Miet-Skandal auf der Wuppertaler Engelshöhe: Ein Fass ohne Boden?

Vohwinkel : Engelshöhe: Ein Fass ohne Boden?

Der Rundschau-Beitrag über die verheerenden Zustände in der Wohnung von Armin Schmitz an der Engelshöhe hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Gegen den Vermieter wurde inzwischen von einem anderen Bewohner Strafanzeige gestellt.

Jahrelang lebte Armin Schmitz (70) mit einem undichten Abwasserrohr in seinem Badezimmer. Anfangs tropfte es in der Wohnung an der Vohwinkeler Engelshöhe nur durch die Decke. Mittlerweile kann man getrost von einem Wasserfall sprechen, der sich an der Toilette über ihm ergießt, wenn die Nachbarn oben duschen oder die Seifenlauge aus der Waschmaschine abgepumpt wird. Seine jahrelangen Versuche, die Immobiliengesellschaft „Altro Mondo“ als Vermieter auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen, waren bislang gescheitert.

Nachdem die Wuppertaler Rundschau über den Fall berichtet hatte, scheint nun endlich Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Allerdings nicht so, wie man es eigentlich erwarten sollte – die „Altro Mondo“ hat sich noch immer nicht gemeldet. Stattdessen haben entsetzte und mitfühlende Leser ihre Hilfe angeboten.

Gerd Vennekate, der Armin Schmitz in den vergangenen Wochen unterstützt hatte, ist begeistert über die Welle der Hilfsbereitschaft und glaubt, dass nun endlich eine Lösung in Sicht ist. „Jungs aus dem Tal haben die Sache in Angriff genommen“, spricht er über das, was er gemeinsam mit Armin Schmitz in der vergangenen Woche an Mitmenschlichkeit erleben durfte.

Zu denjenigen, die sofort helfen wollten, gehört auch Bodo Kottner. Der Sachverständige für Schimmelpilzbeseitigung hatte über die Rundschau seine Unterstützung angeboten und bei einem Ortstermin gemeinsam mit Gerd Vennekate, Armin Schmitz und dessen Tochter drei Stunden lang überlegt, was nun zu tun ist. „Sowas habe ich noch nirgendwo gesehen“, war auch er entsetzt über die Zustände in der Wohnung. Noch am selben Abend hat er seine gutachterliche Stellungnahme an „Altro Mondo“ geschickt – gehört hat er von dort bislang noch nichts.

Zuvor hatte er allerdings noch zum Telefon gegriffen und Jan Jacobi von der BBB Group zum Ortstermin in die Engelshöhe gerufen. Der hat – nicht weniger entsetzt – gleich zugesagt, das undichte Rohr auszutauschen. Danach wird Bodo Kottner das Badezimmer vom Schimmel befreien und damit Armin Schmitz einen Herzenswunsch erfüllen: Der 70-jährige ist vor vier Jahrzehnten dort eingezogen und möchte unbedingt an der Engelshöhe wohnen bleiben. Die Handwerker bezahlen kann er nicht – aber das ist für Bodo Kottner und Jan Jacobi auch kein Problem. Sie werden ihre Rechnungen nach getaner Arbeit direkt zu Altro Mondo nach Ronnenberg schicken und das finanzielle Risiko tragen.

Derweil gibt es mit Andreas Potrick einen anderen Mieter an der Engelshöhe, der dazu nicht mehr bereit ist. Potrick hat Strafanzeige wegen Abrechnungsbetruges gegen die Immobiliengesellschaft gestellt und sagt dazu: „Auf E-Mails bekommt man nur automatische Antworten, telefonisch werden nur Versprechungen gemacht und niemand kommt: Mir reicht es jetzt!“

Vor anderthalb Jahren in der Engelshöhe eingezogen, hatte der Mieter schon zwei Wasserschäden zu beklagen. Drei Trocknungsgeräte seien damals über seinen Stromzähler gelaufen – auf den Kosten sei er sitzengeblieben. „Die ,Altro Mondo’ hat den Schaden bei der Versicherung gemeldet und nichts an mich weitergeleitet“, sagt er. Hinzu komme noch, dass in der Dreizimmerwohnung nur zwei Heizkörper funktionieren würden, die dazu auch nicht heiß werden. Über die Wintermonate müsse er mit Strom heizen, und auch auf diesen Kosten bleibe er sitzen. Die Kaution für einen ehemals von ihm gemieteten und mittlerweile gekündigten Garagenplatz habe er nicht zurückbekommen. „Seit ich hier wohne, habe ich schon fünf Hausmeister kommen und wieder gehen sehen. Die bekommen ihren Lohn nicht“, sagt Potrick, der sich mittlerweile einen Anwalt genommen und die Miete um 30 Prozent gekürzt hat. Strafanzeige wegen Abrechnungsbetruges habe er nun wegen der nicht zurückgezahlten Garagen-Kaution gestellt und auch wegen der Kosten für den Wasserschaden, auf denen er sitzengeblieben sei.

Auf Rundschau-Anfrage hat sich „Altro Mondo“ – wie schon zum Fall Schmitz – bisher nicht geäußert. Und Armin Schmitz selbst? Der hat nun von den Nachbarn obendrüber gehört, dass es vom Badezimmer in der zweiten Etage aus in deren Wohnung tropfen soll. Ein Fass ohne Boden?

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