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Umbenennung der Mohrenstraße: Verknüpfung mit der Geschichte

Umbenennung der Mohrenstraße : Verknüpfung mit der Geschichte

Betr.: Umbenennung der Mohrenstraße

Ich persönlich glaube, dass das beste Mittel gegen Rassismus und seine möglichen Folgen politische Aufklärung und geschichtliche Bildung sein dürften. Als geschichtsbewusster Wuppertaler habe ich selbstverständlich das Buch „Bomben auf Wuppertal“ von Herausgeber Herbert Pogt gelesen, das im Jahre 1993 begleitend zu einer Ausstellung anlässlich der 50. Jahrestage der beiden großen Angriffe auf Barmen und Elberfeld im Jahre 1943 in den Engelshäusern erschienen war. Dieses Buch hat es über die Grenzen Wuppertals hinweg zu Beachtung geschafft und bildet beispielsweise die Grundlage für das einleitende Kapitel des Buches „Der Brand“ des Publizisten Jörg Friedrich.

Das Buch „Bomben auf Wuppertal“ enthält eine ganze Reihe von Zeitzeugenberichten; den wohl prominentesten von Johannes Rau. Diese Berichte sind teilweise sehr erschütternd und gleichzeitig mahnend. Sie sind literarisches Bollwerk gegen Rassismus und Faschismus, gegen Hass und Krieg.

Am meisten beeindruckt hat mich der Bericht der seinerzeit 17-jährigen Giesela Löcker, die den Angriff auf Barmen in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1943 schildert und dabei in erschreckender Weise die Schreie eines am ganzen Körper verbrannten Opfers beschreibt, die sie viele Stunden lang unmittelbar ertragen musste. Dieses Brandopfer schrie dem Bericht nach immer wieder seinen eigenen Namen „Hugo Becker“ und seine Adresse „Mohrenstraße 1“.

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Es ist sicherlich nur eine vereinzelt anmutende Randnotiz, aber der unmittelbare Bezug, den der geschichtsinteressierte Wuppertaler beim Lesen dieses Berichts erhält, ergibt sich aus der Verknüpfung einer scheinbar weit entfernten Realität mit bekannten Örtlichkeiten. Deshalb hoffe ich, dass die Mohrenstraße auch bis in die fernste Zukunft Mohrenstraße heißen wird, damit auch künftige Generationen oder zumindestens diejenigen, die sich ernsthaft mit der Geschichte unserer Stadt auseinandersetzen, diese unmittelbaren Verknüpfungen ohne Umwege werden herstellen können.

Bastian Gronemann