Geschäftsjahr 2022 Trotz Krisen: WSW erwirtschaften Millionengewinn

Wuppertal · Die Wuppertaler Stadtwerke haben das Geschäftsjahr 2022 mit einem Konzerngewinn von 18,2 Millionen Euro abgeschlossen. Das haben die WSW am Dienstag (5. Juni 2023) bekanntgegeben.

Der WSW-Vorstandsvorsitzende Markus Hilkenbach.

Der WSW-Vorstandsvorsitzende Markus Hilkenbach.

Foto: Stefan Tesche-Hasenbach

„Das Ergebnis liegt über unserer Wirtschaftsplanung und stärkt die Substanz der WSW, um die Herausforderungen der Energie- und Mobilitätswende zu bewältigen“, so der Vorstandsvorsitzende Markus Hilkenbach. Grund für das Ergebnis seien leichte Verbesserungen in allen relevanten Konzerngesellschaften. Die WSW Energie & Wasser AG mit einem Plus von rund 75 Millionen Euro und die WSW mobil GmbH mit einem Defizit von rund 60 Millionen Euro hätten den wesentlichen Anteil am Gesamtergebnis.

„Die durch die Energiekrise verursachten Preissteigerungen führten zu einem deutlichen Anstieg der Konzern-Umsatzerlöse auf rund 1,5 Milliarden Euro. Einnahmesteigerungen gab es vor allem im bundesweiten Energievertrieb. Das Tochterunternehmen WSW 3/4/5 Energie GmbH konnte als Vertriebsgesellschaft für Industriekunden in ganz Deutschland sein Ergebnis verbessern“, hieß es.

Das abgelaufene Geschäftsjahr war demnach einerseits von einer wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie geprägt, andererseits von den Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Die wirtschaftliche Belebung habe sich in einem erhöhten Strombedarf bei den Wuppertaler Unternehmen gezeigt. Gleichzeitig seien der Strom- und Wärmeabsatz aufgrund der milden Witterung und Energieeinsparmaßnahmen im Rahmen der Gasmangellage rückläufig gewesen.

Die Energiekrise infolge des Kriegs gegen die Ukraine stellte die WSW im vergangenen Jahr vor außergewöhnliche Herausforderungen: „Insbesondere der zeitweise drohende Eintritt einer Gasmangellage hätte gravierende Konsequenzen für die Energieversorgung in Wuppertal haben können.“ Im Rahmen des Krisenmanagements habe man sich „intensiv auf technische und wirtschaftliche Effekte vorbereitet. Glücklicherweise blieben entsprechende Worst-Case-Szenarien aus. Das größte Problem stellte der starke Energiepreisanstieg in der zweiten Jahreshälfte dar.“

Mit einem „Maßnahmenbündel“ habe man den Kundinnen und Kunden „Unterstützungsmöglichkeiten“ angeboten und sich zudem „aktiv und erfolgreich am Erreichen der von der Bundesregierung vorgegebenen Einsparziele“ beteiligt.

Im ÖPNV haben sich die Fahrgastzahlen nach dem starken Rückgang durch Corona leicht erholt. Im Busverkehr und in den Schwebebahnen zählten die WSW im vergangenen Jahr sieben beziehungsweise 11,4 Millionen Fahrgäste mehr. Insgesamt waren 76,2 Millionen Fahrgäste in den WSW-Bussen und der Schwebebahn unterwegs (Vorjahr: 58,8 Millionen).

Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe man die „Transformation des Unternehmens für die Umsetzung der Energie- und Mobilitätswende weiter vorangetrieben“. So sei mit dem Um- und Ausbau des Fernwärmenetzes in der Elberfelder Innenstadt begonnen worden: „Die Wärmeversorgung dort wird auf die Nutzung von energieeffizientem Heizwasser statt Dampf umgestellt. Gleichzeitig sollen mehr Liegenschaften an die Fernwärmeversorgung angeschlossen werden.

Im Busbetriebshof Nächstebreck haben die WSW eine weitere große Photovoltaik-Anlage für die Eigenversorgung installiert. Im November wurde mit dem Fraunhofer-Institut ein Projekt zur Identifikation von möglichen Potenzialen von Geothermie in Wuppertal gestartet. Die WSW haben 2022 mit der Entwicklung einer Produktpalette rund um die Nutzung Erneuerbarer Energien für die Kundinnen und Kunden begonnen. Das neue Konzept der Erneuerbaren Energielösungen ist seit Mai 2023 in der Umsetzung. Es umfasst unter anderem Elektromobilität, Solarenergie, Wärmepumpen, Stromspeicher und Quartierslösungen.

Im Juni, Juli und August 2022 konnten auch die Wuppertalerinnen und Wuppertaler das 9-Euro-Ticket nutzen, das Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung war. Fast 400.000 Stück des besonders günstigen Monats-Tickets (einschließlich der umgestellten Abo-Tickets) verkaufte die WSW mobil.

Die WSW sind Mitglied im Netzwerk digitale Daseinsvorsorge und bieten beispielsweise Kundinnen und Kunden mit privaten Wasserverteilnetzen eine digitale Wasserlecksuche an, bei der Daten über das LoRaWAN-Funknetz der WSW übertragen werden. Anwendungen für die Überwachung von Leitungen und Stationen auf Grundlage des LoRaWAN gibt es bereits in den eigenen Strom- und Wassernetzen der WSW. Außerdem setzen die WSW den Feldversuch zur digitalen Steuerung der Straßenbeleuchtung im Quartier Schöller-Dornap fort. Das öffentliche WLAN-Angebot der WSW (WSW-LAN) wurde ausgebaut. Auf dem Carnaper Platz erproben die WSW digitale Anwendungen, wie etwa die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge an Straßenlaternen zu laden. Weitere smarte Lösungen auf Grundlage der Parkrauminfrastruktur sind in Planung.

Wie beim 9-Euro-Ticket habe man sichergestellt, „dass staatliche Entlastungen, etwa die Dezember-Soforthilfe, zügig bei den Kunden ankamen. Zu dem Maßnahmenpaket gehörte auch eine intensive Zusammenarbeit mit der Wuppertaler Tafel.“

„Die reinen Geschäftszahlen zeigen nicht, dass 2022 ein echtes Krisenjahr war", meint WSW-Chef Markus Hilkenbach. Die WSW führen den wirtschaftlichen Erfolg auf eine „besonnene und sehr enge Unternehmenssteuerung“ zurück. Technisch, organisatorisch und personell hätten sich die internen Strukturen bei den WSW mit ihren mehr als 3.000 Beschäftigten in der Krise bewährt.

Das 75. Jubiläum wollen die Stadtwerke gemeinsam mit den Wuppertalerinnen und Wuppertaler feiern. Dafür seien verschiedene Veranstaltungsformate in Planung.

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