Der diesjährige Kirchenmusiktag will Impulse für eine zukunftsfähige Chorarbeit geben. Wie steht es um die Chöre in unseren Gemeinden?
Enk: „Es gibt eine große Bandbreite an Chören in den rheinischen Kirchengemeinden. Sie reichen von Kantoreien mit klassischem Liedgut über Bläser- und Gospelchöre bis hin zu Popchören, die mit Bands auftreten. Und viele von ihnen sind sehr engagiert, verlieren aber stetig Mitglieder oder gewinnen kaum neue hinzu. Das gilt besonders für die klassischen Chöre, die nicht – mit Ausnahme einiger Kantoreien – auf sehr hohem Niveau singen. Die große Herausforderung unserer Zeit liegt darin, Kirchenmusik in ihrem Repertoire breiter aufzustellen und vor allem die einzelnen Chöre stärker miteinander zu vernetzen.“
Das Motto des Kirchenmusiktages lautet daher auch „ZusammenWachsen“. Wie kann das konkret aussehen?
Enk: „Was oft fehlt, ist ein gutes ,Cross Over‘. Nach meiner Beobachtung wirken diese Chöre selten zusammen in Gottesdiensten oder Konzerten, so dass immer nur eine bestimmte Zielgruppe mit der Musik erreicht wird und sie nicht die Vielfalt der Menschen und Generationen abbildet, die wir mit der Kirchenmusik erreichen wollen.
Dabei lassen sich viele Musikstile – von Klassik über Jazz und Gospel bis zu Pop – gerade in der Chorarbeit gut kombinieren. Der Rheinische Kirchenmusiktag möchte dazu motivieren, etwas Neues auszuprobieren und das dann auch gemeinsam mit anderen Chören zu tun.“
Für einen Gottesdienst ist das gut vorstellbar. Aber wie sieht es mit Konzerten aus, die ja meistens eine bestimmte Zielgruppe haben?
Enk: „Ich mache die Erfahrung, dass zu meinen Orgelkonzerten mehr Menschen kommen, wenn ich ein breites Repertoire von Bach bis ABBA anbiete. Wichtig ist aber, das Konzert unter ein bestimmtes Thema zu stellen, mit dem sich die verschiedenen Musikstile verbinden lassen. Wenn ich etwa zur ,Summertime‘ in eine Kirche einlade und es dazu dann noch kalte Getränke und die Möglichkeit zu Austausch und Begegnung gibt, erreiche ich damit mehr Menschen als mit einem rein klassischen Orgelkonzert.“
Haben sich die Erwartungen des Publikums und derjenigen, die in Chören mitsingen oder mitspielen, verändert?
Enk: „Ja, das beobachten wir als Kirchenmusiker schon seit einigen Jahren. Musik spielt in unserem Alltag eine große Rolle und jede und jeder kann überall darauf zugreifen. Konzerte sind heute also weniger dazu da, Menschen überhaupt ein Musikerlebnis zu ermöglichen als ein Gemeinschaftserlebnis zu schaffen. Die Menschen wollen mitsingen, mitklatschen, sich begeistern lassen.“
Das gilt auch für die Mitglieder eines Chores. Wenn die Schwelle hoch ist und erforderlich, dass Noten vom Blatt gesungen werden, erreichen wir heutzutage weniger Menschen, denn musikalische Bildung spielt in vielen Haushalten keine Rolle mehr.
Aber Singen hebt die Stimmung, macht glücklich und schafft Gemeinschaft. Daher sollten wir es gerade als Kirche möglich machen, dass jede und jeder, der Lust am Singen hat, in unseren Chören mitmachen kann. Besonders gut eignen sich dafür Projektchöre, die zeitlich begrenzt sind oder Gospelchöre. Auch Bläserchöre und Bands können darauf achten, Anfänger zu integrieren, die das Instrument noch nicht lange spielen.“
Was erhoffen Sie sich vom Kirchenmusiktag?
Enk: „Es wäre schön, wenn der Kirchenmusiktag viele unterschiedliche Chorsängerinnen und Chorsänger, Chorleitende, Bläserinnen und Bläser und Posaunenchorleitende sowie an der Arbeit mit Bands Interessierte zusammenbringt. Ich wünsche mir, dass vom Kirchenmusiktag getreu dem Motto „ZusammenWachsen‘ ein Impuls in unsere Kirchengemeinden ausgeht, Chormusik gemeinsam vielfältiger, kreativer und mitreißend zu gestalten.“