„Wir sind eine epische Erzählmaschine und wollen beweisen, dass wir das nicht nur mit Kultur-Themen können“, erklärt Visiodrom-Kurator Christian Höher den inhaltlichen Schwenk von Van Gogh, Monet und Co. zu den ganz großen Menschheitsfragen rund um die Entstehung der Welt und des Lebens.
13,8 Milliarden Jahre Entwicklungsgeschichte wurden dafür zu einem 27-minütigen Bilderrausch auf Europas größter 360-Grad-Projektionsfläche im Gaskessel verdichtet. Zurückgegriffen hat man dafür erstmals auf eine schon existierende Show: Die mit großem Aufwand von internationalen Künstlern entwickelten „Origins“-Visualisierungen wurden bereits im Kunstkraftwerk Leipzig gezeigt, das sich ebenfalls auf immersive Darbietungen spezialisiert hat. (Bilder)
Origins-Urknall im Visiodrom
Major Tom, Pink Floyd und großartige Bilder
Für das Visiodrom und das ungleich größere Format musste das Material allerdings umfangreich angepasst werden. Außerdem hat es eine komplett neue musikalische Untermalung mit Stücken von Bach bis Bowie bekommen, die maßgeblich zum Gesamterlebnis beiträgt. Wenn zu psychedelischen Videosequenzen der ersten sich vorsichtig einander annähernden Moleküle „Is there anybody out there?“ von Pink Floyd läuft, dann weiß man: Da hat sich jemand vertieft Gedanken gemacht. Konkret war das Komponist Mathias Haus, der sagt: „Die Bilder wecken Emotionen, die wir verstärken wollen.“ Das gelingt von „Also sprach Zarathustra“ beim Urknall bis zu „Major Tom“ beim Anflug auf die entstehende Sonne ganz ausgezeichnet.
Wer das audioviuselle Gesamtkunstwerk nicht nur „einfach so“ auf sich wirken lassen möchte, bekommt mit der vorgeschalteten Ausstellung im Erdgeschoss des Visiodroms das nötige Rüstzeug dafür. „Supertoll, wie hier der Wissenschaftsaspekt hinzukommt“, lobt auch der Leipziger „Origins“-Macher Paolo Löffler diese Wuppertaler Eigenproduktion, die es in Sachsen nicht gab. Sie liefert Wissenschaft zum Anfassen und familientauglich, die die großen Fragen unserer Existenz auf dem aktuellen Stand der Forschung beantwortet: Was ist Leben? Sind wir allein? Wie reisen wir zu den Sternen?
Beiträge dazu liefert ein kompakter und kurzweiliger Rundgang - angereichert anderem mit einer vom Wuppertaler Oscar-Nominee Frank Petzold erstellten Visualisierung zur Besiedlung einer Galaxie, einer VR-Erfahrung unter dem Titel „First Life“, die 3,5 Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit führt, oder auch dem putzigen „Exoplanet des Monats“, den Kinder der Junior-Uni gestaltet haben. Kurz gesagt: Wissenschaft in bestens verdaulichen Häppchen!