Häuser statt Friedhof

Die Evangelische Kirche in Wuppertal-Ronsdorf verkauft ein Gelände: Nun soll dort eine Siedlung entstehen.

In aller Stille konnte sich die Vegetation zwischen Diakoniezentrum, Kottsiepen und Lüttringhauser Straße entwickeln, blieb ein unberührtes grünes Paradies, abgesehen von wenigen Trampelpfaden. Große Teile davon waren im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und sollten als Erweiterungsgelände für den Friedhof dienen.

Doch diese Zeiten, in denen Erdbestattungen in Särgen die Regel waren, sind längst vorbei. Urnen brauchen weniger Platz und Familie sparen hohe Pflegekosten. Dagegen steht der finanzielle Druck auf das Presbyterium, den kirchlichen Gemeindebetrieb aufrecht zu erhalten. Also wurde das Gelände verkauft und soll nun durch den Investor BEMA einer Wohnnutzung zugeführt werden.

Im Diakoniezentrum füllten die Anwohner den Festsaal und hörten geduldig die Vorstellung des Projektes. Der gültige Bebauungsplan wird teilweise aufgehoben, ein neuer mit der Nummer 1203 ist seit 2013 auf dem Weg durch die politischen und die Verwaltungsinstanzen.

Da die Eigenheimquote in Wuppertal relativ niedrig ist, es Bedarf an höherwertigem Standard gibt, Ronsdorf ein bevorzugter Stadtteil ist und es sich um einen städtebaulich integrierten Standort mit Nähe zum Einkaufszentrum, zu Kindertagesstätten und Schulen handelt, spricht alles für eine erfolgreiche Vermarktung.

Hinter den Häusern an der Lüttringhauser Straße bleibt eine große Grünfläche, die teilweise bewaldet ist, unangetastet. Ein Teich, Quelle des Kottsiepens, gilt als ökologisch wertvolles Biotop, so dass die zu bebauende Fläche schrumpft. Geplant sind hinter den Häusern An den Friedhöfen 30 bis 36 Einfamilienhäuser und im Schatten des Diakoniezentrums acht Mehrfamilienhäuser mit zwei bis drei Geschossen.

Eine optimale Besonnung verspricht Bodo Matjeka vom Ingenieurbüro BMS den künftigen Bewohnern. Sorgen mit der Entwässerung bei großen Niederschlägen plagen Anwohner am Kottsiepen 18, deren Haus sehr tief liegt. Geplant ist eine zentrale Entwässerung in mehreren Mulden und schließlich in den Kottsieper Bach. Der Hochwasserschutz soll sichergestellt werden.

Die verkehrliche Erschließung erfolgt vom heutigen Wendehammer der Buslinie 650, teilweise durch öffentliche Straßen, zuletzt durch Privatstraßen. Zum Kottsiepen gibt es nur für Fußgänger und Radfahrer eine Wegeverbindung.

Die heutigen Bewohner interessiert vor allem der zunehmende Verkehr auf schmalen Straßen, den sie schon heute als "prekär" und "unerträglich" bezeichnen, und überzeugt sind, dass sich eine Katastrophe abzeichnet: "Wer denkt an die Besucher von Beerdigungen und des Diakoniezentrums und den Bus, der jetzt kaum pünktlich auf die Lüttringhauser Straße gelangt." Die dortige Fußgängerampel muss sicher erweitert werden.

Mark Walter, Abteilungsleiter Bauleitplanung, versprach sorgfältige Prüfungen von Verkehrsleitung und Überschwemmungsschutz im weiteren Verfahren. Ob es noch in diesem Jahr zu einer Offenlegung der Pläne kommt, bleibt offen. Dann können Anwohner Stellungnahmen (Ansprechpartnerin ist Sylvia Winkler im Ressort 105.18) abgeben, bevor die Politik über eine Verwaltungsvorlage entscheidet.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)