CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Wessel Kritik an Zentralisierung des kinderärztlichen Notdienstes

Wuppertal · Der Wuppertaler CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Wessel sieht auch nach einem Gespräch mit betroffenen Kinderärzten „keine Argumente“ für die Zentralisierung des kinderärztlichen Notdienstes.

 Symbolbild.

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Foto: Alex Khaizeman

„Es ist völlig unverständlich, dass ein gut funktionierendes System abgeschafft wird, um in Wuppertal eine gesundheitspolitische Agenda durchzusetzen, die schon in anderen Städten nicht funktioniert. Und das gegen den Willen der Kinderärzte, die nun zu Notdiensten außerhalb der eigenen Praxis und ohne ihre Mitarbeiter verpflichtet sind. Und zwar in der Praxis einer Tochtergesellschaft der Kassenärztlichen Vereinigung im Helios-Klinikum“, so Wessel.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende hatte sich zuvor mit den Kinderärzten Dr. Hendrik von Fintel und Dr. Stefan Giertz über das neue System unterhalten, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein zum 1. April in Wuppertal eingeführt hatte: „Gründe für eine Änderung des bestehenden Systems sind normalerweise wirtschaftliche oder vernünftige. Von beidem kann hier jedoch keine Rede sein.“

 Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Wessel.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Wessel.

Foto: Pflege Wessel

Demnach teilen sich 34 Kinderärzte sich die Notdienste, ihnen würden zwei Medizinische Fachangestellte (MFA) in Teilzeit und vier Geringverdienende von der KV zur Seite gestellt. „Das ist zu wenig, um einen kurzfristigen Personalausfall zu kompensieren“, so von Fintel. Genau sei ist im Mai bereits passiert – die Notdienstpraxis sei für einen Tag geschlossen worden. „Eine solche Situation hat es vor der Zentralisierung in 30 Jahren Kindernotdienst in Wuppertal nicht gegeben“, sagt von Fintel. Die Prognosen der Ärzte für Herbst und Winter seien entsprechend „düster“.

Auch finanziell stelle die neue Situation keine Verbesserung für die Ärzte das. „Wir zahlen noch drauf“, erklärt Giertz. „Wenn wir selbst krank werden und keine Vertretung organisieren können, müssen wir 2.500 Euro an die KV zahlen. Und wer den Notdienst statt in der zentralen Praxis doch in seiner eigenen anbietet, zahlt 800 bis 1.000 Euro Strafe.“ Grundsätzlich würden zehn Prozent vom Umsatz eines Notdiensttages an die KV abgeführt. „Betriebswirtschaftlich ist das Harakiri“, findet Giertz. „Viele Kinderärzte im Gebiet Nordrhein finden auch deshalb keine Nachfolger, weil niemand diese Notdienste machen will.“

Das stundenlange Warten, weil keine telefonische Anmeldung mehr möglich sei, erschwere die Situation für alle. „Die Stimmung im Wartezimmer heizt sich verständlicherweise mit jeder Stunde weiter auf“, meint von Fintel. „In den Sommermonaten halten sich die Wartezeiten noch einigermaßen in Grenzen. Für den Winter rechnen wir mit mehreren Stunden.“

Auch der Ablauf sei nun schwieriger: „Wenn wir eine Blut- oder Ultraschalluntersuchung benötigen, können wir sie nicht mehr selbst durchführen, sondern müssen die Kinder in die Helios-Klinik einweisen. Dort sitzen sie dann eventuell noch mal stundenlang.“ Denn niemandem sei zu vermitteln, dass sich die Kindernotdienstpraxis zwar im Gebäude des Helios-Klinikums befinde, aber nicht zum Klinikum gehöre.

Wessel: „Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein scheint den eisernen Willen zu haben, den gesamten Kindernotdienst in Wuppertal vor die Wand zu fahren. Obwohl schon innerhalb von zwei Monaten sämtliche Probleme aufgetreten sind, vor denen die Ärzte im Vorfeld gewarnt hatten.“

Die „kategorische Absage“ der KV, zum alten System zurückzukehren, ist für den CDU-Fraktionsvorsitzenden unverständlich. „Nach einer Evaluierungsphase sollte eine Entscheidung pro oder contra Zentralisierung auf Vernunft basieren. Ich frage mich, wer mit welcher Berechtigung solche Entscheidungen trifft? Und natürlich cui bono? Wer hat einen Vorteil? Denn für Eltern, Kinder, Ärzte und medizinisches Personal hat dies ausschließlich Nachteile.“

Die CDU-Fraktion bietet ein gemeinsames Gespräch mit den Kinderärzten und den Vertretern der KV Nordrhein an.