Schauspiel mit Kästner-Komödienklassiker Fünf Sterne – für alle acht

Wuppetal · Mit der wunderbar unterhaltsamen Erich-Kästner-Komödie „Drei Männer im Schnee“ verabschiedet das Wuppertaler Schauspiel im Theater am Engelsgarten die diesjährige Spielzeit. Knapp über zwei Stunden perlender Bühnen-Champagner.

„Ganoven-Ball“ im Grand-Hotel. Von links nach rechts:Thomas Braus, Stefan Walz, Kevin Wilke, Silvia Munzón López und Thomas Bühler als Probenvertretung für Alexander Peiler.

Foto: Anna Schwartz

Draußen herrscht brüllaffenheißer Sommer, drinnen im (klimatisierten) Engelsgarten legt das Wuppertaler Ensemble ein Ding hin, das in einem winterlichen Grand-Hotel spielt – und das Publikum keine Sekunde aus den Fingern lässt.

Klassisch im besten Sinn ist der Stoff dieser Verwechslungskomödie, die schon aus den 30er-Jahren stammt: Der reiche Firmendirektor, die sich als armer Schlucker ausgibt, der einen noblen Hotelaufenthalt gewonnen hat. Sein Diener, der einen Millionär mimen muss. Ein echter (armer) Preisausschreibengewinner, den man im Hotel für steinreich hält. Das blasiert-dünkelhafte Hotelpersonal, das den „armen Schlucker“ triezt und den „Reichen“ hofiert. Zwei wohlhabende Damen mit Langeweile und Männer-Bedarf. Die Tochter des echten Millionärs, die plötzlich im Hotel auftaucht. Das Hin und Her nimmt kein Ende.

Gesungen wird auch: Silvia Munzón López tut’s als Blondine und Julia Meier bringt den Schlager „Egon“ – unsterblicher Retro-Sound. Verliebt wird sich noch dazu – inklusive Happy End.

Oft gibt’s das nicht, dass wirklich niemand vom Ensemble jemand anderen übertrifft: In dieser von Roland Riebeling (der schon mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ abgeräumt hat) inszenierten Komödie feiert sich die Theaterriege mit sprühender Spielfreude selbst: Thomas Braus, Paula Püschel, Hendrik Vogt, Kevin Wilke, Alexander Peiler, Stefan Waltz, Silvia Munzón López und Julia Meier (in einer Doppelrolle) – da fällt nirgendwo ein Schatten.

Und weil gute Komödie zu können, wirklich nicht aus der Hüfte geschossen wird, gilt der Applaus (den es zwischendurch und am Ende kräftig gibt) natürlich umso mehr.

Ergänzt wird das Ganze durch ein feines, kleines Bühnenbild (Lydia Merkel) und üppige Kostüme (Silke Rekort) à la 50er-Jahre.

Einziger Mäkel-Makel: Ob es die videotextlich transportierte Gegenüberstellung von Erwachsensein und kindlichem (Froh-)Gemüt inklusive Schneegeriesel wirklich braucht? Aber Schwamm drüber: Diese „Drei Männer im Schnee“ verdienen fünf Sterne.

Nochmals zu sehen am 16. Juli 2026 in einer Zusatzvorstellung. Die Termine am 26. Juni sowie am 2., 4. und 19. Juli 2026 sind offiziell bereits ausverkauft. In der kommenden Spielzeit dann wieder ab dem 21. November 2026.