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Viel Farbe für das Steinbecker Tor in Wuppertal

Steinbecker Tor : Viel Farbe gegen das „Grauen“

Eigentlich hatte es einen durchaus nachvollziehbaren architektonischen Sinn: Aber die als „Steinbecker Tor“ bekannte mausgraue Konstruktion an der markanten Ecke Südstraße und Cronenberger Straße löst bis heute nur Kopfschütteln aus. Jetzt könnte der Schandfleck endlich aufgewertet werden.

Vor einem halben Jahr hatte Südstadt-Aktivist Ralf Geisendörfer Anlauf genommen, um das prominente optische Ärgernis ansehnlicher zu machen. Seine Idee: mit Graffiti gegen das Grau vorgehen. „Wir haben hier in Wuppertal mit Martin Heuwold doch einen der deutschen Graffiti-Künstler schlechthin. Warum lässt man ihn die Konstruktion nicht gestalten?“, so Geisendörfer im Januar zur Rundschau. Und genau der hat jetzt einen konkreten Vorschlag dafür auf den Tisch gelegt.

Vorher hatte sich Heuwold ausführlich mit dem Konstrukt und dessen Umfeld beschäftigt. „Mir ist, genau wie wahrscheinlich den meisten Laien, direkt aufgefallen: Hier stimmt etwas nicht.“ Denn: „Grau ist ja im öffentlichen Raum keine ungewöhnliche Farbe, aber dort ist rund herum gar nichts grau. Deshalb wirkt es so fremd.“ Um das aufzulösen, hat er in seinem Konzept die angrenzenden Häuser über die farbliche Gestaltung des mächtigen Querträgers und der Stützpfeiler optisch wieder miteinander verbunden. Auch in der dschungelartigen Gestaltung der beiden Hausfassaden spiegeln sich die Farben aus der Umgebung wieder, außerdem bringt sie ein Stück virtuelle Natur ins Häusermeer.

Bei Gunther Stoldt, Abteilungsleiter Stadtplanung im Barmer Rathaus, kommt der Heuwold-Vorschlag gut an. Erfüllt er doch genau die Funktion, die das Konstrukt eigentlich haben sollte, aber in den Augen eigentlich aller neutralen Betrachter nie wirklich leisten konnte: „Die Idee war damals, nach dem Abriss der Margarinefabrik Isserstedt nicht nur Flachbauten in die große Baulücke zu setzen, sondern ein verbindendes Element zu schaffen. Die Umsetzung war dann aber ganz anders als in den ersten Architekten-Entwürfen, das hatte dann nichts mehr mit Baulückenschließung zu tun.“ Mit dem Heuwold-Konzept könne man die Gebäude jetzt optisch wieder zusammenziehen. Stoldt: „In Verbindung mit den Giebelwänden ist das ein Kunstwerk, ein echter Hingucker.“

 Der Ist-Zustand bietet einen tristen Anblick.
Der Ist-Zustand bietet einen tristen Anblick. Foto: Wuppertaler Rundschau/Roderich Trapp

„Das sollte man weiter verfolgen“, findet auch Grünen-Stadtverordneter Klaus Lüdemann. Er hatte bereits in der Bezirksvertretung über die Bemühungen um eine Aufwertung des Schandflecks berichtet. Grundsätzlich begrüßt auch der Südstädter Bürgerverein die Initiative. „Ich persönlich finde den Entwurf sehr ansprechend“, so der Vorsitzende Ralph Hagemeyer. Der Vorstand insgesamt könnte sich aber auch Locations aus der Südstadt wie den Wandzierbrunnen an der Kölner Straße als Motive vorstellen.

Einschränkungen sieht Gunther Stoldt bei einer möglichen Umsetzung nicht. Es müsse nur geprüft werden, ob das rechte Haus möglicherweise unter Denkmalschutz steht, Fassadenanstriche an sich seien aber nicht genehmigungspflichtig. Und natürlich müssen die Eigentümer einverstanden sein. Darum und um eine Finanzierung durch Sponsoren wollen sich Ralf Geisendörfer und seine Mitstreiter - ermutigt durch den öffentlichen Zuspruch - jetzt kümmern.