Am 19. April wird nun im einen Ratsbürgerentscheid (per Briefwahl) darüber abgestimmt, ob die bergische Metropole Teil der Bewerbung „KölnRheinRuhr“ wird und etwa die Schwimmoper und das Stadion am Zoo als Trainings- und/oder Wettkampfstätten beisteuert. „Wuppertal könnte sich auf internationaler Ebene als leistungsfähiger Standort und absolut sportbegeisterte Stadt präsentieren“, sagt der bisherige Sportdezernent Matthias Nocke.
Ganz so euphorisch ist es natürlich nicht (horch nach beim BHC, der jahrelang um Unterstützung betteln musste). Trotzdem spricht wenig dagegen, auf die Frage „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Wuppertal an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein-Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele beteiligt, die entweder im Jahr 2036, im Jahr 2040 oder im Jahr 2044 stattfinden sollen?“ nicht mit „Ja“ zu stimmen.
Zugegeben, Organisationen wie das IOC (und mehr noch die FIFA) sind ob ihrer Geschäftsgebaren sehr kritisch zu sehen. Trotzdem überwiegen die Vorteile.
1. Der finanzielle Aufwand ist gering: Bislang hat die Stadt nach eigenen Angaben eine niedrige fünfstellige Summe für Werbung und das Lichtspektakel am 27. März am Zoo-Stadion (Tickets unter wuppertal.de/olympia) investiert. Später kommen alle Gelder – bis auf die Themen Sicherheit und medizinische Versorgung – aus dem Topf des Veranstalters. Im Gegenzug locken Fördermittel für beide Sportstätten. Dass Wuppertal 60.000 Euro für den Ratsbürgerentscheid aufwenden muss, sollte zu verschmerzen sein. Käme es zu keiner demokratischen Abstimmung darüber, wäre die Empörung wohl nicht gering.
2. Es ist nur der erste Schritt: „KölnRheinRuhr“ muss sich anschließend auf nationaler Ebene gegen Hamburg, Berlin und München durchsetzen. Und dann muss der Deutsche Olympische Sportbund, der am 26. September über den nationalen Kandidaten entscheidet, überhaupt erst den Zuschlag des IOC bekommen. Ein weiter Weg. Den direkt zu Beginn abzubrechen wäre angesichts des geringen Aufwands kaum nachvollziehbar.
3. Die Motivation: Ein solches Event direkt vor der Haustür kann gerade Kinder und Jugendliche motivieren, eine eigene Sportkarriere anzustreben. Der Zuspruch beim „Team Base Camp“ der Slowenien während der Fußball-EM 2024 war in dieser Altersklasse hoch. Und: Im Rahmen von Olympia gibt es entsprechende Fördergelder- und -projekte. Kein Wunder, dass auch der Stadtsportbund hinter der Bewerbung steht.
4. Und vor allem: Oft ist als Mantra zu hören, wie wenig attraktiv Wuppertal doch sei. Da macht es keinen Sinn, immer gegen alles zu sein. Immerhin: Eine Bürgerinitiative gegen die Olympia-Teilnahme gibt es (bisher noch) nicht.