1. Gesundheit

Rundschau-Telefonaktion mit Prof. Sanner zum Thema Bluthochdruck

Telefonaktion am Dienstag : Ihre Fragen zum Thema Bluthochdruck

Er gehört zu den besonders gefragten Experten bei unseren Telefonaktionen: Anlässlich des Welthypertonietages beantwortet der zu den führenden Bluthochdruck-Experten in Deutschland zählende Bethesda-Chefarzt Professor Dr. Bernd Sanner am Dienstag (18. Mai 2021) von 16.30 bis 18 Uhr wieder Leserfragen am Rundschau-Telefon unter 0202 / 271 44-21 erreichbar. Egal ob es um richtiges Messen, den Zusammenhang zwischen Schlaf und Bluthochdruck oder die passenden Medikamente geht – hier gibt es die Antworten.

Die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) ist die häufigste internistische Erkrankung: Nahezu 40 Prozent der Menschen in westlichen Industrienationen sind von Bluthochdruck betroffen und haben zu hohe Blutdruckwerte. Hierbei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Erkrankung und dem Alter. Bluthochdruck ist ein Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle und Gefäßerkrankungen. „Wichtig zu wissen ist“, so Prof. Sanner, „schon minimale Erhöhungen des Blutdrucks führen zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Komplikationen“. Daher kommt einer genauen Blutdruckmessung besondere Bedeutung zu. „Die Patient*innen merken oft gar nicht, dass ihr Blutdruck erhöht ist. Im Gegenteil: Bluthochdruckerkrankte fühlen sich meist leistungsfähiger als diejenigen mit normalen Blutdruckwerten“, sagt der Experte.

Da ein schlecht eingestellter Bluthochdruck nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung deutlich reduzieren kann, sollten alle Erwachsenen ihren Blutdruck kennen. Hierbei gewinnen Blutdruck-Messgeräte für die Selbstmessung einen zunehmenden Stellenwert. Deshalb steht der Welthypertonietag in diesem Jahr unter dem Motto #meinblutdruckpasst und stellt die Blutdruckmessung in den Fokus.

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Messung des Blutdrucks
Üblicherweise wird der Blutdruck in Arztpraxen oder Apotheken gemessen. Der hierbei erhaltene Wert hat jedoch eine sehr viel schlechtere Vorhersage-Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Komplikationen als andere Messverfahren. Deutlich besser ist die Blutdruck-Selbstmessung oder aber auch die 24-Stunden Langzeitblutdruck-Messung. Doch wie misst man den Blutdruck richtig?
● Gemessen werden sollte der Blutdruck im Sitzen nach 5 Minuten Ruhepause.
● Idealerweise sind 3 Messwerte hintereinander mit 1 Minute Abstand zu nehmen, wobei der erste Wert zu verwerfen und bei den letzten beiden der Mittelwert heranzuziehen ist.
● Die Armmanschette muss passend zum Oberarmumfang sein. Misst man zum Beispiel mit einer normalen Blutdruckmanschette bei einem sehr muskulösen Oberarm, so werden fälschlicherweise zu hohe Blutdruckwerte ermittelt.
● Während des Messvorgangs darf nicht gesprochen werden, man sollte sich anlehnen und die Beine nicht überkreuzen.

Auf das Prüfsiegel achten
Von Bedeutung ist auch, dass das Blutdruckmessgerät nicht nur als Medizinprodukt zugelassen ist, was am „CE-Kennzeihen“ zur erkennen ist, sondern dass es auch eine hohe Messgenauigkeit hat. Dies wird nachgewiesen durch das Vorhandensein eines Prüfsiegels, zum Beispiel durch das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga oder der Europäischen Fachgesellschaft (European Society of Hypertension). Eine Vielzahl von Faktoren kann am Blutdruckmessgerät dazu führen, dass unzuverlässige Messwerte produziert werden: Verantwortlich sind die Genauigkeit der Pumpe im Gerät, die Art der verwendeten Manschette, die eingebaute Druckblase, aber auch Fehlererkennungsmechanismen in den Geräten und einprogrammierte Berechnungsformeln.

Zusätzlich ist nicht zu vergessen, dass auch auf Seiten der Anwender Fehler bei der Blutdruckmessung gemacht werden können. Die Fehlerquote ist bei den Handgelenksmessgeräten höher als bei den Oberarmmessgeräten. Das Nichtbeachten einfacher Regeln der Blutdruckmessung führt zu einer deutlichen Fehleinschätzung der Behandler und damit zu einer Über- oder Unterbehandlung der arteriellen Hypertonie. Dies ist eine der Hauptursachen für eine schlechte Blutdruckkontrolle und Fehldiagnosen.

Schlaf und arterielle Hypertonie
Der Blutdruck unterliegt einer sogenannten zirkadianen Variabilität, das bedeutet, dass die Blutdruckwerte nachts im Mittel 10 bis 15 % im Vergleich zu den Tageswerten absinken. Dies ist ein normaler Mechanismus, der an den Funktionszustand des Schlafes gekoppelt ist. Mittlerweile ist bekannt, dass gerade die nächtlichen Blutdruckwerte die beste Vorhersagewahrscheinlichkeit für Herz-Kreis-Komplikationen oder Todesfälle in der Zukunft haben. Auch ist das Ausmaß des nächtlichen Absinkens, dass sogenannte Dipping, entscheidend.

Eine Vielzahl von Störungen im Schlaf oder des Schlafes können zu erhöhten nächtlichen Blutdruckwerten führen. Hierzu zählen:
- Eine zu kurze Schlafdauer, die in der Folge auch zu erhöhten Blutdruckwerten tags führen kann
- So genannte Insomnien, also Ein- und Durchschlafstörungen
- Schlafbezogene Bewegungsstörungen
- Schlafbezogene Atmungsstörungen.
Die mittlere Schlafdauer in Deutschland liegt bei etwas über 7 Stunden pro Nacht. Insbesondere Personen mit regelmäßig sehr kurzen Schlafdauern unter 6 Stunden pro Nacht haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von hohem Blutdruck, aber auch von Diabetes oder von Schlaganfällen. Ursächlich ist hier eine Aktivierung des Sympathikus-Systems.

Bereits eine Nacht mit verkürzter Schlafdauer führt zu einem Anstieg der Blutdruckwerte in dieser Nacht und auch am folgenden Tag, dies kann sich bei chronischen Kurzschläfern verfestigen. Insbesondere wenn Kurzschläfer eine schlechte Schlafqualität haben, entwickeln diese in einem sehr hohen Prozentsatz eine Bluthochdruckerkrankung.

Eine arterielle Hypertonie entwickelt sich auch bei schlafbezogenen Bewegungsstörungen, also den sogenannten Restless Legs oder dem Syndrom der periodischen Beinbewegung. Bei Restless Legs handelt sich um eine Erkrankungsgruppe als Folge einer Vielzahl von Störungen, die charakterisiert ist durch einen imperativen Bewegungsdrang in ruhigen Situationen, vor allem abends, mit einer Besserung unter körperlicher Aktivität.

Auch Störungen der Atmung (zum Beispiel bei obstruktiver Schlafapnoe) können als Folge der nächtlichen Atempausen zu Blutdrucksteigerungen und vor allem nächtlich erhöhten Blutdruckwerten führen. Hier wird häufig ein sogenanntes Non-Dipping, also ein fehlendes Abfallen der Blutdruckwerte nachts, gelegentlich sogar ein rising, also ein Anstieg der nächtlichen Blutdruckwerte, beobachtet. Letzteres ist ein besonderer Risikomarker.

Als Konsequenz aus diesen Daten ist zu folgern, dass bei Schlafstörungen gezielt das Herzkreislaufsystem und die Blutdrucksituation untersucht werden sollten, anderseits bei Nachweis einer Bluthochdruckerkrankung, insbesondere wenn dies nachts auftritt, gezielt nach zugrunde liegenden Schlafstörungen gefahndet werden sollte.