Kommentar zur Ex-Bundesbahndirektion Noch das Beste draus gemacht

Wuppertal · Noch das Beste draus gemacht – in diese Kategorie darf man die jetzt ausverhandelte Anmietung der ehemaligen Bundesbahndirektion durch Stadt, Uni und Jobcenter einsortieren. Entscheidend dafür ist die unsägliche Vorgeschichte der Immobilie, die den Döppersberg maßgeblich prägt.

 Daraus wurde nichts: Investor Alexander Clees, Thomas Reichenauer vom Outlet-Betreiber ROS und Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig im Jahr 2017.

Daraus wurde nichts: Investor Alexander Clees, Thomas Reichenauer vom Outlet-Betreiber ROS und Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig im Jahr 2017.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Zur Erinnerung: Vier Jahre lang hat sich die damalige Stadtspitze von der Clees-Gruppe als Eigentümer des Komplexes am Ring durch die Manege führen lassen. Bereits 2015 wurde das hier geplante Shopping-Zentrum auf den Namen „City Outlet Wuppertal“ getauft, Eröffnung 2017.

Stattdessen gab es 2017 nur einen öffentlichkeitswirksam inszenierten Baustart, bei dem Hausherr Alexander Clees und Stadtkämmerer Johannes Slawig gemeinsam eine Wand mit dem Vorschlaghammer traktierten. Eröffnung der ersten 65 Shops nunmehr im zweiten Halbjahr 2018. Im zweiten Halbjahr 2018 wurde der Döppersberg fertig, das Outlet dagegen langsam beerdigt, 2019 hatte das dann auch die Stadt Wuppertal langsam begriffen.

Unter dem Strich war der Vorgang ein Desaster, das zusätzlich noch zu im Ergebnis völlig überflüssigen rechtlichen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn aus Remscheid führte. Dort hatte man in schlechterer Lage, aber mit dem offenbar weit potenteren Betreiber ebenfalls ein Outlet-Projekt aufs Gleis gesetzt.

So stand Wuppertals Leuchtturmprojekt namens Döppersberg 2019 quasi ohne Lampe da: Mit einem toten historischen Bau-Koloss. Mit einem als Folge komplett verwaisten oberen Stadtplatz. Und ohne jede Vorstellung, wie man in dieser zentralen Lage stadtentwicklungstechnisch weitermachen könnte.

Die zwischenzeitlich aufgekommene Idee, hier die WSW-Zentrale anzusiedeln, zerschlug sich. Die Anfang 2020 von der Stadt ins Gespräch gebrachte Dreifach-Nutzung durch Verwaltung, Uni und Jobcenter wird jetzt – die politische Zustimmung vorausgesetzt – realisiert. Das kostet die Stadt unter dem Strich eine Extra-Million pro Jahr, weil sie eine durchaus sportliche Miete zahlt. Sowas kommt raus, wenn man wegen der Vorgeschichte in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition steckt. Im Prinzip ist das kurios, weil natürlich primär der Immobilienbesitzer ein Interesse daran haben müsste, sein Objekt zu verwerten. Nur ist der für seine langen Atem hinreichend bekannt, während die Stadt mit Blick auf ihren unvollendeten Döppersberg massiv unter Druck steht.

Unter dieser Voraussetzung ist der jetzt erzielte Nutzungs-Kompromiss eine akzeptable Lösung mit einigen handfesten Vorteilen. Dazu zählen die Planungssicherheit dank 30-Jahres-Vertrag und die Möglichkeit, sich von Miet- und Bestandsobjekten zu trennen, mit denen man nicht glücklich ist. Zudem liegt das Umbaukostenrisiko – in diesen Tagen ein Mega-Thema – beim Eigentümer. Und für die Zukunft der Innenstadt ist ein zentraler Verwaltungs- und Forschungsstandort mit qualifiziertem Personalbesatz allemal ein entscheidender Impuls.

Zumal die Alternativen fehlen: Dass sich hier in Wuppertaler Bestlage offensichtlich keine marktfähige Einzelhandels-Lösung etablieren ließ, sagt ja einiges über den Standort aus.

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