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Rundschau-Aktion: Hochdruckgefährdete Telefonleitungen

Rundschau-Aktion : Hochdruckgefährdete Telefonleitungen

Bluthochdruck — ein Phänomen, das bis zum Ende des Lebens letztlich die meisten von uns früher oder später erfasst hat. Prof. Dr. med. Bernd Sanner, der Ärztliche Direktor des Bethesda-Krankenhauses und ausgewiesener Hypertonie-Experte, stellte sich den Fragen unserer Leser am Telefon.

Die waren durchaus vielschichtig — und umfassten alle Altersgruppen. "Vom 22-Jährigen bis zur 90-Jährigen waren alle Altersstufen vertreten", fasste Sanner zusammen, der sich in den Gesprächen nicht oft wiederholen musste: "Jeder hatte seine eigene Geschichte. Oft hatten die Anrufer zusätzliche andere Erkrankungen, was zu komplexen Problemen führen kann. Da kommt es sehr auf die Zusammenstellung der Medikamente an."

Manche fragten nach den Ursachen des Bluthochdrucks und wie man die gegebenenfalls beeinflussen kann, andere fühlten sich schlecht eingestellt, wieder andere fragten nach optimalen Messmethoden. Und immer wieder stand natürlich die Frage nach dem idealen Blutdruckwert im Raum.

Genau zu diesem Thema hatte eine amerikanische Studie Anfang des Jahres neue Erkenntnisse gebracht und für viel Aufsehen gesorgt. "Sie besagt, dass die Senkung des Werts auf 120 erkennbar das Schlaganfall- oder Infarkt-Risiko mindert", erläutert Sanner. Das heißt, wenn man den bislang oft als ausreichend empfundenen Zielwert von 140 unterbietet, führt das tatsächlich zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Aussichten.

Die Aussagekraft der Studie hält Sanner für beachtlich, schließlich wurde sie nicht von einer Pharmafirma bezahlt, die Interesse daran hat, ihre Blutdruck senkenden Medikamente zu verkaufen, sondern von einer unabhängigen nationalen Gesundheitsbehörde in den USA. Allerdings bezog sich die Langzeit-Untersuchung nur auf Teilnehmer, die alt waren oder die mehrere Risikofaktoren aufwiesen. Außerdem, so Sanner, "ist bekannt, dass der vom Arzt gemessene Wert aufgrund einer Grundnervosität immer ein wenig über dem zu Hause gemessenen liegt. Insofern hält die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie, in deren Vorstand Sanner ist, momentan einen Zielwert von 130/80 für ausreichend.

Wirklich angestrengt wirkte Professor Bernd Sanner nicht — dabei wäre es ihm am Ende einer über zweistündigen Telefonaktion nicht zu verdenken gewesen ...