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Wuppertaler Schildkröten-Methusalem mit lebenslangem Wohnrecht

Barmen : Schildkröten-Methusalem mit Wohnrecht

„Lucy“ lebt seit mehr als 90 Jahren im Garten eines Hauses an der Barmer Von-Behring-Straße. Sie ist der Liebling der Nachbarn.

Die Bewohner in der Reihenhaus-Siedlung in der Nähe des Klinikums pflegen eine gute Nachbarschaft. Jährlich veranstalten sie ein Straßenfest und kommunikativ ist ein großer Teil auch per WhatsApp verbunden. Unlängst kam die erfreuliche Nachricht von Jutta und Eugen Mattes: „Lucy ist aufgewacht, ihr könnt wieder die Blumen rausstellen.“ Lucy – das ist die Ureinwohnerin der in den Jahren 1926 bis 1928 gebauten Einfamilienhäuser. Es gibt zwar keine Grundbucheinträge über das Wohnrecht von Lucy, es handelt sich eher um eine mündlich vereinbarte Herzensangelegenheit der Eigentümer. Die griechische Landschildkröte lebt schon seit über 90 Jahren dort in einem schmucken Garten.

Vor zwölf Jahren hatten Eugen und Jutta Mattes das Haus von dem bekannten Barmer Freiherr von Ketteler, der lange die Tankstelle an der Auffahrt zur A 46 an der Carnaper Straße betrieb, gekauft. „Bei der ersten Besichtigung des Hauses hatten wir uns schon gewundert, warum im Garten so eine Art kleine Hundehütte stand“, sagt Jutta Mattes. Nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages stellte der Freiherr dann die Frage: „Und was ist mit dem Wohnrecht von Lucy?“ Freiherr von Ketteler wohnte jahrzehntelamg in der Von-Behring-Straße. Er hatte Lucy von seinem Vorbesitzer übernommen, der – so die Überlieferung – die Schildkröte als Dreijährige im heimischen Garten sesshaft machte. Die Eigentümerwechsel hat Lucy bestens verkraftet. Das tägliche vitaminreiche Futter, Salat, Tomaten, Gurken hat sich über die Jahrzehnte nicht wesentlich verändert. Manchmal gibt es auch Erdbeeren, aber: Nur bei Tochter Pia Sofia (18) frisst das gepanzerte Tier die Früchte aus der Hand.

Die Nachbarschaft hat Lucy ins Herz geschlossen. Auch den Garten nebenan hat Lucy in ihr Territorium eingeschlossen, um am Abend wieder in ihrer „Schildkröten-Hütte“ zu nächtigen. Lucy, die auch den 2. Weltkrieg überlebt hat, stellt keine großen Ansprüche. Im Oktober buddelt sie sich zirka 30 Zentimeter tief im Garten ein. „Meist können wir den unterirdischen Schlafplatz dann nicht mehr sehen“, so Jutta Mattes, umso größer ist Freude beim Frühjahrserwachen.

Mit einem dicken Berg von Erde und Steinen auf dem Panzer, läuft Lucy nach dem langen Winter dann wieder durch den Garten. In den ersten Tagen nach dem Winterschlaf wird die Schildkröte durch Mutter Erde wie durch eine Wolldecke geschützt ...

Lucy nach dem Winterschlaf - unter der dicken Erdschicht fast nicht zu erkennen. Foto: privat