Diakonie Wuppertal „Zum Reisen ist niemand zu alt“

Wuppertal · Die Lust, gemeinsam mit anderen Menschen Neues zu entdecken, hört auch im Alter nicht auf. Wenn die Anmeldungen für die Seniorenreisen der Diakonie Wuppertal Mitte Januar starten, hat Melanie Hölter alle Hände voll zu tun.

Melanie Hölter (2.v.re.) mit ihren Ehrenamtlichen Angela Freitag, Cornelia Hinze-Römer, Marine Martinian und Karla Agosti (v.re.).

Foto: Sabine Damaschke

Mit einer Reise nach Borkum geht es im März los, mit Winter-Wellness an der polnischen Ostsee enden die Seniorenreisen der Diakonie Wuppertal im Dezember 2026. Genau 20 Reisen zwischen 7 und 14 Tagen stehen in diesem Jahr zur Auswahl – und einige sind nach dem Anmeldestart Mitte Januar schnell ausgebucht. Dann klingelt in Melanie Hölters Büro nicht nur ständig das Telefon, viele ältere Menschen kommen auch vorbei, um sich für eine Reise anzumelden und die Buchungsbestätigung sofort mitzunehmen.

Der direkte Draht zu den Teilnehmenden ist der Leiterin der Seniorenreisen wichtig. Denn der Großteil der älteren Menschen, die sich anmelden, ist 80 plus, und da gilt es abzuklären, wie beweglich und gesund sie sind. „Zum Reisen ist niemand zu alt“, betont Melanie Hölter. „Die älteste Teilnehmerin, die regelmäßig mit uns fährt, ist 96 Jahre alt und tanzt sogar mich unter den Tisch.“

Melanie Hölter auf der Bank vor der Zentrale der Diakonie Wuppertal mit dem aktuellen Katalog.

Foto: Sabine Damaschke

Auch wer Unterstützung bei der Medikamentengabe oder beim Anziehen von Stützstrümpfen benötigt, muss nicht zuhause bleiben. Es wird ein Pflegedienst vor Ort organisiert, der das übernimmt. Nur wenn ein Rollstuhl und ständige Pflege gebraucht wird, ist das Reisen mit der Diakonie nicht möglich.

Ältere Reisegruppen, mehr Kurbäder

Schon seit über 30 Jahren bietet der Sozialverband Seniorenreisen an, die Melanie Hölter zusammen mit sieben ehrenamtlich Mitarbeitenden jedes Jahr organisiert und durchführt. Im Laufe der Jahre sind die Teilnehmenden immer älter geworden, was sich auch auf die Reiseangebote auswirkt. Die gesundheitliche Versorgung vor Ort sowie eine gute Infrastruktur mit ebenen Wegen und Sitzgelegenheiten, Cafés und Geschäften, Museen und Konzerten sei wichtiger geworden, erzählt Melanie Hölter. Da sich Kurbäder gut für die Bedürfnisse älterer Menschen eignen, sind sie im Programm auch häufig zu finden.

Besonders beliebt und schnell ausgebucht ist die Reise nach Bad Kissingen, einem Kurbad mit eigenem Orchester, Rosengarten und einer netten Innenstadt mit traditionellen Cafés und Weinstuben. Auch wenn dieses Reiseziel schon seit Jahren auf dem Programm steht, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Dafür sorgt Melanie Hölter auf kreative Weise. Sie bietet nicht nur Ausflüge in die Stadt und Umgebung an, sondern motiviert die Seniorinnen und Senioren auch, selbst auf kleine Erkundungstouren zu gehen. Etwa, indem sie vorab ausgewählte kulturelle Ziele in einer „Fotosafari“ den jeweiligen Straßen auf einem Stadtplan zuordnen.

Gemeinschaft wird großgeschrieben

Neben gemeinsamen Spielenachmittagen gehört zu jeder Reise ein „Orientierungs- und Bewegungstraining“, wie Melanie Hölter es nennt. Jeden Morgen bieten sie und ihre Mitarbeitenden Spaziergänge rund um die Hotels an, damit sich die älteren Menschen dort auch alleine zurechtfinden. „Die Teilnahme an unseren Tagesprogrammen ist ein Angebot, aber kein Muss.“ Trotzdem legt Melanie Hölter Wert auf gemeinsame Aktivitäten, damit ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, denn das ist den teilnehmenden Seniorinnen und Senioren wichtig.

„Fast alle leben alleine und möchten auf den Reisen gerne andere ältere Menschen kennenlernen“, sagt sie. Wer allerdings hofft, in hohem Lebensalter noch einen Partner zu finden, könnte enttäuscht werden. Die Männer sind auf den Reisen absolut in der Unterzahl – von den rund 500 Teilnehmenden waren im letzten Jahr nur 66 Männer. Und wenn die nicht an einer Partnerschaft interessiert sind, kann es auch schon mal Liebeskummer geben.

Freundschaften dagegen entstehen auf vielen Reisen. So melden sich etwa zwei Seniorinnen, die vor zehn Jahren an einer Weihnachtsreise teilgenommen haben, jedes Jahr wieder gemeinsam an. Auch im Alltag treffen sie sich regelmäßig, denn die meisten Reiseteilnehmenden kommen aus Wuppertal und den umliegenden Städten. „Reisen bildet nicht nur, es wirkt auch gegen Einsamkeit“, ist Melanie Hölter daher überzeugt.