Satte 26 Bücher hat er in den vergangenen 20 Jahren veröffentlicht, "dicke, dünne, erfolgreiche, erfolglose, für Kinder und Erwachsene." Vor seiner Schriftstellerkarriere gab es zwei weitere große Kapitel in seinem Leben. So drehte sich in seinen ersten 30 Lebensjahren das meiste um Suche und Orientierung. Sein Vater, ein Missionar in Afrika, wo Hermann Schulz auch 1938 geboren wurde, verstarb schon bald nach der Geburt dieses vierten Kindes. "Meine Mutter war überfordert und dementsprechend hart — sie wollte mich mit drei Jahren zur Adoption freigeben", erinnert er sich. "Ich habe aber dermaßen geschrien, dass es dazu nicht kam. Stattdessen gab sie mich für einige Jahre zu Verwandten."

Damit er früh etwas lernen und Geld verdienen würde, erwartete man vom jungen Hermann Schulz, irgendeine Ausbildung zu machen. Als es die Möglichkeit zur Exportkaufmannslehre gab, packte ihn die Panik: "Ich sah mich den Rest meines Lebens Frachtpapiere ausfüllen." Auf Anraten seines Bruders, jetzt ganz schnell etwas anderes zu finden, marschierte er in die nächste Buchhandlung — eine evangelische, in Neukirchen-Vluyn. Als er sich dort vorstellte und auch erwähnte, dass er das Kind eines Missionars sei, war der Vertrag schnell unterschrieben und Hermann Schulz absolvierte "mit viel Leidenschaft" eine Buchhändlerlehre. Die Literatur wurde zum ständigen Begleiter; auch auf Reisen, denn es zog ihn in die Welt hinaus. Es musste doch da noch mehr geben als den linken Niederrhein. Zum Beispiel den Orient.

Die folgenden Jahre wurden geprägt von völlig neuen Erfahrungen und zahlreichen Begegnungen, in der Türkei und im Libanon, in Jordanien und Syrien, in Iran und Irak. Als der Abenteurer gerade beschlossen hatte, in der Türkei zu bleiben, befand sich seine Familie am Niederrhein "in desolater Verfassung. Meine Mutter war todkrank und mein Bruder wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Mir wurde klar: Ich muss hier Verantwortung übernehmen." Die Suche nach Arbeit führte ihn nach Wuppertal, wo das zweite große Kapitel begann: die Verlagsarbeit. Von Johannes Rau als Mitarbeiter eingestellt, bekam Hermann Schulz nach Ausscheiden Raus — der wechselte als SPD-Fraktionsvorsitzender in den Landtag — die Chance auf eine leitende Position.
34 Jahre sollte dieses Kapitel umfassen. Hermann Schulz schaukelte das Schiff Peter-Hammer-Verlag durch ruhiges Fahrwasser und schwere See. Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms lag beim Thema Nicaragua, aber man zeigte sich ebenfalls innovativ mit dem "Lexikon der Sexualität" — hier wurden zum ersten Mal Fotos in die Sexualaufklärung integriert. Außerdem begann die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Wolf Erlbruch, der dem Verlag bis heute treu geblieben ist.

Die jahrzehntelange Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Literatur unterstützte den Verleger bei seinem Wunsch, selber Bücher zu schreiben. Im Alter von 60 Jahren veröffentlichte Hermann Schulz seinen ersten Roman "Auf dem Strom" — und begann damit das dritte große Kapitel, das bis heute fortgeschrieben wird.
Aktuell arbeitet Hermann Schulz an seinem 27. Buch; es handelt von einer Begegnung, wie nur jemand wie er sie erleben kann. Und wenn er einem im Interview davon erzählt, dann will man ihm stundenlang zuhören. Zum Glück ist er in der Lage, all das auch aufzuschreiben.

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