Wenn die Verwaltung ihre Ressourcen auf menschliche Kommunikation konzentrieren könnte, müssten die Mitarbeiter weniger Aufwand im Abwimmeln spontaner Besucher aufwenden. Hinzu kommt, dass am Beispiel Einwohnermeldeamt offenbar nur die Bürokratie digitalisiert wird.
Statt Ihr Anliegen dem Mitarbeiter vor Ort schildern zu können („Ich benötige einen neuen Perso“), werden Sie vor der eigentlichen Terminauswahl online mit zehn Seiten Fragenkatalog konfrontiert. Wer damit erfolgreich einen Termin bucht, erhält wohl automatisch einen Bachelor in Informatik und Überlebenstraining.
Seite 1: „Sehr geehrte Kundinnen und Kunden, wir bitten Sie, alle Informationen aufmerksam zu lesen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir unvollständige Vorgänge sowie falsch gebuchte Termine nicht bearbeiten können.“ – Klick auf „Verstanden“, um weiterzugehen.
Seite 2: „Herzlich willkommen auf unserer Terminwebseite. Hier können Sie Ihren Wunschtermin vereinbaren.“ Es stehen zur Auswahl: Meldeangelegenheiten; Pässe & Ausweise; Beglaubigung, Bescheinigungen & Führungszeugnis; Nachreichen von Urkunden; Weitere Leistungen; Termin absagen. Klick auf „Pässe & Ausweise“, um weiterzugehen.
Seite 3: „Bitte wählen Sie Ihr Anliegen.“ Es stehen zur Auswahl: Beantragung; Abholung; PIN setzen; Wiederauffindung; Verlust /Diebstahl von Dokumenten; Beantragung eID-Karte für EU-Ausländer; Befreiung von der Ausweispflicht. Klick auf „Beantragung“, um weiterzugehen.
Seite 4: „Sind Sie eingebürgert worden und möchten Ihre ersten Ausweisdokumente beantragen?“ – Klick auf „Nein“, um weiterzugehen.
Seite 5: „Möchten Sie die Lichtbilder in der Dienststelle anfertigen? Bitte beachten Sie, dass Lichtbilder nur in der Zentrale in der Bundesbahndirektion gefertigt werden können. Zudem ist dies erst ab einer Körpergröße von 120 cm möglich. Das Lichtbild muss vor der Vorsprache am Schalter gefertigt sein.“ – Klick auf „Nein“, um weiterzugehen.
Seite 6: „Sollen auch Dokumente (Reisepass & Personalausweis) für Kinder oder Jugendliche beantragt werden?“ Es stehen zur Auswahl: Nein (keine Kinder); Ja (auch Kinder). – Klick auf „Nein“, um weiterzugehen.
Seite 7: „Wie viele Dokumente (Personalausweis & Reisepass) werden insgesamt benötigt?“ Es stehen zur Auswahl: von „1 Dokument“ durchnummeriert bis „8 Dokumente“. – Klick auf „1 Dokument“, um weiterzukommen.
Seite 8: „Bitte bringen Sie folgende Unterlagen zum Termin mit: Ausweisdokumente, aktuelles biometrisches Lichtbild (ausschließlich digital), entsprechende Gebühr. – Geht auch Foto auf USB-Stick? – Es stehen zur Auswahl: Produktinfo Personalausweis: Produktinfo Reisepass; Termin vereinbaren. – Klick auf „Termin vereinbaren“.
Seite 9: „Wo möchten Sie Ihren Termin vereinbaren?“ – Es stehen zur Auswahl: Einwohnermeldeamt; Bürgerbüros. – Klick auf „Einwohnermeldeamt“, um weiterzukommen.
Seite 10: „Ein Fehler ist aufgetreten. Ihre Session ist abgelaufen und Ihre Informationen werden nicht mehr in Ihrem Browser gespeichert. Bitte laden Sie die Reservierungsseite neu, um von vorne zu beginnen.“ Gehen Sie nicht über Meldeamt, sondern direkt in die Irrenanstalt oder beantragen beim Hausarzt eine sechswöchige Kur. Beim zweiten Versuch waren ohnehin alle verfügbaren Termine der nächsten sechs Wochen ausgebucht.
Gilt ein Ausdruck der Internetseite mit der Fehler- oder „keine freien Termine“-Meldung eigentlich als amtlicher Nachweis für den abgelaufenen Perso bei einer Polizeikontrolle? Oder muss ich den Ausdruck im Büro Oberbürgermeisterin noch amtlich bestätigen lassen?
Norbert Bernhardt
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