Wirtschaft IHK: Bergische Wirtschaft ist „im Konjunkturtief“

Wuppertal · Die wirtschaftliche Lage im Bergischen Städtedreieck hat sich im Frühjahr 2024 weiter eingetrübt. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Bergischen IHK, an der sich diesmal 452 Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten beteiligt haben.

 IHK-Präsident Henner Pasch.

IHK-Präsident Henner Pasch.

Foto: Malte Reiter

Nur bei jedem fünften Unternehmen laufen demnach die Geschäfte zurzeit „gut“, 45 Prozent bewerten ihre gegenwärtige Lage als „befriedigend“ und 34 Prozent als „schlecht“. Der Geschäftslageindex, der die Differenz der „gut“- und „schlecht“-Einschätzungen widerspiegelt, sinkt im Vergleich zum Jahresbeginn um acht Punkte auf minus 13.

„Das ist der schlechteste Wert seit Herbst 2020, als wir mitten in der Corona-Krise waren. Im Vergleich der drei bergischen Großstädte schneidet die Remscheider Wirtschaft weiter am schwächsten ab. Dies ist in erster Linie auf den weit überdurchschnittlich hohen Industrieanteil zurückzuführen“, so IHK-Präsident Henner Pasch. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer beklage, dass ihre Umsätze in diesem Jahr gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gesunken sind. „Die Betriebe beurteilen ihre Perspektiven für den weiteren Jahresverlauf zwar skeptisch, der Pessimismus lässt aber allmählich nach. Dies lässt hoffen, dass die Konjunktur die Talsohle erreicht hat. Ein Aufschwung ist jedoch noch nicht in Sicht“, so Pasch.

Viele Industriebetriebe sind laut Umfrage deutlich unzufriedener als noch zum Jahresanfang. „Noch mehr als die konjunkturelle Schwäche sorgen sich die Unternehmen wegen der massiven strukturellen Probleme des Standorts Deutschland, die seine internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden“, erklärt die IHK, „Der produktionsnahe Großhandel hängt von der unbefriedigenden Entwicklung der Industrie ab. Immerhin haben sich die Geschäftsaussichten für die Industriebetriebe und Großhändler etwas aufgehellt. Im Einzelhandel ist noch keine grundlegende Trendwende zum Besseren zu spüren.“

Die Lage des Verkehrsgewerbes habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert, die Gastronomie müsse dagegen Umsatzeinbußen verkraften: „Die Dienstleister stechen bei allen Konjunkturindikatoren im Branchenvergleich positiv hervor. Aber auch sie spüren, dass die gesamtwirtschaftliche Lage schwach ist.“

Die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bleibt im Frühjahr 2024 das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko. Trotz einer leichten Entspannung an den Energiemärkten sieht die Wirtschaft weiter erhebliche Defizite in der Energiepolitik. Gefordert wird eine zuverlässige Energieversorgung mit möglichst stabilen, international wettbewerbsfähigen Preisen.

„Die Betriebe äußern zudem deutlich ihren Unmut über die wachsende Bürokratie in Deutschland. Sie kritisieren, dass die Politik keine verlässlichen Rahmenbedingungen schafft, die Investitionen am Standort Deutschland begünstigen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge.

Dies habe zur Folge, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt gering bleibe. „Viele Betriebe halten zwar an ihrem Personalbestand fest, stellen aber nur wenige zusätzliche Mitarbeiter ein. Der Ausbildungsmarkt hat sich zu einem Bewerbermarkt gewandelt, auf dem sich die Unternehmen um eine schrumpfende Anzahl an Bewerbern bemühen müssen“, konstatiert die IHK.

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