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Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch: Arbeitsmarkt verändert sich

: Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch: Arbeitsmarkt verändert sich

Die Digitalisierung schreitet immer weiter fort. Doch während Entwicklungen wie das vernetzte Smart Home eher mit Erleichterungen im Alltag und mehr Sicherheit in Verbindung gebracht werden, herrscht bei der Automatisierung der Arbeitswelt ein diffuses Unwohlsein. Viele Arbeitnehmer fürchten, dass sie von Künstlicher Intelligenz (KI) überflüssig gemacht werden. Doch wie begründet ist diese Angst überhaupt? Können Fachübersetzungen, Pflegeleistungen und Co. tatsächlich von Maschinen übernommen werden?

Dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, ist natürlich nichts Neues. In den Fabriken der Welt werden heute unzählige Arbeitsschritte automatisch ausgeführt, die früher menschliche Mitarbeiter erledigten. Allerdings handelt es sich hier meist um monotone repetitive Handlungen für die keinerlei geistige Anstrengung erforderlich ist. Tätigkeiten, die abstraktes, selbständiges Denken verlangen, blieben weiterhin den Menschen vorbehalten. Zumindest bis vor kurzem. Denn mit der Künstlichen Intelligenz haben die Maschinen zu denken gelernt. In immer mehr Branchen werden beispielsweise Formulare von Maschinen gelesen und ausgewertet. Wer sich per Chat an den Kundenservice eines Unternehmens auf der Website wendet, der spricht immer häufiger mit einer Maschine, die vorprogrammierte Antworten gibt. Doch wie groß ist die Gefahr wirklich, im eigenen Job von Künstlicher Intelligenz ersetzt zu werden?

Foto: ©istock.com/SIphotography

Soziale Fähigkeiten sind weiterhin gefordert

Für die meisten Bürger ist Entwarnung angesagt: Berufe, die direkte soziale Kontakte erfordern, werden auch in Zukunft weitgehend von Menschen ausgeführt werden. Dies umfasst handwerkliche Arbeiten vom Friseur bis zum Fliesenleger ebenso wie den Bildungsbereich von der Kita-Erzieherin bis zum Universitätsprofessor. Maschinen können zwar heute schon einige Tätigkeiten übernehmen, doch die in der Backfabrik mehr oder weniger automatisch hergestellten Brötchen können mit der Handarbeit eines erfahrenen Bäckers nicht mithalten. Von komplizierterem Backwerk wie aufwändig verzierten Torten gar nicht zu sprechen. Hier sind nach Ansicht der Experten auch die Arbeitnehmer gefordert: Sie sollten sich selbst Gedanken machen, was sie besser machen können. So bieten die meisten Konditoren heute individuelle Torten auf Bestellung an, die menschliches Feingefühl erfordern.

Fachübersetzungen: Mensch übertrifft Maschine

In anderen Bereichen sieht es ähnlich aus, so auch im Bereich der Fachübersetzungen: Wer je eine Übersetzung mit automatisierter Übersetzungssoftware wie Google Translate erstellt hat, weiß, dass diese Übersetzungen in den besten Fällen holprig sind und in den schlechtesten Fällen absolut keinen Sinn ergeben. Das Erstellen hochwertiger Fachübersetzungen wird also auch weiterhin dem Menschen überlassen bleiben, der den Ursprungstext richtig zu interpretieren und die passenden Wörter in der Fremdsprache auszuwählen weiß.

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Der Roboter als Pflegepersonal der Zukunft?

Für Aufsehen sorgen regelmäßig Meldungen aus Japan, wo Roboter schon im umfangreichen Maß in der Seniorenbetreuung eingesetzt werden. Was zunächst unpersönlich und kaltherzig wirkt, erweist sich bei näherer Betrachtung als enorme Qualitätssteigerung in einer Branche, die von chronischem Personalmangel und Stress geprägt ist. Die sogenannten Senior Robots übernehmen nämlich vor allem Routinetätigkeiten: Sie kümmern sich um die Essensausgabe, bringen frische Wäsche und prüfen einfache medizinische Daten. Dies entlastet die menschlichen Pfleger, die mehr Zeit für zwischenmenschliches Miteinander haben. Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergab laut Zeit Online, dass sich auch die Deutschen, die neuen Technologien meist eher ablehnend gegenüberstehen, dafür erwärmen können: 41 Prozent der Befragten gaben an, zumindest teilweise einen Roboter als Pflegekraft zu akzeptieren. Erspart der Roboter ihnen den Gang ins Pflegeheim, steigt die Akzeptanz sogar auf 62 Prozent.

Ähnlich hoch ist die Akzeptanz von Robotern im OP-Saal: In einer anderen Umfrage erklärten sich sogar 74 Prozent dafür offen, von einem Roboter statt von einem menschlichen Chirurgen operiert zu werden. Lediglich 23 Prozent lehnten dies kategorisch ab. Allerdings knüpften 41 Prozent der Befragten ihre Zustimmung daran, dass Kollege Roboter das Risiko der OP senken würde. Müssen Chirurgen also in Zukunft um ihre Arbeitsplätze fürchten? Eher das Gegenteil: Könnten Roboter Routineeingriffe ausführen, bliebe den menschlichen Chirurgen mehr Zeit, sich um komplizierte Fälle zu kümmern. Auch hier bleibt das Gehirn der Künstlichen Intelligenz noch überlegen.

Welche Berufe werden überflüssig?

Bleibt die bange Frage, welche Berufe junge Leute heute eher nicht mehr erlernen sollten, da sie in Zukunft von Robotern ausgeführt werden können. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat zur Beantwortung dieser Frage den sogenannten Job-Futuromat entwickelt. Wer in der Suche beispielsweise den Schuhverkäufer im Einzelhandel eingibt, erfährt, dass 79 Prozent seiner Tätigkeiten bereits von einem Roboter erledigt werden könnten. Beim Bankkaufmann steigt dies sogar auf 88 Prozent. Besser dran sind Floristen: Ganze 0 Prozent ihrer Arbeit können von Robotern ausgeführt werden: Wer also auf eine zukunftssichere Tätigkeit setzen will, wählt Rosen statt Wertpapiere.

Interessant ist ein Blick auf den Bereich Kreativität und Kultur. Eigentlich sollte anzunehmen sein, dass Menschen auch weiterhin echte Menschen auf der Bühne erleben wollten. Doch tatsächlich ist auch hier die künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch: Opernlegende Maria Callas und die viel zu früh verstorbene Amy Winehouse sind nur zwei der Künstlerinnen, die wieder auf Tournee gehen. Als Hologramm versteht sich. Doch nicht nur verstorbene Musiklegenden werden künstlich zum Leben erweckt. Von Anfang an künstlich war die in Japan entwickelte virtuelle Sängerin Hatsune Miku, ein im typisch japanischen Manga-Stil gezeichnetes Mädchen mit übergroßen Augen und türkisfarbenem Haar. Immerhin 5000 Fans waren bereit, für ihr Konzert in der Kölner Lanxess Arena zu zahlen.

Foto: ©istock.com/VTT Studio

Weiterbildung ist der Schlüssel In einer Sache sind sich die Experten einig: Weiterbildung ist für Arbeitnehmer unverzichtbar, wenn sie der Künstlichen Intelligenz einen Schritt voraus bleiben wollen. Dies hat sogar die Bundesregierung erkannt, die in dieser Woche eine Nationale Weiterbildungsstrategie ankündigte. Ihren Schätzungen zufolge werden durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren etwa 1,3 Millionen Jobs wegfallen – aber auch 2,1 Millionen Stellen neu entstehen. Arbeitnehmer sollen besser auf den Umbruch in der Arbeitswelt vorbereitet werden. Wer in Branchen arbeitet, die besonders stark vom digitalen Wandel betroffen sind, soll beim Wechsel zu anderen zukunftssichereren Tätigkeiten gefördert werden. Bislang sind dies jedoch nur Ankündigungen. Bis die Strategie komplett umgesetzt wurde, hat der Roboter vermutlich schon längst den Schuhverkauf übernommen.