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Wahl in Wuppertal: Auf ein Wa(h)lnuss-Eis mit Manfred Todtenhausen

Bundestagswahl 2021 : Auf ein Wa(h)lnuss-Eis mit ... Manfred Todtenhausen

Der Bundestagswahlkampf läuft auf vollen Touren, viel Stress für die Beteiligten. Die Rundschau beschert Kandidatinnen und Kandidaten aus dem großen Wuppertaler Wahlkreis I daher einen etwas entspannteren Termin und lädt sie in ihrem Lieblings-Eissalon auf ein „Wa(h)lnusseis“ ein. Rundschau-Redakteur Stefan Seitz traf Manfred Todtenhausen von der FDP im Eiscafé „Mandoliti“ am Laurentiusplatz, denn seine Stamm-Eisdiele an der Nevigeser Straße hatte Ruhetag.

Rundschau: Herr Todtenhausen, Sie sind ja schon eine ganze Weile in der Politik aktiv. Wie lange eigentlich?

Todtenhausen:Im Wuppertaler Stadtrat war ich von 2004 bis 2017, im Bundestag von 2012 bis 2013 und dann wieder seit 2017 bis heute. Ich fühle mich fit, habe gute Themen und große Lust auf weitere vier Jahre.“

Rundschau: Und danach?

Todtenhausen: „Dann würde ich als heute 70-Jähriger sagen, dass dann Schluss sein sollte. Außerdem bin ich ja seit 1981 als Elektroinstallateur-Meister selbständig und meine Firma konnte soeben ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Übrigens habe ich mit 27 die Meisterschule besucht, weil ich als gelernter Elektroin- stallateur beruflich mehr erreichen wollte. Man kann sagen, dass der Entschluss, den Meister zu machen, mein Leben verändert hat.“

Rundschau: Ist deswegen das Thema Handwerk immer einer ihrer politischen Schwerpunkte gewesen?

Todtenhausen: „Natürlich. Ebenso wie der Handel oder der Bürokratieabbau, der gerade für Handwerk und Handel so wichtig ist. In Sachen Abbau von Bürokratie-Hemmnissen habe ich in der Vergangenheit bereits 55 Vorschläge in Berlin eingebracht. Leider hat Wirtschaftsminister Altmaier sie nicht umgesetzt. Das gehört zu dem, was man als Handwerker, der Dinge anpacken und zu Ende bringen möchte, in der Politik lernen muss: Man bringt so viel auf den Weg, alle finden es toll, aber dann muss immer noch einmal geprüft, neu diskutiert werden, und, und, und ...“

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Rundschau: Die Wuppertaler wollen natürlich gerne wissen, was Sie für diese Stadt auf bundespolitischer Ebene erreichen wollen ...

Todtenhausen: „Städte wie Wuppertal müssen entschuldet werden, damit sie wieder handlungsfähig sind. Das nützt ja auch der Wirtschaft, das darf man nicht vergessen! Ich denke, die Entschuldung sollte mit einer zukünftig anderen Art der Kommunalfinanzierung geschehen. Beispielsweise, indem die Städte einen Teil der Mehrwertsteuer bekommen und nicht mehr allein von der Gewerbesteuer abhängig sind. Solch eine Umstellung ist aber ein dickes politisches Brett, denn man muss ja wissen, dass es viele Bundestagsabgeordnete etwa aus Bayern oder Baden-Württemberg gibt, die sich eine verschuldete Stadt gar nicht vorstellen können. Trotzdem oder gerade deshalb: Es muss Aufbauhilfen für Kommunen geben, die unverschuldet in Schwierigkeiten sind. Und diese Hilfen müssen funktionieren. Nicht so wie in der Corona-Lockdown-Zeit, wo beispielsweise der Einzelhandel erleben musste, wie schlecht das mit den Hilfen lief.“

Rundschau: Apropos Corona: Die FDP hat sich durchaus kritisch zu den immer wieder verhängten Maßnahmen positioniert.

Todtenhausen: „Die FDP war skeptisch, hat aber vieles bewusst mitgetragen, weil es ja klar war, dass es Maßnahmen geben musste. Und ganz deutlich: Wer Corona leugnet, der hat sie nicht mehr alle! Glücklicherweise zeigt sich ja aber nun, dass wir uns mit neuen Wegen und viel Forschung vom monatelangen Corona-Umfeld lösen können und nicht mehr Verbote im Mittelpunkt stehen. Für mich als FDP-Mann gilt stets: So viel Staat wie nötig, so viel Freiheit wie möglich.“

Rundschau: Läuft der FDP das Lindner-Nein bei der letzten Regierungsbildung eigentlich noch nach?

Todtenhausen: „Ja. Das kommt bei Gesprächen mit Menschen immer wieder auf den Tisch. Aber es war damals die richtige Entscheidung, denn die FDP hätte kaum etwas von ihren Zielen durchsetzen können. Man hatte schon vorverhandelt, und dann sollte plötzlich nochmals und nochmals über alles gesprochen werden. Ich kann Christian Lindner verstehen, denn man muss nicht alles mitmachen. Aber den Menschen hätte man diese Zusammenhänge unbedingt besser erklären müssen. Glücklicherweise stehen wir heute besser da. Jetzt geht mehr.“

Rundschau: Und zwar zusammen mit wem als Kanzler?

Todtenhausen: „Mit Laschet hat die FDP gute Erfahrungen gemacht, und dass Scholz so gut aussieht, liegt an den anderen. Sein Konzept der Zurückhaltung geht auf. Eines muss aber, wenn es um denkbare Koalitionen und Kooperationen geht, sehr deutlich gesagt werden: Obwohl die AfD demokratisch gewählt ist, ist sie keine demokratische Partei.“

Rundschau: Sind Sie als Handwerker nicht ein eher ungewöhnlicher Politiker-Typus?

Todtenhausen: „Das kann man so sagen. Im ganzen Bundestag gibt es nur acht Handwerker.“

Rundschau: Bekommen Sie das nicht auch zu hören: Die Politiker täten ja alle nichts, wüssten nicht, was richtige Arbeit ist ...

Todtenhausen: „Natürlich. Und da ist es großartig, dass ich beide Seiten beurteilen kann, den Job als Handwerker und den als Politiker. Heute zum Beispiel weiß ich, dass ein Politiker, der seine Aufgabe ernst nimmt, deutlich mehr arbeitet als ein Handwerker. Ein freies Wochenende beispielsweise gibt es für Politiker kaum. Aber: Politik ist eine tolle Aufgabe! Es ist doch großartig, dass ich das machen und mitgestalten darf, zumal ich mich als „Spätzünder“ ja überhaupt erst 2002 für ein politisches Engagement entschieden hatte. Und so lange ich arbeite, bleibe ich jung. Im Gesamtgetriebe des Bundestages bin ich zwar ein ganz kleines Rädchen, aber ich drehe sehr schnell (lacht).“

Rundschau: Was muss zusammenkommen, damit Sie diesmal wieder mit im Bundestag sitzen?

Todtenhausen: „Bei knapp über zehn Prozent für die FDP bin ich angesichts meines Listenplatzes sicher drin.“

Rundschau: Rechnen Sie damit?

Todtenhausen: „Ja. Ich glaube an ein gutes zweistelliges Ergebnis. Schon allein, weil ich den Menschen zutraue, dass sie wissen, dass es eine Partei geben muss, die die Mitte vertritt.“

Rundschau: Das ist ja immer so eine Frage, wo überhaupt die Mitte liegt ...

Todtenhausen: „Ich sehe vor allem viele linke Positionen in der Parteienlandschaft – besonders bei den Grünen. Und wo steht die CDU? Zurzeit ist sie im freien Fall. Und nochmals: Mit den Rechten gibt es für uns keinerlei Überschneidung.“

Rundschau: Mitte und Mittelstand, wie hängen die zusammen? Gibt es typische Probleme für den Mittelstand?

Todtenhausen:„Ich bin bei uns in der FDP-Bundestagsfraktion der Vorsitzende der AG Mittelstand und Handwerk. Die Probleme typischer Mittelstandsfirmen sind beispielsweise die Materialknappheit, wenn es ums Bauen und das Handwerk geht. Da gibt es große Befürchtungen, dass man Beschäftigte in Kurzarbeit schicken muss, obwohl man volle Auftragsbücher hat, was ja haarsträubend wäre. Dieses Problem ist immer noch ungelöst. Außerdem drängt das Thema Fachkräftemangel. Den können wir aus der eigenen Bevölkerung heraus nicht beheben. Deswegen brauchen wir ein modernes Zuwanderungsgesetz, das sich etwa an Kanada mit seinem intelligenten Punktesystem orientiert. Und man darf auch nicht vergessen, dass pro Jahr mehrere tausend Unternehmen einen Nachfolger suchen. Das ist ein großes Problem, über das viel zu wenig gesprochen wird.“

Rundschau: Da ist man schnell beim Thema Bildung ...

Todtenhausen: „Man muss nicht immer studieren. Was die Ausbildung von jungen Leuten angeht, sollte die Gesellschaft auch mal ein Stück zum Umdenken bereit sein. Meine Meinung ist: besser gute Handwerker als schlechte Akademiker.“

Rundschau: Zum Schluss noch: Den Ausgleich zwischen „Wuppertal vor Ort“ und der Welt der Bundespolitik in der Hauptstadt Berlin, wie bekommen Sie den hin?

Todtenhausen: „Die Hälfte der Zeit verbringe ich in Berlin. In Wuppertal ist mir aber das regelmäßige Frühstückstreffen in einer Bäckerei mit Handwerkskollegen sehr wichtig. Da kommen immer sieben bis zehn Leute aus den verschiedensten Bereichen. Es geht dabei natürlich auch rustikal zu, aber so wird man wirklich geerdet. Es ist mir immer wichtig, im direkten Gespräch zu erfahren, was Menschen wirklich auf den Nägeln brennt und wo man als Politiker gefragt ist.“