Warum sich der Zoo in Wuppertal verändert

Eine Analyse : Warum sich der Grüne Zoo verändert

Die Eisbären verlassen den Grünen Zoo. Elefanten und Pfleger werden keinen direkten Kontakt mehr haben. Artgenossen quälen Bonobo Bili. Große, teils heftige Schlagzeilen über den Wuppertaler Zoo, bundesweit.

Wie aufregend sind diese Nachrichten? Und was steckt dahinter? Rundschau-Redakteurin Nina Bossy hat mit Zoodirektor Arne Lawrenz über Entscheidungen und Hintergründe gesprochen.

Eisbären ziehen weg

Die Zoodirektion und die Stadtverwaltung haben sich gegen eine weitere Haltung von Eisbären entschieden. Anori und Luka werden gehen. Wann, das weiß niemand. "Denn wir werden die Tiere nur an einen Ort geben, an dem sie es besser haben als bei uns", sagt Lawrenz.

Die Wuppertaler Haltung entspreche zwar nach dem Säugetiergutachten den Mindestanforderungen, sei aber dennoch nicht artgerecht. Gegen eine Erweiterung der Anlage habe Lawrenz sich primär entschieden, weil sie den historisch gewachsenen Zoo nachhaltig verändert hätte. So hätten für die Umbauten unter anderem der Steinbock-Felsen und das Aquarium weichen müssen. Lawrenz: "Dann hätten wir hauptsächlich drei große Arten: Elefanten, Löwen, Eisbären. Wir haben uns für Artenvielfalt entschieden."

Publikumsliebling Tuffi. Foto: Holger Battefeld

Nach dem Wegzug der Eisbären soll für die Seelöwen das Eisbär-Areal geöffnet werden. Pläne für diesen Umbau liegen bereits vor und werden im Februar den politischen Gremien vorgestellt.

Umbau bei Elefanten

"Die Elefanten brauchen uns nicht mehr", sagt Lawrenz. Seit der ersten Elefantengeburt 2005 sind zehn Kälber in Wuppertal auf die Welt gekommen. Das Team des Zoos, der mit einer Aufzuchtquote von 100 Prozent die europaweit erfolgreichste Elefantenzucht betreibt, hat die Herde in ihrem Wachsen und Lernen eng begleitet.

Nun, so Lawrenz, sei die Herde über die Generationen zu einem funktionierenden sozialen Familienverband zusammengewachsen, der über genug kollektives Wissen verfügt, um ohne menschliche Unterstützung zu leben. Deshalb würde es in Zukunft keinen direkten Kontakt mehr zu den Pflegern geben.

Die als radikal geltende Tierschutz-Organisation "Peta" hatte gegen den Zoo Kampagnen gefahren, weil die Pfleger den sogenannten Elefantenhaken bei sich führen. Lawrenz: "Wir haben mit positiver und negativer Verstärkung gearbeitet. Die autoritäre Erziehung war zwingend erforderlich, um die Pfleger zu schützen."

Bonobo Bili. Foto: Grüner Zoo Wuppertal / Claudia Philipp

Zukünftig werden die Besucher die Tiere so naturnah wie möglich erleben und die Pfleger durch Mauern oder Zäune von den Tieren getrennt sein. Das verlangt bauliche Veränderungen. Lawrenz: "Die Stadtverwaltung hat uns genug finanzielle Mittel in Aussicht gestellt. Die Planung muss nun in Angriff genommen werden."

Bili soll bleiben

Anfang November kam das Bonobo-Männchen Bili aus Frankfurt nach Wuppertal. Besucher entdeckten bei dem Tier Bisswunden und warfen dem Zoo vor, den Affen nicht vor der Aggression der Gruppe zu schützen.

Die Wunden seien nicht schön, sagt Arne Lawrenz, aber tatsächlich arttypisch und völlig normal bei der Integration eines neuen Mitglieds in eine bestehende Bonobo-Gruppe. "Bonobos beißen sich in die Ohren, Füße und in die Analgegend", erklärt der Tierarzt. Das Team schaffe dem Neuzugang feste Ruhezeiten fern seiner Gruppe.

"Ich verstehe, dass der Konflikt in der Gruppe und die Wunden für unsere Besucher nicht schön zu sehen sind", erklärt Lawrenz, "aber die Tiere zeigen ein absolut natürliches Verhalten." Und zum Leben gehöre — in der Natur und in einer artgerechten Haltung — auch Leid und Konflikt.

Als absolut tierschutzwidrig beurteilt Lawrenz hingegen den Vorschlag, Bili von der Gruppe zu isolieren. Bili kam nach Wuppertal, um sich in der Gruppe fortzupflanzen. Bonobos, deren natürlicher Lebensraum kontinuierlich verschwindet, sind vom Aussterben bedroht.

Bei den Bonobos in menschlicher Obhut, so auch in Wuppertal, handelt es sich um Reserve-Populationen, die der Erhaltung der Art dienen. Deshalb, sagt Arne Lawrenz, sei bei der Zucht eine genetische Vielfalt bedeutend und Inzucht dringend zu vermeiden. In Frankfurt hätte Bili keine nicht verwandte Fortpflanzungspartnerin gefunden.

Im Laufe der Woche haben die negativen Momente abgenommen und die positiven überwiegen, teilt der Zoo mit. Direktor Arne Lawrenz: "Wir hoffen, dass Bilis Integration gelingen wird."

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