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Ver.di-Warnstreiks: Alle sollten die Füße stillhalten

Ver.di-Warnstreiks : Alle sollten die Füße stillhalten

Betr.: Streiks im öffentlichen Dienst

Ich kriege eine Krawatte, wenn ich diese Forderungen der Gewerkschaften sehe. In Zeiten, wo hunderttausende Menschen unverschuldet wegen Corona um ihren Arbeitsplatz bangen und nicht wissen, wie die Zukunft ihrer Familien aussieht, solche Forderungen zu stellen!

Wissen die eigentlich, wie sich ein Mensch in Kurzarbeit fühlt? Ich zum Beispiel arbeite im Reisegewerbe, habe im März wochenlang aus der Not heraus täglich 12 Stunden bei jedem Wetter in der Hallertau bei einem Landwirt das Hopfen angeleitet. Danach bei einem Paketdienst im Verteilerzentrum bis 30 Kilogramm schwere Pakete aus Containern geladen und als Lkw-Fahrer sonn- und feiertags gearbeitet, um meine Familie durchzubringen. Und das für einen Mindestlohn. Wie mir geht es sicherlich Hunderttausenden.

Und auch jetzt ist alles noch ungewiss, was die Zukunft bringt. Tagtäglich Angst haben, den Job zu verlieren.

Und wenn alles vorbei sein sollte und gutgegangen ist, kommt das dicke Ende, wenn das Finanzamt kassiert und Steuernachzahlungen fällig sind. Weil man als Kurzarbeiter ja noch nicht genug gestraft ist. Progressionsvorbehalt nennt sich das dann. Na prima!

  • Symbolfoto.
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Wo wollen die Damen und Herren im öffentlichen Dienst denn noch ihr Geld ausgeben, wenn Reisen nicht mehr möglich sind, weil es keine Reisebüros mehr gibt? Wenn keine Reisebusse mehr fahren, weil die Insolvenz sie erwischt hat? Wenn keine Kirmes mehr stattfindet, weil die Schausteller pleite sind? Wenn keine Gastronomie mehr existiert, weil keiner oder nur noch wenige das Angebot nutzen dürfen? Hier könnte man noch viel mehr Beispiele nennen.

Aber das kümmert die Damen und Herren im öffentlichen Dienst und ganz besonders die Gewerkschaften ja nicht. Ihr Job ist ja krisenfest. Denn mit jedem erstrittenen Prozentpunkt kassiert die Gewerkschaft ja fleißig von den Arbeitnehmern mit.

Lassen Sie sich doch mal Abrechnungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst mit den Zuschlägen zeigen. Ich meine nicht die der unteren Lohngruppen. Denn ich möchte hier nicht alle über einen Kamm scheren. Die untersten Lohngruppen müssen angehoben werden. Altenpfleger*innen, Krankenpfleger*innen und auch die Busfahrer*innen von Subunternehmern müssen angemessene Berücksichtigung finden, denn die haben auch eine angemessene Lohnerhöhung verdient.

Differenzieren heißt das Zauberwort und nicht mit der Gießkanne an alle gleich viel raushauen, was das Zeug hält.

4,8 Prozent von 1.000 Euro sind 48 Euro. Bei 2.000 Euro sind es schon 96 Euro und bei 3.000 Euro sind es schon 144 Euro. Das soll gerecht sein? Wenn es umgekehrt wäre, also 144 Euro bei 1.000 Euro, dann wäre es gerecht und angemessen.

Aber den vielen Kurzarbeitern und unschuldig in die Arbeitslosigkeit geratenen Menschen ist auch damit nicht geholfen.

Ich finde, dass in diesen schwierigen Zeiten alle mal die Füße stillhalten sollten und nicht noch Kosten durch Streiks verursacht werden müssen. Verteilt das Geld lieber an die, die es bitter nötig gebrauchen können und seid froh, dass Ihr noch eine Arbeit habt! Bleibt gesund.

Ingo Wagner