Wuppertaler Stadtverwaltung Offene Posten aller Art

Wuppertal · Chaostage im Rathaus: Kämmerer Thorsten Bunte steht mitten in den Debatten um das Haushaltssicherungskonzept vor einem möglichen Blitz-Absprung nach Dortmund. Außerdem türmen sich bei der Verwaltung wegen Problemen nach einer Software-Umstellung unbezahlte Rechnungen auf.

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (Mitte) beim Amtsantritt im November mit dem damaligen Verwaltungsvorstand, für den sie jetzt gleich doppelten Ersatz suchen muss – für den nicht wiedergewählten Stadtdirektor Matthias Nocke (2.v.re.) und Kämmerer Thorsten Bunte (re.), der in gleicher Funktion nach Dortmund wechseln will.

Foto: Christoph Petersen

Die Nachricht kam völlig überraschend: Am Dienstag wurde öffentlich, dass die Dortmunder SPD Thorsten Bunte als neuen Kämmerer für die Ruhrgebietsmetropole vorschlägt. Dass er am 26. März in seiner Heimatstadt gewählt wird, gilt als zwischen den großen Parteien ausgemachte Sache.

Beigeordneter in Wuppertal wurde Bunte zwar erst im Mai 2023, damit ist er aber bereits dienstälteste Kraft im Verwaltungsvorstand – und galt nach der Abwahl von Matthias Nocke auch als designierter Stadtdirektor. Pikant dabei: Wuppertal diskutiert aktuell heiß über das von Bunte eingebrachte Haushaltssicherungskonzept, dessen Inhalt sowohl intern beim Personalrat (die Rundschau berichtete) als auch in der Politik Fragen aufgeworfen hat. Der Beschluss darüber wurde bekanntlich ungeachtet der daraus resultierenden weitgehenden Handlungsunfähigkeit der Stadt zuletzt vertagt. Ein kurzfristiger vorzeitiger Abgang des Kämmerers schon im Mai und das damit verbundene Vakuum käme für Wuppertal also wohl zur Unzeit.

Entsprechend verschnupft zeigte sich etwa die CDU: Man habe „Verständnis für die persönliche und berufliche Entscheidung von Herrn Bunte, eine neue Aufgabe zu übernehmen“. Gleichzeitig sei es angemessen, „dass der amtierende Kämmerer die Stadt zumindest so lange begleitet, bis der Haushalt genehmigt ist und die vorläufige Haushaltsführung beendet werden kann“.

Eine bisher öffentlich noch weniger bekannte große Rathaus-Baustelle in Sachen Finanzen sind unterdessen anhaltende Probleme mit Rechnungen, die von den Verwaltungseinheiten nach einer über den Jahreswechsel notwendig gewordenen Software-Umstellung derzeit vielfach nicht zügig beglichen werden. Nach mehreren Anrufen davon betroffener Unternehmer hat die Rundschau den Sachstand abgefragt.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, erklärt dazu Thomas Eiting aus dem Presseamt. Das Problem sei nicht die neue Software selbst, sondern das Einpflegen von Daten und Eingangsrechnungen in den fünf Geschäftsbereichen für die weitere Freigabe. Das bestätigen Rundschau-Informationen aus Rathaus-Kreisen, nach denen sich viele Mitarbeiter mit den neuen Anwendungen ausgesprochen schwer tun.

Weil man wegen der Eingabeproblematik nicht wisse, wo welche Rechnungen gerade noch liegen, ist es laut Eiting auch schwierig, die konkrete Zahl offener Vorgänge zu beziffern. Er verweist auf eine Aussage von Kämmerer Bunte, der Anfang Februar von 1.700 offenen Rechnungen sprach und seinerzeit darauf hinwies, dass es auch laut Hersteller drei Monate dauern könne, bis die entsprechenden Prozesse rund laufen. Bei rund 70.000 pro Jahr an die Stadt gerichteten Rechnungen keine guten Vorzeichen. Wer dringend auf Zahlungen der Stadtkasse wartet, so Eiting, könne aber jederzeit gezielt nach dem Bearbeitungsstand fragen.

Nicht nur diese offenen Posten beschäftigen die Belegschaft, sondern auch die Frage nach dem künftigen Führungspersonal. Jetzt kursieren erste Namen potenzieller Kandidaten. So soll in Sachen Nocke-Nachfolge unter anderem ein Düsseldorfer Kultur-Manager im Gespräch sein.