„Batrachochytrium salamandrivorans“, besser bekannt unter dem Kürzel „Bsal“, ist ein tödlicher Pilz, der die Feuersalamander-Populationen auf dramatische Weise dezimiert. Dr. Sabrina Bleidißel, Biologin an der Bergischen Universität, leitet seit März 2021 das bundesweit einzigartige Ex-situ-Schutz- und Erhaltungszuchtprogramm für den einheimischen Feuersalamander, kurz „Archeprojekt Feuersalamander“ genannt.
Sie berichtet, dass die Salamander-Bestände zurückgehen, weil der Lebensraum immer geringer wird, beispielsweise durch Erschließung von Neubaugebieten oder durch den Straßenbau. Aber ein ganz großes Problem ist der Pilz, der sich seit einigen Jahren immer stärker ausbreitet und der die Population in die Knie zwingt. Die infizierten Feuersalamander sterben mit einer großen Wahrscheinlichkeit und dadurch brechen die Bestände ein. Es führt an manchen Stellen dazu, dass ganze Feuersalamander-Populationen verschwinden und Gebiete auf einmal frei von diesen Lurchen sind.“
Im Waldgebiet Burgholz gibt es nahezu keine Feuersalamander mehr
Auch hier im Bergischen Städtedreieck ist der Rückgang der Tiere spürbar. „Zum Beispiel rund um Müngsten gab es eine riesige Feuersalamander-Population“, erzählt Bleidißel, „ebenso bei uns hier im Burgholz. Seitdem der Pilz dort angekommen ist, findet man kaum noch Tiere, wenn man in der Nacht bei Regen oder feuchtem Wetter unterwegs ist.“
Alte Berichte des verstorbenen Wuppertaler Herpetologen Joachim Pastors, der die Feuersalamander im Burgholz 1981 kartiert hatte, sprechen von 30 Tieren pro 100 Meter in einer guten Nacht. „Wir finden häufig keine Feuersalamander bei unseren Begehungen im Burgholz“, sagt die Biologin. „Es zeigt sich auch daran, dass man in den Bächen kaum noch Larven findet.“ Bei den Kartierungen der letzten Jahre konnte die Wissenschaftlerin mit ihren Studierenden oft nur einzelne Larven finden und das sei zu wenig, um eine Population am Leben zu erhalten.
Archeprojekt Feuersalamander bundesweit einzigartig
In dem bundesweit einzigen Pilotprojekt „Archeprojekt Feuersalamander“ haben sich mehrere Institutionen zusammengefunden, um den heimischen Feuersalamander zu retten. „Das ist eine Zusammenarbeit mit dem Grünen Zoo und mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Wuppertal. Im Ressort Umwelt ist vor allem Karin Rikono hervorzuheben, die das Projekt initiiert und bis zum Eintritt in den Ruhestand vollumfänglich unterstützt hat.“
Zudem konnten auch mehrere private Unternehmer gewonnen werden, wie zum Beispiel die Familie Iseke von den Kalkwerken Oetelshofen, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. „Ohne die Unterstützung zahlreicher weiterer Akteure wie dem Zooverein, der NABU Wuppertal, der Biostation Mittlere Wupper und vieler anderer könnte das Projekt in dieser Form nicht umgesetzt werden“, erklärt die Wissenschaftlerin.
Einzigartig wird das Projekt auch durch die studentische Einbindung in die Versorgung und die Pflege der Feuersalamander. Die Biologie-Studierenden begleiten das Projekt im Rahmen von Kursen und Abschlussarbeiten. Bleidißel erzählt, dass die Studierenden dabei alles lernen, was sie benötigen, um später selber Feuersalamander halten zu können. „Mit diesen Fähigkeiten können sie an Schulen mit Tierhaltung gut eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel sind sogenannte Vivarienschulen wie das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal. Dort sind Schüler mit in die Haltung eingebunden und kümmern sich im Rahmen von AGs um die Tiere.“
Tiere werden aus der Natur entnommen
Zum Schutz der Feuersalamander werden Tiere unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen aus der Natur entnommen. „Wir tun das, indem wir stark auf Hygiene achten“, sagt Bleidißel. „Wenn wir in den Wald gehen, sind unsere Schuhe desinfiziert und wenn wir wieder herauskommen, desinfizieren wir sie erneut. Im Archeprojekt entnehmen wir Feuersalamander-Larven oder auch adulte, also erwachsene Tiere aus der Wuppertaler Natur. Die kommen zunächst in eine Quarantäne in den Grünen Zoo.“
Dort werden die Tiere dann durch einen Abstrich mit einem Wattestäbchen molekularbiologisch auf den Pilz untersucht. Wenn dieser Abstrich negativ ist, kommen sie für 60 Tage in die Quarantäne in die Uni. Nach der Quarantäne werden sie ein weiteres Mal auf den Pilz getestet. „Sind sie gesund, kommen sie dann zur Dauerhaltung in einen geeigneten Raum auf dem Gelände der Kalkwerke Oetelshofen.“
Der Raum in Oetelshofen ist voller Terrarien und Boxen für die Feuersalamander. Die Behältnisse haben verschiedene Strukturen mit Moos, Baumhöhlen und Steinen. Auch Erde als Bodengrund sowie Wasserschalen sind vorhanden. Vor Ort kümmern sich die Studierenden unter Anleitung der Projektpartner um das Wohlergehen der Tiere. In der Anlage können bis zu 100 Tiere aufgenommen werden.
Tiere vom Scharpenacken haben Nachwuchs bekommen
Bisher halten die Wissenschaftler ca. 50 Tiere in der Auffangstation in Oetelshofen. „Die Tiere vom Scharpenacken haben in der Arche bereits Nachwuchs bekommen. Bisher haben wir 18 Jungtiere“, freut sich die Biologin. Auch das Gelände auf den Wuppertaler Südhöhen testen die Wissenschaftler regelmäßig auf „Bsal“. „Das machen wir, indem wir Wasserproben nehmen und per eDNA schauen, ob der Pilz da ist. Bisher haben wir ihn dort glücklicherweise noch nicht nachweisen können.“
Schutz vor Bsal fast unmöglich
Im Landkreis Passau hat man im vergangenen Herbst auf einem 30 Ha-Gelände eine große, gesunde Feuersalamander-Population entdeckt. Auf die Frage, ob man den Pilz also auch von einem gesunden Biotop fernhalten könne, antwortet Bleidißel: „Ich würde sagen, nein!“ Es gehöre einfach Glück dazu, denn auch in Wuppertal habe man immer noch Gebiete, die nicht weit von „Bsal“-Ausbruchsstellen entfernt liegen und „Bsal“-frei sind. „Der Scharpenacken ist nach wie vor sauber“.
So lange der Pilz in Deutschland wütet, kann man nur versuchen, die Seuche einzudämmen. „Ich denke, unsere Ex-situ-Maßnahmen, also solche Maßnahmen, wo die Tiere aus der Natur in die institutionelle Haltung gehen, helfen, lokale Reservepopulation vorzuhalten“, erklärt Bleidißel. Ebenso wichtig seien zudem Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung und Lebensraumverbesserungen für die Lurche. „Nur dann haben in der freien Natur noch lebende Exemplare eine Chance zu überleben.“
Ein Feuersalamander kreuzt den Wanderweg
Auch Naturfreunde können das „Archeprojekt Feuersalamander“ unterstützen. Wenn man also einen Feuersalamander sähe, sagt die Biologin, heiße die erste Regel: „Nicht anfassen. Gerne ein Foto machen und dies der zuständigen Biostation (nur in NRW) oder der Naturschutzbehörde melden. Meine bevorzugte Methode ist die Dokumentation der gefundenen Tiere über die Bestimmungsapp Obsidentify. Die Funde gehen in die Datenbank und sind anschließend offen zugänglich.“
Wenn also ein Spaziergänger auf dem Scharpenacken ein Tier findet und es erfasst, können die Forschenden später schauen, ob es noch mehr Funde gibt und die Ergebnisse dann für das Projekt dokumentieren.