WSV wird für großen Kampf belohnt

Fußball-Regionalliga: 1:0 (1:0) bei Alemannia Aachen : WSV wird für großen Kampf belohnt

Der Fußball-Regionalligist Wuppertaler SV hat am Samstagnachmittag (9. März 2019) das Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen mit 1:0 (1:0) gewonnen. Vor 5.200 Zuschauern auf dem Tivoli mussten die Bergischen mehr als 75 Minuten in Unterzahl agieren.

Der WSV startete mit vier Veränderungen im Vergleich zum 0:3 in Lippstadt: Gino Windmüller, Peter Schmetz, Jan-Steffen Meier und Phil Britscho rückten in die Anfangsformation, Mario Andric, Silvio Pagano, Kenan Dünnwald und Viktor Maier dafür nicht.

Das Team von Trainer Adrian Alipour begann konzentiert. Windmüller erarbeitete sich sogar die erste Torchance des Spiels. Dann aber die kalte Dusche: Nach einem Foul an Stipe Batarilo-Cerdic sah Peter Schmetz zunächst Gelb. Der Schiedsrichter entschied sich jedoch um, wertete die Attacke als Notbremse und zeigte Rot (14.). Windmüller, zuvor im Mittelfeld, rückte in die Innenverteidigung.

Aachen fiel zunächst aber nichts Besonderes ein. Der Schuss von Imbongo Boele landete in den Armen von Schlussmann Sebastian Wickl (22.). Der WSV versteckte sich dagegen nicht, hatte jedoch bei Abschlüssen von Windmüller und Kevin Hagemann (24./25.) noch nicht die Präzision. Die besaß dafür Tjorben Uphoff, der einen von Meik Kühnel getretenen Freistoß ins lange Eck köpfte - 0:1 (27.). Groß war der Jubel bei den rund 150 mitgereisten Fans.

Die Wuppertaler blieben auch in Unterzahl gefährlich. Erst hatte Alemannia-Keeper Daniel Zeaiter größte Mühe, einen Ball festzuhalten (30.), dann vergaben Enes Topal und Gaetano Manno (31.). Topal setzte kurz danach Zeaiter unter Druck, der sich bei seiner Abwehr eine Oberschenkelverletzung zuzog und durch Niklas Jakusch ersetzt wurde.

Glück hatten die Gäste, als Wickl zauderte und Vincent Boesen an die Latte köpfte (38.) - und als Batarilo-Cerdic vollkommen freistehend knapp über den WSV-Kasten schoss (39.). Aachen erhöhte den Druck weiter. Mehrfach rauschten Flanken gefährlich vors Wuppertaler Tor. Die Bergischen überstanden die Phase unbeschadet und gingen mit der 1:0-Führung in die Kabine.

Aus der kamen beide Teams zunächst unverändert. Die Alemannia bestimmte nun komplett die Partie, der WSV lieferte mit einem Mann weniger eine Abwehrschlacht. Dabei fehlte ab der 57. Minute Dennis Malura, der wegen einer Verletzung gegen Silvio Pagano ausgetauscht werden musste. Drei Minuten später kam Viktor Maier für Kevin Hagemann, der viel unterwegs war.

Entlastungsangriffe gelangen in der zweiten Halbzeit kaum noch. Einen von Uphoff abgefälschten Schuss von Robin Garnier sah Wickl noch rechtzeitig (64.). Der WSV geriet immer mehr unter Druck. Batarilo-Cerdic zielte aus 20 Metern vorbei (68.). Kühnel, Meier und Britscho liefen nicht mehr rund, mussten aber auf die Zähne beißen. Batarilo-Cerdic scheiterte derweil auch aus acht Metern (73.).

Eine Minute danach gelang Topal der erste Vorstoß in Hälfte zwei. Kühnel schoss den Freistoß aber schwach. Es wurde noch kurioser: Nach einem Zusammenprall mit Imbongo verletzte sich Wickl so stark, dass Youngster Niklas Lübcke ins Tor musste (80.). Die eigentlich geplante Einwechslung von Philipp Kenan Dünnwald für Topal war passé.

Die Stimmung heizte sich immer mehr auf. Schiedsrichter Jörn Schäfer unterbrach die Partie in der 82. Minute für insgesamt fünf Minuten, weil Gegenstände von den Tribünen flogen. Als es endlich weiterging, köpfte Garnier haarscharf am Pfosten vorbei (83.). Dennoch spielte die Pause dem WSV in die Karten. Der befreite sich nun wesentlich öfter.

Die Nachspielzeit betrug acht Minuten. Auch Maier wurde verletzt vom Platz getragen (90.+4.), das Wechselkontingent war erschöpft. Das Alipour-Team war nur noch mit neun Spielern unterwegs. Mahmut Temür vergab noch einmal (90.+9). Lübcke hielt alles. Nach 102 Minuten war der ebenso kuriose wie historische Sieg perfekt.

Adrian Alipour (Wuppertaler SV): „Es ist natürlich ein wahnsinnig intensives Spiel gewesen. Wenn du nach 15 Minuten mit einem weniger spielen musst und du gegen so einen starken Gegner spielst - das ist natürlich brutal. Wir sind durch eine gute Standardsituation in Führung gegangen. Wir haben mit einer wahnsinnigen Intensität das 1:0 in die Pause gerettet. Aachen hat gut gespielt und uns komplett eingeschnürt. Wir hatten wenig Entlastung. Die Jungs haben ein unglaubliches Pensum abgeliefert. Wir hatten in der zweiten Halbzeit mehrfach das Glück auf unserer Seite. Das war ein wahnsinnig dreckiger Sieg, ein Sieg der Moral. Wenn du am Ende noch 14 Minuten mit zwei Mann weniger spielst - schon brutal. Du fragst dich, wann es klingelt. Wir haben den Vorsprung aber mit Mann und Maus verteidigt. Nach der Sieglos-Serie war das natürlich sehr wichtig. Und es war auch wichtig, sich unten abzusetzen. Wenn du nach Aachen fährst, kannst du die drei Punkte natürlich auch nicht einplanen.“

Fuat Kilic (Alemannia Aachen): „Ich muss noch tief Luft holen, so wie das Spiel sich entwickelt hat. Der Kollege nimmt das Wort dreckig in den Mund. Aber das hatte heute nichts mehr mit Fußball zu tun. Zweite Bälle in das Spiel werfen, immer wieder minutenlang auf dem Boden liegen - ich würde mich niemals mit dieser Art und Weise identifizieren. Das Spiel wurde nicht ohne Grund so in die Länge gezogen. Da wird das Fairplay mit Füßen getreten. Ich finde das beschämend nach meinen Werten, die ich auch versuche vorzuleben. Der Gegner hat gewonnen, alles gut. Wir haben nach dem Gegentor eine kurze Phase, wo wir hektisch wurden. Über einen Standard so ein Tor zu kassieren, so geraten wir unnötig in Rückstand. Wir haben genug Möglichkeiten. Wir haben es nicht geschafft, die Tore zu machen. Es ist schwierig Vorwürfe zu machen. Die einzige Thematik ist wieder die Effizienz, wo wir uns gegenseitig den Ball wegnehmen und uns gegenseitig im Weg stehen.“

Auf Nachfrage erklärten die Trainer, dass Aachens Torhüter Daniel Zeaiter wohl einen Muskelfaserriss erlitten hat. Bei Sebastian Wickl besteht der Verdacht auf einen Bänderriss, bei Viktor Maier steht gar ein Kreuzbandriss im Raum. „Das sind brutale Verluste“, so Alipour, der vielsagend in Richtung Kilic anfügte: „Deswegen konnten die beiden auch nicht sofort aufstehen und weiterspielen.“ Alipour meinte, den angesprochenen Ball habe ein Balljunge eingeworfen. Kilic raunte nur: „Hör auf …“

Unmittelbar nach der Partie äußerte sich Vorstandssprecher Alexander Eichner zur Banneraktion gegen Manuel Bölstler: „Das ist nicht gut. Manuel Bölstler hat den Kapitalismus nicht erfunden. Ihm jetzt vorzuwerfen, dass er seine finanziellen Interessen verfolgt, ist nicht zielführend.“ Zum Spiel: „Das war ein äußerst wichtiger Sieg zu diesem Zeitpunkt. Die Mannschaft hat gezeigt, was in ihr steckt. Auch der Oberbürgermeister hat dem Team begeistert gratuliert. Die Liga muss gehalten werden!“

Die nächste Partie bestreitet der WSV am kommenden Samstag (16. März 2019). Zu Gast im Stadion am Zoo ist dann ab 14 Uhr die Reserve von Borussia Dortmund.

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