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WSV: Die Fackeln brennen fünf Minuten später

Fußball-Niederrheinpokal : WSV: Die Fackeln brennen fünf Minuten später

Zwei Tage vor dem Finale um den Niederrheinpokal zwischen den Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV und SV Straelen haben die Protagonisten in einer virtuellen Pressekonferenz Stellung genommen. WSV-Trainer Björn Mehnert und Vorstandsmitglied Peter Neururer zeigen sich optimistisch. Der Anstoß in der Duisburger Arena ist unterdessen um 5 Minuten auf Samstag (29. Mai 2021) um 13:05 Uhr verschoben worden.

Pressekonferenzen, besonders solche, die hernach als Aufzeichnung online gestellt werden, gelten als Hochfest der Floskeln, im Fußballsegment besonders. Niemand will sich den Mund verbrennen und noch Jahre später daran digital erinnert werden. Vor allem im Profibereich durchlaufen die Spieler Medienschulungen, um glatte Antworten abzuliefern. Und Journalistinnen und Journalisten stellen diejenigen Fragen, auf die sie ihre Geschichte aufbauen wollen, lieber später im persönlichen Gespräch. Was dazu führt, dass der Erkenntniswert meist dürftig ist. Von Interviews mit Bayerns Thomas Müller oder Leon Goretzka einmal abgesehen.

WSV-Trainer Björn Mehnert allerdings beherrscht es, nicht zu viel preiszugeben, andererseits aber auch unterhaltsam zu sein. Und so antwortete er auf die Frage nach der Motivation mit einem verschmitzten Lächeln: „Es ist ein Pokalspiel. Wer da nicht brennt, der kann zu Hause bleiben. Aber da werden mehr als 22 Fackeln zu sehen sein.“ Der 44-Jährige erwartet ein großes Finale: „Gegen Homberg haben wir uns schwergetan, keine gute Leistung gezeigt. Gegen Duisburg war es eine sehr ansehnliche Partie. Straelen hat gegen Essen einen tollen Fight geliefert, es stehen die verdienten Clubs im Finale.“

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Die beiden bisherigen Saison-Ergebnissen (0:3 in Wuppertal, 2:2 in Straelen) hätten keine große Bedeutung, beide Teams würden sich eingehend vorbereiten: „Am Ende des Tages wird halt die Tagesform entscheiden.“ Noch habe seine Mannschaft trotz der Offensivlaune das angestrebte Ideal nicht erreicht, weil man in den vergangenen Partien einige Tore kassiert habe. Was ihn als ehemaligen Defensivspieler natürlich störe. Straelen habe eine gute Serie gespielt, verfüge über eine individuelle Qualität, aber auch mannschaftliche Geschlossenheit. Seine eigene Truppe aber auch.

Das Elfmeterschießen habe man nicht geübt, nur er selber am Morgen, aber er laufe ja nicht auf: „Das kann man eh nur bedingt trainieren.“ Man werde im Fall der Fälle halt die nervenstärksten Spieler auswählen. Und dass der WSV nicht – wie im Viertel- und Halbfinale – in den neongelben Trikots antritt, sondern im traditionellen Rot und Blau? Er sei nicht abergläubisch. Außerdem könne man ja auch sagen, dass der WSV offiziell das Heimteam in Duisburg sei und seine Mannschaft über eine prima Heimbilanz verfüge …

WSV-Vorstandsmitglied Peter Neururer, bekanntlich ebenfalls mit einem hohen Unterhaltungsfaktor ausgestattet: „Wir sind gegen Homberg mit einer nicht überragenden Leistung weitergekommen. Gegen Duisburg war es eine unglaubliche Dramaturgie. Etwas Großartiges soll die Grundlage sein, um noch Größeres zu erreichen.“ Es sei die große Chance, sportlich und wirtschaftlich einen wichtigen Schritt zu machen. Existenziell sei der Sieg nicht notwendig. „Seit Herr Runge wieder dabei ist, bestehen keine Schwierigkeiten mehr. Die erste Runde ist aber ein großes Plus, durch das man dann weitere Ziele formulieren könnte“, so der 66-Jährige. Neururer betonte noch einmal, dass er selber nichts zum sportlichen Erfolg beitragen habe und werde. Das sei schon vorher Angelegenheit von Mannschaft und Trainer gewesen und bleibe auch so. „Das ist vielleicht auch besser so: Ich habe im DFB-Pokal nicht viel erreicht. Im Viertelfinale war zwei- oder dreimal Schluss“, so der 66-Jährige. Er sei Bestandteil des Gesamtteams beim WSV.

Benedict Weeks (Cheftrainer SV Straelen): „Es war ein kurzer, aber wunderschöner Weg mit dem Sieg in Essen.” Samstag sei das Endspiel, bei dem man viel gewinnen könne. Die vorherigen Regionalliga-Duelle hätten da keine Bedeutung, zumal auf einem neutralem Platz. Zuletzt in Essen und gegen Dortmund (1:3) seien es kräftezehrende Spiele gewesen, nun sei der Kader aber wieder komplett. Hermann Tecklenburg (Vorsitzender des SV Straelen): „Der SVS hat einen Verlust von 150.000 bis 200.000 Euro erlitten.“ Ein Sieg mit dem Einzug in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde würde das Minus, durch fehlende Zuschauereinnahmen und weniger Sponsoren entstanden, ausgleichen. In der Liga habe man sich einen Platz zwischen 5 und 10 ausgerechnet, die Qualität der Mannschaft habe man in Essen erlebt.

Wolfgang Jades (Vorsitzender des FVN-Verbandsfußballausschusses, Pokalspielleiter und FVN-Präsidiumsmitglied) freut sich indes, dass der Verband den Wettbewerb doch noch zu Ende spielen kann. Er dankt den Vereinen unterhalb der Regionalliga, dass sie der Regelung zugestimmt haben. „Wir haben ein tolles Finale“, so Jades mit Blick auf die spektakulären Halbfinalpartien.