Wer ist Monsieur Schmitt? vonThiéry im Taltontheater Wuppertal

Taltontheater in Wuppertal : Absurde Komödie trifft Psychothriller

„Wer ist Monsieur Schmitt?“ heißt die neue Produktion im Taltontheater in Wuppertal. Sie ist spannend und unterhaltsam. Erklären kann man sie allerdings nicht.

Vielleicht ist das der Grund dafür, warum „Wer ist Monsieur Schmitt?“ des französischen Autors Sébastien Thiéry in Deutschland kaum gespielt wird. Dabei hat das Stück, das eine Mischung aus absurder Komödie und Psychothriller ist, sehr witzige Momente. Die ergeben sich in der Inszenierung von Jens Kalkhorst aus der Absurdität der Handlung und dem tollen Spiel von Hauptdarsteller Dennis Ellerbrake. Er spielt Jean-Claude Bélier, einen französischen Augenarzt, der entweder einen Alptraum, eine Persönlichkeitsstörung oder sonst irgendwas hat. Was es ist, darauf gibt es keine klare Antwort, auch wenn der Regiekommentar im Programmheft auf eine dissoziative Störung hindeutet.

Und so sieht das aus: Die Eheleute Bélier finden sich während des Abendessens plötzlich in einer fremden Wohnung in Luxemburg wieder. Offenbar wohnen dort die Schmitts. Wie sie dort hingekommen sind? Keine Ahnung. Aber noch viel schlimmer ist, dass sogar der herbeigeeilte Polizist (Niklas Selz) sie für Madame und Monsieur Schmitt hält.

Da sie selbst renitent ihre Identität verteidigen, wird schließlich eine Psychiaterin (überzeugend: Doris Hartmann) beauftragt, „den Kranken“ zu begutachten. Dabei steht nur noch Monsieur Bélier im Fokus, denn seine Gattin (Daniela Stibane) hat sich spontan damit abgefunden, Madame Schmitt zu sein. Die Tests der Psychiaterin sind so irritierend wie die ganze Geschichte. So zeigt sie Jean-Claude Bilder, die er deuten soll. Das Publikum sieht die Bilder ebenfalls und erkennt darin, was der Proband erkennt. Doch das ist nach Ansicht der Ärztin falsch. Eine Tanne ist keine Tanne, sondern eine Patchwork-Familie. Die Zuschauer amüsieren sich, während die Hauptfigur immer panischer wird.

Die Entwicklung vom arroganten Snob zum zerstörten Menschen setzt Dennis Ellerbrake grandios um. Das Bühnenbild von Rüdiger Tepel - großformatige, moderne Gemälde und ein Tisch mit Stühlen - bringen das immer mehr in Schieflage geratende Innere nach außen. Der Tisch steht schon von Anfang an schief, aber die Leinwände kippen erst später alle zur Seite. Ein Regieeinfall, der mehr verwirrt als hilft, ist die wechselnde Hautfarbe des erwachsenen Kindes der Schmitts (Linda Dörr). Im Original ist der zur Identifizierung herbeigerufene Sohn dunkelhäutig. Im Taltontheater ist die Tochter erst bräunlich, am Schluss aber weiß. Vielleicht ist dies ein Indiz dafür, dass Monsieur Schmitt nun in der Realität angekommen ist – und sich darin gar nicht zurechtfindet.

Die mutige Idee des Taltontheaters, „Wer ist Monsieur Schmitt“ nach Wuppertal zu holen, sollte man mit einem Besuch belohnen.