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Malteser-Projekt: Auszeichnung für „Verlorene Orte“ aus Wuppertal

Malteser-Projekt : Auszeichnung für „Verlorene Orte“ aus Wuppertal

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat bei einem Online-Festakt den Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verliehen. Das Projekt „Verlorene Orte“ des Malteser-Integrationsdienstes Wuppertal wurde mit dem zweiten Preis und 2.500 Euro ausgezeichnet. Es entstand in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen Bergisch Land und der evangelischen Kirchengemeinde Heckinghausen.

Das Projekt „Verlorene Orte“ im Erzbistum Köln bringt junge Frauen mit Fluchthintergrund mit älteren Menschen zusammen, die in der Vergangenheit ebenfalls eine Heimat verloren haben. So kommt es zu einem Erfahrungsaustausch, der bei allen Unterschieden wesentliche Gemeinsamkeiten zutage bringt. Jung und Alt begegnen sich, um Flucht- und Verlusterfahrungen zwischen Königsberg und Aleppo zu verarbeiten – in Sprache und Bild, mit Humor und persönlicher Wertschätzung, oftmals aber auch unter Tränen. Das Projekt fördert nicht nur das wechselseitige Verständnis, sondern zeigt den jungen Geflüchteten auch Perspektiven für ihr Leben auf.

Dorothee van den Borre, die Projektleiterin des Malteser-Integrationsdienstes Wuppertal: „In diesem Projekt geht es darum, Begegnungsorte zu schaffen und Menschen zusammenzubringen, die sich sonst nicht begegnen würden. Es sind vor allem Senioren und Menschen mit Fluchthintergrund. Senioren haben unserer Erfahrung nach oft Angst. Angst vor Fremden, vor anderen. Und wir wollen eben Orte des Austausches schaffen und die Gelegenheit, sich auszutauschen, dass gemeinsam darüber gesprochen wird, welche Orte die Herzensorte für sie sind, die sie in ganz besonderer Weise berühren und verloren haben. Wie sie damit umgegangen sind, was das für Orte sind. Und dadurch wurde tatsächlich das Andere, das Fremde zum Vertrauten. Das hat uns sehr gefreut."

Sieben junge Frauen, die nach der Flucht in Wuppertal eine neue Heimat gefunden haben, bilden mit einer Reporterin ein Team, das Menschen nach Orten befragt, die sie verloren haben. Gemeinsam wird versucht, ein Foto dieses Ortes zu finden. Die Geschichten und Gefühle, die mit dem „Sehnsuchtsort“ verbunden werden, werden in kurzen Texten zu Papier gebracht. So entstehen berührende Geschichten und Bilder für eine Ausstellung, die an verschiedenen Orten gezeigt wird. Persönlich erzählte Geschichten und Musik lassen diese Ausstellungen zu Orten der Begegnung werden.

Prämiert werden von der DBK „Leuchtturmprojekte“ des kirchlichen Engagements gegen Rassismus. Der Preis soll dazu beitragen, katholische und ökumenische Initiativen zu stärken, die für ein respektvolles Miteinander einstehen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, nahm die Auszeichnung online vor. Er warnte bei der Verleihung vor jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. „Der Kampf gegen Hass und Vorurteile braucht einen langen Atem“, so der Limburger Oberhirte. Die Preisträger zeigten, "dass es möglich ist, sich den Bedrohungen des Rassismus mit klarer Haltung und Kreativität, ja sogar mit Heiterkeit, entgegenzustellen und viele zu begeistern“. So würden Menschen auch dort verbunden, „wo zunächst vielleicht nur Trennendes gesehen wurde“.