Bücher aus Wuppertal Zwei Dramen, 100 Gedichte

Wuppertal · Zwei Wuppertaler „Altmeister“ haben Neues auf dem Buchmarkt: Gunter Wollschläger zwei wieder ungewöhnliche Theaterstücke, Michael Zeller Lyrik von heute und früher.

Der Wuppertaler Schriftsteller Michael Zeller. Jetzt hat er den Lyrikband „Heimweh nach Ferne“ veröffentlicht.

Foto: Ryszard Kopczynski

Gunter Wollschläger, der lange Zeit in der Kreativschule Wuppertal gearbeitet hat, liefert mit „Anemonen“ seinen bereits dritten Band mit Bühnenstücken, die im besten Wortsinn aus dem Rahmen fallen.

„Anemonen“ heißt der aktuelle Band – und trägt den Untertitel „Zwei Dramen fast über den Krieg“. „Anemonen“ ist Stück Nr. 1, „Schlotters Bilk“ die Nr. 2. „Anemonen“ rückt die völlig nebeneinander herlaufende Kommunikation eines Mannes und einer Frau in den Blickpunkt. Herrscht draußen Krieg? Oder eine Revolution? Die immer wieder aufbrandende Geräuschkulisse legt es nahe. Oliver, der Sohn der beiden, lebt nicht mehr. Starb er im Krieg? Und der auftretende Zauberkünstler Pol(l)ykarp, der männlich wie weiblich ist, kommentiert und kritisiert – richtet aber nichts aus.

Wollschlägers Art, Theaterstücke zu „bauen“, Handlungen zu fragmentieren, sucht schon ihresgleichen. Absurd mag man das nennen. Sogar abstrus. Weh tut es auch. Den Finger jedenfalls legt er in eine große (und wieder sehr aktuelle) Wunde: Wie soll „draußen“ in der Welt Kommunikation gelingen, wenn sie schon „drinnen“ zwischen Mann und Frau nicht funktioniert? Wenn ganz und gar aneinander vorbeigeredet und vorbeigelebt wird.

„Schlotters Bilk“, das zweite Stück, verströmt gar auf höchst unterschwellige Weise Bedrohlichkeit. Naturschriftsteller Schlotter und dessen Frau Emma haben für eine Weile das Haus eines Herrn Faust gemietet, der sich als Waffenhändler entpuppt. Jenseits des Grundstückes liegt eine alte Ziegelei: Dort sind Neonazis, die in einer anderen Welt leben, zugange. Und auch ein Mord scheint zu geschehen. „Schlotters Bilk“ lebt von hoher Geschwindigkeit und einem durchaus angsteinflößenden Schatten. Das Stück fesselt, zieht in einen finsteren Sog. Wer traut sich mal (zu), das alles zu inszenieren? Nordpark-Verlag, 14 Euro

Von ganz anderer Machart ist „Heimweh nach Ferne“, der Lyrikband von Michael Zeller, den ihm sein Verlag sozusagen zum 80. Geburtstag schenkte. Zeller hat 100 Gedichte – neue und alte – auf 140 Seiten versammelt. Ergänzt von einem Gespräch mit und einem Nachwort von Matías Martínez, Literaturwissenschaftler an der Bergischen Uni.

Wer Michael Zeller als Lyriker (noch) nicht „auf dem Zettel“ hatte, darf hier eintauchen in ein weitgespanntes Spektrum, das nach innen und außen blickt, auf sehr eigene Weise kleine, vor allem alltägliche Momente festhält – und manchmal echte Funkel-Kristalle bietet: „Saludo“ beispielsweise oder „September“. Zornig ist Zeller manchmal auch – oder verliebt in den Blick auf eine schöne Frau.

Und für das lyrische Bild, die Möwen „Kleingeld des Lichts“ zu nennen, muss man den Hut vor ihm ziehen. Rote Katze-Verlag, 22 Euro