Dass die Kassenlage reichlich angespannt ist, war hinter vorgehaltener Hand in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zu hören. Ein weiteres Anzeichen: Der Kader umfasst erst 17 Akteure (plus A-Jugendliche) und keinen (zunächst angedachten) zweiten Co-Trainer. Die Rot-Blauen können längst nicht mehr mit attraktiven finanziellen Angeboten auf dem Transfermarkt auftreten, eher mit dem Argument des Traditionsvereins und Sprungbretts. Mehrfach war das Budget in den vergangenen Jahren erheblich gekürzt worden.
Ob dem WSV ein Neun-Punkte-Abzug droht, konnte Vorstandsmitglied Marc Schulz am Donnerstag noch nicht sagen. Die Mitteilung, dass das Insolvenzgericht der Restrukturierung in Eigenregie (unter Aufsicht) zugestimmt habe, sei noch sehr frisch. Gleichzeitig stehe man natürlich auch mit dem Fußballverband Niederrhein in Kontakt. Und dessen Gremien verhängen bei einem eröffneten Insolvenzverfahren normalerweise die entsprechende Strafe. Kommt es so, wäre das angestrebte Ziel (Platz im oberen Drittel) nicht einfach zu erreichen. (Bilder)
WSV will sich „restruktuieren“
Insgesamt handelt es sich nach Angaben des Vereins um ein Defizit im höheren sechsstelligen Bereich. Wo genau die Summe aufgelaufen ist, will der Vorstand (noch) nicht offiziell sagen. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass es sich um die üblichen „Verdächtigen“ wie die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG), das Finanzamt und die Krankenkassen handelt, die entsprechende Abgaben einfordern. Der eigentliche sportliche Etat war, hatte der Verein mehrfach bestätigt, 2025/26 jedenfalls nicht überzogen worden.
Wichtig sei, betont Schulz, dass das Budget für die laufende Saison – dem Vernehmen nach um die 600.000 Euro – nicht betroffen ist. Im Gegenteil. „Es gibt darin noch Luft für Neuverpflichtungen“, sagt er. Sportvorstand Lennart Strufe möchte bekanntlich möglichst noch zwei erfahrene Akteure unter Vertrag nehmen. Auch das Konzept, mit jungen Spielern, möglichst aus Wuppertal und der Umgebung, neu zu starten, werde von der Entwicklung nicht beeinflusst.
Der Verwaltungsrat, aus dem Schulz und Ralf Bartsch neben Strufe (kam vom 1. FC Köln) in den Vorstand aufgerückt sind, hatte sich im Januar offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Einen genaueren Zugriff auf Zahlen habe man aber erst nach der Mitgliederversammlung Ende März erhalten, so Schulz. Dort hatte der damalige Finanzvorstand Dr. Jochen Leonhardt das Saison-Minus auf rund 18.000 Euro beziffert – hervorgerufen unter anderem durch den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche, aber auch Sicherheitskosten und Vandalismus.
Dr. Leonhardt hatte Anfang Juli nach Vereinsangaben „auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung“ sein Amt niedergelegt. Der Verwaltungsratsvorsitzende Dirk Polick dankte ihm damals „für seinen Einsatz, seine fachliche Expertise und sein großes persönliches Engagement“. Grundsätzlich sei der Gang vor das Insolvenzgericht zwar „kein schöner Start“ für die neue Führungsriege des WSV, weiß Schulz. Aber er sei zwingend notwendig, um optimistisch in die Zukunft blicken zu können.
Entscheidend wird nun einmal mehr sein, wie sich die Wuppertaler Wirtschaft verhält. Die hatte lange Zeit vor allem eine Zusammenarbeit mit dem langjährigen Vorsitzenden Friedhelm Runge als schwierig bezeichnet. Doch auch nach desen Rücktritt und nach seinem Tod im November 2024 setzte keine andere Entwicklung ein – beispielsweise keine Initiative, wie in anderen Städten einen Wirtschaftsrat mit eigenen Vertreterinnen und Vertretern aus den großen Wuppertaler Unternehmen zu bilden. Auch die lokale Politik hält sich mit Aussagen über den WSV meist zurück.
Bartsch hatte, als er mit seinem Geschäft „Wupper-Küchen“ als neuer Trikotsponsor vorgestellt wurde, appelliert: „Ich hoffe, dass viele Wuppertaler Unternehmerinnen und Unternehmer diesen positiven Aufbruch erkennen und den WSV ebenfalls unterstützen. Es war in der Vergangenheit nicht immer einfach mit dem WSV – aber wir sehen die aktuelle Situation in jeder Hinsicht positiv. Jetzt ist der Moment, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Der WSV steht für Leidenschaft, Zusammenhalt und Zukunft. Kämpfen und siegen – gemeinsam für Wuppertal. Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Ein Run setzte aber nicht ein, auch nicht auf die Dauerkarten. Zur Generalprobe gegen Arminia Bielefelds U21 kamen gerade einmal 358 Fans ins Stadion am Zoo. Auch das Testspiel gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach war mit 4.600 Zuschauerinnen und Zuschauern schlechter besucht als vom Verein erhofft.
Der WSV stand oft am Scheideweg. Nun muss sich klären, ob er – wie in den Nachbarstädten Remscheid und Solingen – in den reinen Amateurfußball führt oder aber Vorstand und Verwaltungsrat ihren Plan von einem Neuaufbau umsetzen können.