Interview zum „Tag des guten Lebens“ Alexandra Rosenbohm: „Die Menschen begeistern“

Wuppertal · Ein Tag des guten Lebens – das klingt allumfassend. Das Wuppertaler Nachbarschaftsheim möchte aber genau einen solchen Tag am Sonntag (20. Juni 2021) auf dem Platz der Republik und im Schniewindschen Park sowie in ganz Wuppertal Realität werden lassen. Alexandra Rosenbohm vom Nachbarschaftsheim erklärt im Gespräch mit Rundschau-Redakteurin Nina Bossy die Idee und das Programm.

 Was macht ein gutes Leben aus? Alexandra Rosenbohm und das gesamte Veranstaltungsteam möchten diese Vision am morgigen Sonntag greifbar machen.

Was macht ein gutes Leben aus? Alexandra Rosenbohm und das gesamte Veranstaltungsteam möchten diese Vision am morgigen Sonntag greifbar machen.

Foto: Anette, Freistil/Anette Hammer, Freistil

Rundschau: Frau Rosenbohm, was macht ein gutes Leben aus? Und warum widmen Sie ihm diesen Tag?

Rosenbohm: „Ein gutes Leben, das umfasst eine Vielzahl von Dingen. Es ist ein Ziel und das bedeutet, dass wir Dinge in unserem Umfeld verändern und verbessern. Da sind wir ganz schnell beim Thema Nachhaltigkeit. Wir möchten an diesem Tag die Menschen in Wuppertal für eine nachhaltige Entwicklung begeistern. Was wollen wir für die Stadt, für uns und für unsere (Enkel-)Kinder?“

Rundschau: Wer sind die Organisatoren und warum ist diese Idee so verbindend?

Rosenbohm: „Dabei sind Alexandra Kessler und Isabelle Rumpenhorst vom CSCP (Collaborating Centre for Sustainable Consumption and Production), dann Sophia Merrem vom FSI (Forum für soziale Innovation), Liesbeth Bakker von ,Ideaalwerk’ und Gabriele Kamp und ich vom Nachbarschaftsheim Wuppertal am Ostersbaum. Alles Einrichtungen und Institutionen, die sich im nahesten und weitesten Sinne mit Nachhaltigkeit befassen.“

Rundschau: Nun organisieren Sie eine öffentliche Veranstaltung in einer Zeit, die erst die Schwelle zur Normalität darstellt. Andere Events finden immer noch nur online statt. Warum möchten Sie aber nicht ins Netz ausweichen? Und wie groß sind die Hürden?

Rosenbohm: „Die Möglichkeiten, sich online zu treffen, sind super, aber sie ersetzen keine echte Begegnung. Und wir würden nur einen Bruchteil der Menschen erreichen. Die Auflagen für Live-Veranstaltungen sind allerdings immens. Durch das Sinken der Inzidenz ändern sie sich auch immer wieder. Fest steht, jeder Platz braucht einen separaten Ein- und Ausgang, die Menschen müssen gezählt, die Abstände gewährleistet werden. Zum Glück haben wir viel Hilfe und Unterstützung, zum Beispiel durch den Stadtteilservice. Wir müssen viel beachten und unser Organisatorinnen-Team gibt derzeit alles, um eine schöne und sichere Veranstaltung zu ermöglichen.“

Rundschau: Die Programmfülle ist gewaltig und reicht über sieben Stunden. Welche Aktion dürfen Seniorinnen und Senioren nicht verpassen?

Rosenbohm: „Für Seniorinnen und Senioren empfehle ich, den Infostand von ,Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete’ über Möglichkeiten zum Mitmachen zu besuchen. Ich denke, dass sich hier gerade ältere Menschen mit ihrer Lebenserfahrung sehr gut engagieren und austauschen können.“

Rundschau: Was dürfen Jugendliche nicht verpassen?

Rosenbohm: „Das Sinfonieorchester Wuppertal präsentiert sich mal ganz anders und bringt Hip-Hop-Tänzerinnen und Tänzer mit, die zu Klassik performen. Das Projekt ,Traumviertel’ der Kulturwerkstatt ist vor Ort und sammelt und zeigt Wünsche und Visionen von Kindern und jungen Menschen.“

Rundschau: Welcher Veranstaltungspunkt eignet sich für Familien?

Rosenbohm: „Für Familien finde ich die Müllsammelaktion der ,Students for Future’ und die Pflanzen-Tauschbörse sehr schön. Auch den Auftritt von ,Dörte aus Heckinghausen’ sollten Familien sich vormerken. Und für alle Beteiligten ist auch unsere Podiums-Diskussion um 13 Uhr am Platz der Republik sehr zu empfehlen. Hier diskutieren Menschen aus Politik und Initiativen über die Zukunft unserer Mobilität.

Rundschau: Was hat Sie während der Vorbereitung überrascht?

Rosenbohm: „Dass sich tatsächlich bereits so viele Menschen in Wuppertal für ein gutes, nachhaltiges Leben stark machen. Und dass man viel mehr mit Liebe, Achtsamkeit und Kreativität erreichen kann, als mit dem erhobenen Zeigefinger.“

Rundschau: Der Tag ist lang und doch nur begrenzt. Was ist Ihr Wunsch, was nach der Veranstaltung bleibt?

Rosenbohm: „Tatsächlich gibt es da ganz konkrete Kooperationen und ein großes Wuppertaler Netzwerk im Kontext Nachhaltigkeit, die nicht erst in der Vorbereitungsphase entstanden sind und auch bereits für die Zukunft weitergedacht werden. Im Ostersbaum haben sich beispielsweise sehr engagierte AGs gebildet, die sich für Veränderungen der Mobilität und mehr Zusammenhalt im Quartier engagieren. Unsere Podiumsdiskussionen beziehen Politik und Unternehmen in nachhaltige Veränderungsprozesse ein. Das sollte auf jeden Fall weitergehen.“

Rundschau: So, dass die Bewegung für das gute Leben in Wuppertal größer wird?

Rosenbohm: „Das ist unsere große Hoffnung, für die wir in diesen Tagen so gerne vorbereiten und organisieren.“