Kommentar zu den Sicherheitsauflagen für die Stadtteilfeste Früher miteinander reden!

Wuppertal · "Was ist eigentlich für dich das Besondere an Wuppertal?" Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, diese Frage für eine Wuppertaler Onlineplattform zu beantworten. Es gibt vieles, das ich an dieser Stadt einzigartig und speziell finde — die individuellen Stadtteilfeste gehören auf jeden Fall dazu.

 Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz.

Foto: Bettina Osswald

Sie haben einen ganz eigenen Charme und locken regelmäßig Tausende Besucher — auch von außerhalb der Stadtgrenzen — ins Tal. Kurzum: Sie besitzen Strahlkraft, sind Image bildend — und machen schlicht beste Werbung für Wuppertal.

Für die ehrenamtlichen Organisatoren ist das ein Kraftakt. Zunehmend geprägt von den strengen Sicherheitsauflagen der Stadt. Dass diese ihren Sinn haben und unabdingbar sind, um solchen Großveranstaltungen den bestmöglichen Sicherheitsrahmen zu geben, weiß niemand besser als die Organisatoren selbst. Niemand stellt das in Abrede. Allein die Frage, wie dies durch die ehrenamtlichen Vereine umsetzbar bleiben kann, treibt die Verantwortlichen um.

Dabei fällt auf: Viele aus der Ferne getroffenen Vorschriften können bei der Besichtigung vor Ort und im Gespräch mit sämtlichen Beteiligten der Lage so angepasst werden, dass die Lösung für alle funktioniert. Für andere, als problematisch empfundene (weil mit Geld verbundene) Auflagen — Hinweisschilder für Fluchtwege, Funkgeräte — gab es vergangene Woche innerhalb von Minuten Lösungen, als — ja, als man einfach mal darüber gesprochen hat. Teilnehmer dieser Gesprächsrunde staunten anschließend darüber, wie einfach es letztlich war ...

Es erinnerte ein wenig an den Fall des ach so problematischen Steingartens auf der Nordbahntrasse am Loh, was sich da zwischen Stadtverwaltung und Beteiligten abgespielt hat. Im Grunde ist niemand bei der Stadt daran interessiert, ein Ereignis wie das Bleicherfest — oder eben den beliebten Steingarten — abzuschaffen. Gibt es jedoch Schwierigkeiten, dann versagt die Verwaltung in einer ungemein wichtigen Disziplin: Kommunikation.

Es gelingt offenbar nicht, von, sagen wir mal, sachlich orientierter Verwaltungsseite an engagierte Menschen die Botschaft zu vermitteln: Machen Sie sich keine Sorgen, wir finden gemeinsam eine Lösung. Oder anders: Auch wenn die Stadt keine Feste etc. verhindern will — sie vermittelt andererseits nicht den Eindruck, sie arbeite aktiv mit, dass sie in jedem Fall stattfinden. Das gelingt erst dann, wenn die Anweisung von Oberbürgermeister Andreas Mucke kommt, dass eine Lösung her muss. Und das ist eigentlich beschämend.

Was also bleibt von der Aufregung ums Bleicherfest? Die klare Botschaft der Stadtspitze, dass man sehr wohl um die Bedeutung dieses wie anderer Stadtteilfeste weiß und um Lösungen bemüht ist. Aber auch der schale Beigeschmack, dass immer noch erst dann miteinander gesprochen wird, wenn das Kind schon halb in den Brunnen gefallen ist.

Um die Veranstalter jedoch nach Kräften zu unterstützen, bedarf es mehr Engagement seitens der Verwaltung — mit einer besseren Kommunikation und der aktiven Suche nach Lösungen. Nicht erst dann, wenn Feste öffentlichkeitswirksam zu scheitern drohen. Denn am Ende profitiert vor allem die Stadt davon.

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