Hospizdienst „Pusteblume“ Mitreisen zum Ende des Lebens

Wuppertal · Der Hospizdienst „Die Pusteblume“ sucht Ehrenamtliche und bietet ihnen jetzt eine flexibler gestaltete Ausbildung an. Denn mehr jüngere, berufstätige Menschen interessieren sich dafür, erklären Leiterin Katharina Ruth und Koordinatorin Miriam Preuß.

Katharina Ruth (li.) und Miriam Preuß.

Foto: Sabine Damaschke

Was erwartet Ehrenamtliche, wenn sie sich bei der Pusteblume zur Hospizbegleiterin oder zum Hospizbegleiter ausbilden lassen?

Preuß: „Wie bei vielen Hospizdiensten ist unsere Ausbildung an das bundesweit bekannte Celler Modell ,Sterbende begleiten lernen‘ angelehnt. Doch der Kurs ist bei uns anders aufgebaut und in diesem Jahr sogar ganz neu strukturiert. Wir starten im September mit dem Grundkurs, der bis in den Dezember läuft. Alle 14 Tage gibt es einen zweistündigen Abendtermin plus vier Wochenendtermine.“

Ruth: „Dazu können sich die Ehrenamtlichen parallel oder auch später unter zehn Fortbildungsterminen, die wir für alle Mitarbeitenden und interessierte Bürgerinnen und Bürger anbieten, noch sechs aussuchen, die sie im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren sollten und die sich zum Beispiel mit den Themen Patientenverfügung, Vollmachten oder Bestattungskultur beschäftigen. Da sich immer mehr junge Menschen für die Hospizbegleitung interessieren, die berufstätig sind, möchten wir ihnen Kursangebote machen, die deutlich flexibler sind.“

Was genau lernen die Ehrenamtlichen in der Ausbildung?

Preuß: „Die Themen sind vielseitig und bei uns auch sehr praxisbezogen. Wenn wir über Grundlagen der Palliativ Care wie Mundpflege, Handmassage und den Umgang mit einem Rollstuhl reden, wird das praktisch geübt. Die Kommunikation mit Sterbenden und Angehörigen ist ein großes Thema, dem wir uns auch mit Rollenspielen nähern.

Auch die Themen Demenz und psychische Erkrankungen, Sterbeprozesse und körperliche Veränderungen, Ethik und Spiritualität stehen auf dem Kursplan. Uns geht es aber nicht um reine Wissensvermittlung. Wir möchten, dass die Ehrenamtlichen eine ,hospizliche Haltung‘ entwickeln.“

Was verstehen Sie darunter?

Ruth: „Die Ehrenamtlichen lernen viel darüber, wie sie sterbende Menschen begleiten können, aber im Fokus steht bei all dem, was die Sterbenden sich wünschen. Es gibt keinen ,Königsweg des guten Sterbens‘. Die bekannte Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross hat einmal betont: ,Sterbende sind unsere Lehrer.‘

Es geht also darum, erstmal zuzuhören, nachzufragen, da zu sein, ohne in Aktionismus zu verfallen und Tipps zu geben. Im Umgang mit sterbenden Menschen machen wir die Erfahrung, dass das Leben sich ,entschleunigt‘. Viele Ehrenamtliche sagen mir, dass ihnen das gut tut und sie in der Begleitung viel über sich selbst lernen.“

Mit dem Ende des Lebens setzen wir uns in der Regel nicht so gerne auseinander. Warum interessieren sich Menschen für das Ehrenamt im Hospiz?

Preuß: „Einige haben in ihrer Familie oder im Freundeskreis schon Sterben und Tod erlebt. Sie möchten sterbende Menschen begleiten, weil sie erfahren haben, wie gut es tut, am Ende des Lebens nicht alleine zu sein. Andere fühlen sich angesprochen, weil Sterben nun mal ein tief existentielles und spirituelles Thema ist, mit dem sie sich schon länger auseinandergesetzt haben. Und wieder andere sind dankbar für ihr weitgehend glückliches Leben und wollen etwas an diejenigen zurückgeben, die es gerade schwer haben. Denn unser Sterben ist die letzte große Herausforderung, vor der wir stehen.“

Wie werden die Ehrenamtlichen eingesetzt, wenn sie die Ausbildung abgeschlossen haben?

Ruth: „Wir haben jährlich etwa 250 bis 300 Anfragen bezüglich einer Sterbebegleitung und rund 90 Ehrenamtliche. Die Begleitung ist unterschiedlich lang und intensiv. Wir achten darauf, dass jede oder jeder Ehrenamtliche immer nur eine Person betreut, nach deren Tod in einer Supervision das Erlebte verarbeiten kann und eine Pause macht, bevor eine weitere Sterbebegleitung übernommen wird.

Wir betreuen die Menschen im Krankenhaus, aber auch in den stationären Einrichtungen der diakonischen Altenhilfe und von unseren Kooperationspartnern, wie dem Lutherstift, der Zeughausstraße und im Diakoniezentrum Ronsdorf.“

Preuß: „Es gibt jedes Jahr viele Fortbildungsangebote und regelmäßige Supervision. Der Hospizdienst ist für die Ehrenamtlichen daher auch ein Ort, an dem sie Gemeinschaft, Austausch und Nähe erleben. Wer sich mit Sterben, Tod und Trauer auseinandersetzt, bekommt einen anderen Bezug zum eigenen Leben. Viele sagen, dass die Arbeit im Hospiz sie verändert und persönlich bereichert hat.“

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