95. Geburtstag des Ex-Bundespräsidenten Miriam Scherff: „Danke für alles, Bruder Johannes!“

Wuppertal · Der 2006 verstorbene ehemalige Wuppertaler OB, NRW-Ministerpräsident und Bundespräsident hätte am Freitag (16. Januar 2026) seinen 95. Geburtstag gefeiert. Die Erklärung des Wuppertaler Oberbürgermeisterin SPD-Vorsitzenden Miriam Scherff im Wortlaut.

Zum 25. Jahrestag der Inbetriebnahme der Buslinie 638 kam 1994 NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (Mitte) wieder auf die Konradswüste – eingerahmt von Heinz Jürgen Seute (li.) und dem damaligen WSW-Chef Professor Hermann Zemlin.

Foto: Klaus-Günther Conrads

„Für jene, die das Glück gehabt haben ihn persönlich erleben oder kennenlernen zu dürfen, wird der Freitag kein gewöhnlicher Tag sein, denn an diesem 16. Januar wäre unser Alt-Bundespräsident (1999 bis 2004), langjähriger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (1978 bis 1998) und Wuppertaler Oberbürgermeister (1969 bis 1970) 95 Jahre alt geworden.

Johannes Rau war stets mehr als ein Politiker – er war ein Mann des Volkes. In Barmen geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, hat er tiefe Spuren hinterlassen bei allen, die mit ihm zu tun hatten.

Das Johannes-Rau-Denkmal vor dem Düsseldorfer Landtag.

Foto: Achim Otto

Sein Spitzname ,Bruder Johannes‘ war weit mehr als eine Anspielung auf seinen tiefen Glauben, der für den Protesten Johannes Rau stets Richtschnur seines politischen Handelns war. Er war vielmehr ein Zeichen des Respekts und der Verbundenheit der Menschen für einen Mann, der sich der Sorgen und Nöte der Menschen annahm, sich zu eigen machte und zu lösen verhalf. Und es war in gewisser Weise auch eine Auszeichnung für eine Person, der trotz hoher Ämter immer auch ein Mensch geblieben war, der gut und gerne Skat spielte und immer für ein sogenanntes ,Dönekens‘ – humorvolle kleine Erzählungen – zu haben war.

Johannes Rau hat Spuren hinterlassen. Als Wissenschaftsminister (1970 bis 1978) gründete er nicht weniger als fünf Gesamthochschulen (heute: Universitäten) in Nordrhein-Westfalen – hierunter die Bergische Universität Wuppertal. Mit dieser Weichenstellung hat er einen entscheidenden Beitrag zur Herausbildung der wohl dichtesten Hochschullandschaft Europas geleistet.

Diese Leistung ist vor dem Hintergrund des ökonomischen Strukturwandels, der in den späten 1960er Jahren an Rhein und Ruhr einsetzte und in deren Folge immer mehr Menschen im Bergbau wie in der Stahlproduktion ihre Arbeitsplätze verloren, gar nicht hoch genug einzuschätzen, bildete sie doch einen entscheidenden Baustein unserer heutigen Wissenschaftsgesellschaft und damit unserer heutigen Wertschöpfungskette.

Als Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich Johannes Rau um den Zusammenhalt in unserem Land verdient gemacht. ,Versöhnen statt spalten!‘, so sein Motto, prägte nicht weniger als zwei Jahrzehnte erfolgreicher Landespolitik im Nordrhein-Westfalen, wo er von den Menschen gleich dreimal hintereinander mit einer absoluten Mehrheit bestätigt wurde.

Die Jahrzehnte als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen waren alles andere als einfach, weil viele Menschen ihre Arbeitsplätze im Bergbau und in der Industrie verloren. Dass unser Land und seine Menschen daran nicht zerbrochen sind, ist im Wesentlich das Verdienst von Johannes Rau und seiner Arbeit als Ministerpräsident, der stets dafür gesorgt hat, dass niemand ,ins Bergfreie fällt‘ – also im Stich gelassen wird.

Johannes Rau wurde oft kopiert, ist aber unerreicht geblieben. Wir hätten ihm gewünscht, dass ihm nach seinem Ausscheiden aus der Politik 2004 noch viele gemeinsame Jahre mit seiner Familie gegönnt gewesen wären. Dass sich am 27. Januar bereits zum 20. Mal sein Todestag jährt, ist tragisch.

Das Wirken von Johannes Rau hat Spuren hinterlassen: in unserer Stadt, in unserem Land und bei vielen, vielen Menschen, die ihm begegnet sind. Wir sagen ,Danke für alles, Bruder Johannes!‘ und ,Du bleibst für uns der Maßstab unseres Handelns!‘“