Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich verändert. Der Bundeswehr fehlen aktuell rund 50.000 Soldatinnen und Soldaten. Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung der Wiedereinführung der Wehrpflicht grundsätzlich offen gegenübersteht. Anders sieht es bei jungen Menschen aus. Von ihnen können sich viele nicht vorstellen, diesen Dienst tatsächlich zu leisten.
„Einerseits brauchen wir für unsere Zukunft und Sicherheit in Deutschland eine starke Bundeswehr. Andererseits schränkt die Wehrpflicht die Freiheit junger Menschen stark ein, die ohnehin während der Corona-Pandemie schon viel zurückstecken mussten“, erklärt Manuel Stötzel, angehender Pfarrer der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld.
Wehrdienst zwischen Sicherheitspolitik und Schulstreik
Über die gegensätzlichen Positionen und mögliche Lösungsansätze diskutiert er am Sonntag um 18 Uhr in der Gemarker Kirche (Zwinglistraße 5) mit dem sicherheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jürgen Hardt (CDU/CSU), Moritz Faust vom Jugendring Wuppertal und Marius Ebner von der Gruppe „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“.
Die Aktion hat bereits im März bundesweit rund 50.000 Schülerinnen und Schüler zu Demonstrationen in mehr als 130 Städten gegen die Wehrpflicht mobilisiert. Seit Jahresbeginn erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen der Bundeswehr. Männer müssen ihn ausgefüllt zurückschicken, Frauen können dies freiwillig tun. Der Dienst selbst ist aber weiter freiwillig. Die Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt und gilt nur für den Verteidigungsfall weiter.
Warnung vor Polarisierung in der Friedensdebatte
Unterdessen hat die Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, vor einer Polarisierung in der Friedensdebatte gewarnt. Oft werde die Diskussion in Schwarz und Weiß unterteilt, „in radikale Pazifisten und Mörder“, sagte Heinrich. Dabei könne „der Gang zur Bundeswehr wie auch ein Freiwilligendienst ein Friedensdienst sein“. Sich zu verteidigen, sei aus einer christlichen Grundhaltung heraus „nicht zu verteufeln“.
Kirchenrat Stefan Niewöhner, Dezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland und Berater in Sachen Kriegsdienstverweigerung, berichtet von einer steigenden Zahl junger Menschen, die sich beraten lassen. „Viele sind gegen den Wehrdienst, andere sind offen für Gespräche. Wir stehen zur Verfügung“, erklärte er im Rahmen einer Veranstaltung im Kölner Domforum. Entscheidend ist für ihn zu verhindern, dass junge Menschen die Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst unreflektiert treffen.