Wuppertal hat ein Müllproblem. Aber es ist nicht der ordnungsgemäß in die Tonnen geworfene Unrat – es ist der Abfall, den Bürger achtlos auf den Boden fallen lassen oder den sie planmäßig und illegal auf der Straße entsorgen. Nach Recherche der Rundschau landet seit Jahren immer mehr Abfall neben der Tonne. Die Zahl der illegalen Müllhalden klettert etwa seit Jahren stetig nach oben.
Die zuständige Behörde der Stadt, das Umweltschutzressort, geht davon aus, dass die „wilden“ Kippen sich dieses Jahr wieder vermehren werden. Auch die allgemeine Verschmutzung – etwa durch Verpackungen – auf den Straßen oder in den Parks nimmt zu. Zwar gibt es dazu keine konkreten Zahlen, doch die für Abfall zuständigen Unternehmen AWG und ESW, das Grünflächenamt sowie das Umweltschutzressort bestätigen den Eindruck, den Leserinnen und Leser seit Jahren regelmäßig gegenüber der Rundschau äußern. Das sogenannte „Littering“, sprich die Vermüllung, wird stärker.
Deweerthscher Garten, Elberfeld: Am Abend eines warmen Samstags liegen Glasflaschen auf der Wiese, neben einem Mülleimer viele Plastikverpackungen. Der über 200 Jahre alte Park am Rand des Luisenviertels galt lange als eines der Sorgenkinder: Einst vermüllt und als Drogenumschlagplatz bekannt, hat sich die Situation im vergangenen Jahr zwar verbessert, doch noch immer sind es die zentrumsnahen Orte, die am meisten verschmutzt werden.
Das Grünflächenamt nennt etwa ebenfalls den Elberfelder Schusterplatz, den Vohwinkeler Stationsgarten oder die Barmer Rosenau. Beim Aufräumen kommt einiges zusammen: Etwa 1.200 Reifen hat die Behörde im Jahr 2024 aus den Grünanlagen gefischt. Seit der Covid-Pandemie hätten sich die Mengen an Unrat in den Parks deutlich erhöht, sagt Ressortleiterin Annette Berendes.
Um das Problem in den Griff zu bekommen, startete die Stadt vergangene Woche eine „Sauberkeitsoffensive“ für die kommenden drei Monate als Testlauf. Zwölf Parks und Plätze sollen dabei häufiger gereinigt werden. Während bis jetzt das Grünflächenamt für die Reinigung zuständig war, sollen sich nun ESW und AWG um die Sauberkeit kümmern.
Die Gärtner haben somit mehr Zeit, sich ihrer Kernaufgabe zuzuwenden: nämlich die Pflanzen zu pflegen. Die Initiative kommt von Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, der es „ein Anliegen“ sei, dass sich die Besucher in der Stadt wohlfühlten: „Wenn es gut läuft, soll die Maßnahme ausgeweitet werden“.
Otto-Hahn-Straße, Ronsdorf: Unbekannte haben zerstörte Möbelstücke auf einen Brombeerstrauch im Industriegebiet, nahe der Autobahn 1, geworfen. Täglich melden Bürger der Müllhalden. Die E-Mails an ([email protected]) landen bei der Technischen Umweltschutzbehörde, die dann überprüft, wem das Grundstück gehört. Wenn es sich um ein städtisches handelt, wird die AWG beauftragt, den Müll fachgerecht zu entfernen. Bei privaten Anwesen ist der Eigentümer selbst für die Entsorgung verantwortlich.
Ermittlungen werden ebenfalls aufgenommen, falls es Hinweise gibt, wer der Müllsünder sein könnte. Wer erwischt wird, muss teils heftig blechen: Je nach Fall drohen Bußgelder zwischen mindestens 100 Euro und 100.000 Euro. Die höchste verhängte Strafgebühr in den vergangenen Jahren betrug in Wuppertal 7.000 Euro.
Um Täter aufzuspüren, setzt die AWG sogenannte Mülldetektive ein, die die Container für Glas, Papier und Altkleider kontrollieren. An den rund 440 Standplätzen landet häufig Abfall neben den Behältern und manchmal sind die Verursacher leicht gefunden: Auf den achtlos weggeworfenen Paketen steht manchmal noch die Anschrift der „Verursacher-Person“.
Nicht nur Menschen leiden unter der Vermüllung: Tiere vergiften und verletzen sich am Unrat. Wenn sie etwa den Müll mit Nahrung verwechseln, kann dies den Darm so stark verstopfen, dass sie bei vollem Magen verhungern. Malerfarben und Batterien vergiften die umliegende Vegetation: Sie zerstörten auf lange Sicht Lebensraum, schreibt die Umweltschutzbehörde. „Wilde“ Kippen hätten einen „immensen und vielfältigen Einfluss auf Flora und Fauna“.
An der Bergbahn, Barmen: Mülltonnen und Bürgersteig sind sauber. Der Anblick beweist, was die städtischen Fachressorts sowie die AWG und ESW ebenfalls bestätigen: Wuppertal ist flächendeckend sauber. Über 750 Mitarbeiter fegen die Bürgersteige, leeren Tausende von Papierkörben und wuchten Mülltonnen über die Straße. Dabei ist der ESW, ein eigenständiger Betrieb unter städtischer Kontrolle, für die Straßenreinigung und den Winterdienst zuständig. Die mehrheitlich den Wuppertaler Stadtwerken gehörende AWG übernimmt als GmbH hingegen die Abfuhr des Mülls sowie dessen Entsorgung.
Im vorvergangenen Jahr produzierten die Menschen in Wuppertal rund 145.000 Tonnen regelkonform entsorgten Abfall, von dem fast die Hälfte im Müllheizkraftwerk auf Korzert verbrannt wurde. Obwohl das monatlich vom Gewicht her mehr als einen Eiffelturm ausmacht, gehört Wuppertal im NRW-Vergleich zu den Städten mit relativ niedrigem Pro-Kopf-Abfallaufkommen.