Wuppertal Vohwinkel: Seit 10 Jahren kämpft Armin Schmitz gegen Wasser

Wasserschaden - und das seit 10 Jahren : Mit Video: Ein trauriger Wohn-Albtraum

Wenn die Nachbarn oben duschen, rauscht das Wasser ins Badezimmer der Wohnung darunter. Seit zehn Jahren kämpft Armin Schmitz (70) vergeblich um die nötigen Reparaturen in seiner verschimmelten Vohwinkeler Mietwohnung, an die ihn viele private Erinnerungen ketten.

Vor 40 Jahren ist Armin Schmitz an die Engelshöhe gezogen. Mit Hannah, seiner Frau. Die Tochter war damals gerade vier Jahre alt. In der Dreizimmerwohnung war genug Platz für die kleine Familie, ringsum in der Siedlung war es wunderbar grün. Irgendwann zog die Tochter aus, vor 15 Jahren starb dann auch Hannah.

Über dem Küchentisch ist die Welt für Armin Schmitz noch in Ordnung. Dort schaut er auf Fotos von damals – und gleich nebenan auf das Elend von heute. Die Wand ist feucht und schimmelig, der Putz rieselt herunter. Der Küchenschrank, der einst dort hing? Irgendwo im Nebenraum, verschimmelt.

Derweil hört man es im Bad plätschern. Schaut man dort hinein, verschlägt es einem schlicht die Sprache. Das Wasser fließt in Strömen von der Decke herab auf die Toilette und in die Badewanne. Und das nicht erst seit gestern, sondern seit Jahren.

„Es hat mit ein paar Tropfen angefangen“, erinnert sich Armin Schmitz. Damals habe er gleich den Hausmeister informiert – passiert sei nichts. Es folgten Anrufe und Briefe, zwischendurch soll auch mal jemand dagewesen sein. „Die haben sich das alles angeschaut und nichts gemacht“, berichtet Schmitz von seinen verzweifelten Versuchen, den Schaden beheben zu lassen.

Vom ersten Tropfen bis zum Wasserfall sind zehn Jahre vergangen. Drehen die Mieter in der Wohnung oben drüber den Wasserhahn auf, wird das Badezimmer unten zur Tropfsteinhöhle. Duschwasser, Spülwasser und die Seifenlauge aus der Waschmaschine: Alles läuft ins Badezimmer von Armin Schmitz. Sitzt er auf der Toilette, kann er sich danach die Haare waschen. Duscht er gerade selbst, hätte er es auch gleich bleiben lassen können. Von Hygiene kann schon längst keine Rede mehr sein. „Meine Schwester hat mir angeboten, bei ihr zu duschen. Aber dafür müsste ich nach Düsseldorf fahren“, sagt Armin Schmitz, der seine Miete seit 40 Jahren immer pünktlich bezahlt. 513 Euro für 70 Quadratmeter, gekürzt hat er sie nicht.

Es tropft seit 10 Jahren

Vor einem Jahr sei dann endlich mal jemand gekommen, um sich den Schaden anzusehen. Die Immobiliengesellschaft „Altro Mondo“ mit Sitz in Ronnenberg – mittlerweile Eigentümerin der Mehrfamilienhäuser an der Engelshöhe – hatte eine Baufirma vorbeigeschickt. Damals wurde das undichte Abwasserrohr freigelegt und im Bad stand vier Wochen lang ein Trocknungsgerät.

Die Stromkosten sollte der Mieter selbst bezahlen – bei zwei Kilowatt pro Stunde kommt schnell so einiges zusammen. Wo die Handwerker einmal da waren, hätten sie auch gleich den verschimmelten Küchenschrank abgehängt. Die Feuchtigkeit war längst aus dem Badezimmer durch die Wand nach nebenan in die Küche gezogen.

Und dann? Es geschah nichts – bis heute. Anrufe versandeten in der Anonymität von Call-Centern und Warteschleifen. Angeblich habe man jemanden mit der Reparatur beauftragt und die Firma habe zwar eine Rechnung geschickt, aber nichts gemacht. Armin Schmitz gibt zu, dass es ihm schwerfällt, sowas zu glauben.

„Sie haben mir auch gesagt, dass ich doch ausziehen solle“, erinnert sich Armin Schmitz an Ratschläge, mit denen er nichts anfangen kann. Er hat dort mit seiner Frau und seiner Tochter gewohnt, die guten Erinnerungen tragen ihn bis heute durchs Leben. Einen alten Baum verpflanzt man nicht – warum auch? Seine Miete zahlt der pensionierte Eisenbahner immer pünktlich, seit 40 Jahren. Und im Bad ist doch nur ein Abwasserrohr kaputt, dass repariert werden muss. Auch Freunde und Bekannte haben vergebens versucht, dem 70-Jährigen mit Anrufen bei Altro Mondo zu helfen.

Wuppertals schlimmstes Badezimmer? Wenn eine Etage höher geduscht wird, entsteht hier ein wahrer Wasserfall. Foto: Mikko Schümmelfeder

Zuletzt Gerd Vennekate erst vor wenigen Tagen, der dazu sagt:. „Ich hatte es dringlich gemacht und wurde von einem Call Center zurückgerufen. Dort hat man mir gesagt, ich solle das Anliegen per Post mitteilen.“ Aber auch das sei schon passiert und habe nichts genutzt. Auch für die Wuppertaler Rundschau war bei der Immobiliengesellschaft „Altro Mondo“ in Ronnenberg niemand zu sprechen. Dabei hatte der Anruf dort noch hoffnungsvoll begonnen. Für die Wohnungssuche solle man die 1 wählen, für technische Störungen die 2, für Fragen zu Mietzahlungen die 3 und für solche, die das Mietverhältnis betreffen die 4. Hält man sich an die Wegweisung und wählt die 2, weil es ja doch am ehesten ein technisches Problem ist, meldet sich eine freundliche Dame von der Telefonzentrale.

Sie gebe die Angelegenheit gleich an den Verantwortlichen weiter, der werde dann zurückrufen. Passiert ist nichts – und auch auf die schriftliche Bitte um Stellungnahme hat niemand reagiert. Ach ja, in dringenden Fällen könne man laut Telefonansage auch die im Hausflur ausgehängte Notfallnummer wählen. Auch das hat Armin Schmitz schon versucht – ohne Erfolg.

Vermutlich handelt es sich nach zehn Jahren auch nicht mehr um einen Notfall.

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