Mit dieser Drunter-und-Drüber-Inszenierung von Laura Attridge setzt die Wuppertaler Oper einen feinen Schlusspunkt unter die aktuelle Spielzeit.
Die 1955 uraufgeführte „Farsa musicale“ des Komponisten Nino Rota (1911 bis 1979), der auch viele Filmmusiken geschrieben hat (für seinen Sound des zweiten Teils von „Der Pate“ gab es 1975 sogar einen „Oscar“), sorgt knapp über zwei Stunden lang für Stimmung – ohne Atempause.
Die Geschichte, die erzählt wird, ist – kurz gesagt – haarsträubend, zieht alle Register einer Verwechslungs- und Missverständniskomödie. Es geht um einen blumengeschmückten Strohhut aus Florenz, den zufällig ein Pferd frisst. Dieses Pferd gehört Fadinard, der bald heiraten will. Der Hut der untreuen Ehefrau Anaide, die ohne den Hut nicht zu ihrem Ehemann zurückkann. Aus diesem Kern entspinnt sich ein Wasserfall von Durcheinander, den nacherzählen zu wollen völlig sinnlos wäre.
Es gibt den heißblütigen Liebhaber von Anaide, den hochzeitskritischen Schwiegervater von Fadinard, die Baronin von Champigny (die auch so einen Strohhut hat, aber dummerweise einen schwarzen), den tollpatschigen Anaide-Ehemann, den verwirrten Onkel Vézinet – und natürlich die treu-liebende zukünftige Fadinard-Ehefrau Elena.
Zwischendurch wird fast die ganze Truppe von der Nachtwache verhaftet, kommt aber wieder frei – und endlich: Der gesuchte, neue Hut taucht auf! Ende gut, alles gut. In einem überbordenden Bühnenbild mit ebensolchen Kostümen (Markus Meyer) gibt das Ensemble – passend zum von Yorgos Ziavras dirigierten Sinfonieorchester – Vollgas im besten Wortsinn.
Zicong Han vom Opernstudio NRW brilliert mit schönem Tenor als Fadinard, bestens ergänzt von Francesca Chiejinas berührendem Sopran. Ein schönes Duo mit schönen Duetten. Wahre Liebe. Wunderbar.
Wunderbar komödiantisch und vielschichtig auch Oliver Weidinger als betrogener Ehemann: Sein Bariton lässt nichts zu wünschen übrig – und er lässt keinen Lacher liegen. Ganz stark Edith Grossman: Wie sie die kapriziöse Baronin singt und spielt, ist großes Kino. Eine Frau ganz in ihrem Element. Nicht zu vergessen Elena Sverdiolaité vom Opernstudio als verführerische Anaide, Agostino Subacchi als Schwiegervater – und ein wild-wogender Opernchor, der tollkühne Massenszenen singt. Einzig Zachary Wilson bleibt etwas blass, was aber an seinem (Text-)Anteil liegen mag.
Dieser „Florentiner Hut“ lässt die Opernhausbühne Kopf stehen. Und das ist – siehe Schluss-Szene – wörtlich gemeint. Ein leichtfüßiges Schmunzel-Vergnügen.