Dann stehen dort zwei Männer in einem akribisch choreografierten Duell, jemand ruft „Kram deine Narrheit woanders aus!“ durch den Raum, am Klavier begleitet Pascal Schweren die Szene live, eine Stimme wird verstellt und Regisseurin Valerie Bruhn ruft begeistert: „Das ist toll, das behalten wir!“
Mit „Twelfth Night / Was ihr wollt“ bringt die Musical-Projektgruppe der Bergischen Universität im Juni eine moderne, musikalische Shakespeare-Adaption auf die Bühne – mit Jazz-Funk-Sounds, absurden Verwechslungen, Liebeschaos, vertauschten Genderrollen, Situationskomik und einem Ensemble mit sichtbar viel Herzblut. Schon das Opening „Spielt fort“ greift das berühmte Shakespeare-Zitat „Wenn Musik der Liebe Nahrung ist, spielt fort!“ auf.
Shakespeares Ursprungskomödie von 1601 zählt bis heute zu seinen meistgespielten Werken. In der Musicalfassung von Shaina Taub wird die Geschichte überraschend zeitgemäß erzählt. Im Mittelpunkt steht Viola: Nach einem Schiffsunglück strandet sie an der Küste Illyriens und glaubt, ihren Zwillingsbruder Sebastian verloren zu haben.
Um in der fremden Welt überleben zu können, verkleidet sie sich als Mann namens Cesario und tritt in den Dienst des Herzogs Orsino. Der wiederum liebt die Gräfin Olivia – die sich ausgerechnet in Cesario verliebt. Natürlich ahnt niemand, wer wirklich hinter der Verkleidung steckt und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Bei einer Probe wurde deutlich, wie viel Arbeit hinter der Produktion steckt. Die Kampfszenen werden genau choreografiert. „Es ist nicht wichtig, dass er dich wirklich schlägt, sondern wie groß du die Reaktion darauf spielst!“, erklärt Valerie Bruhn lachend zwei Darstellern. Spontane Ideen oder kleine Gags werden direkt übernommen. Die Atmosphäre wirkt konzentriert, aber gleichzeitig angenehm locker.
Besonders eindrucksvoll: ein Solo des Darstellers von Malvolio, dem Verwalter der Gräfin Olivia. Eingesperrt im Dunkeln singt die Figur von ihrer eigenen vermeintlichen Großartigkeit. Eine Zeile der deutschen Fassung lautet: „Bin ich schuld, dass ich hoch gebor’n wurd’? Wie könnt’ ich nicht der Beste sein?“ – irgendwo zwischen Selbstmitleid und Größenwahn.
Eine zusätzliche Herausforderung: Der Text ist in altertümlicher Sprache verfasst. Bei den Proben wird deshalb zunächst oft in moderner Alltagssprache gearbeitet, um die Szenen und Formulierungen besser greifen zu können.
Dass die Produktion trotz begrenzter Mittel so lebendig wirkt, liegt vor allem am Engagement der Beteiligten. Kostüme und Requisiten werden größtenteils privat zusammengetragen, unterstützt wird das Projekt aber auch von der Universität. Organisiert wird das Musical von Valerie Bruhn, die gemeinsam mit ihrem Team inzwischen eine Produktion mit 32 Mitwirkenden vor und hinter der Bühne stemmt. Der Großteil studiert Musik, Voraussetzung ist das aber nicht.
Wer Lust hat, mitzumachen, kann sich ab dem Wintersemester 2026/27 wieder bei den Auditions melden. Aufgeführt wird „Twelfth Night – Was ihr wollt“ am 19., 20., 26. und 27. Juni an der Bergischen Universität. Der Eintritt ist frei, Spenden für zukünftige Produktionen sind willkommen. Die Plätze sind begrenzt, deshalb müssen Karten vorab reserviert werden. Kartenreservierungen sind unter [email protected] möglich.