Union oder Sportschau

Der Ort hatte durchaus Symbolcharakter. In den Räumen des Wuppertaler Jobcenters, dem Haupt-Tätigkeitsfeld des Gremiumsvorsitzenden Thomas Lenz, tagte der Verwaltungsrat des Fußball-Oberligisten WSV am Mittwochabend.

Und es wartete in der Tat jede Menge Arbeit auf die Mitglieder.

Deutliche Worte hat der ehemalige Verwaltungsrat und Noch-Trikotsponsor Jörg Wolff (re.) zur Lage beim Fußball-Oberligisten WSV gefunden.
Am Ende der nach Teilnehmerangaben konstruktiven Sitzung stand erwartungsgemäß die Erkenntnis, dass kräftig gespart werden muss. Der Etat für die kommende Saison wird von 960.000 auf 800.000 Euro reduziert — weil Sponsoren fehlen, die Umlage zu den Insolvenzkosten nicht wie erhofft fließt und der Club nicht davon ausgehen kann, dass erneut 1.000 Dauerkarten verkauft werden (wir berichteten mehrfach).

"Opfer" des Sparkurses ist u.a. Sportvorstand Achim Weber, dessen Vergütung für Aufgaben im Bereich "Sponsoring und Organisation" gestrichen werden. Weber hat mehrere Geldgeber an den Verein gebunden. Wie die nun reagieren, bleibt abzuwarten. "Im Budget ist vorsichtshalber ein leicht verringertes Sponsoringaufkommen berücksichtigt worden", heißt es. Nach Rundschau-Informationen liegen Kündigungen vor.

Um das künftige sportliche Konzept sollen sich der Gesamtvorstand, Chefcoach Thomas Richter und der A-Jugend-Trainer Stefan Vollmerhausen gemeinsam kümmern. Die A-Jugendlichen Joshua Mroß (Tor), Noah Salau, Nico Rymarczyk, Elsamed Ramaj und Christian Krohne rücken in den Oberliga-Kader auf. Der WSV will bzw. muss verstärkt auf seine Jugendarbeit setzen. "Wie schnell sich diese Erfolge in den Seniorenbereich übertragen lassen, kann heute niemand seriös sagen", so der Club. Zwar wissen die Gremien, dass das Wuppertaler Publikum Platz sechs in der fünftklassigen Oberliga kaum akzeptieren wird. Man werde dennoch nur das Geld ausgeben, das vorhanden sei, betont Finanzvorstand Lothar Stücker.

Am Ende der Pressemitteilung wurde es euphemistisch: "Das Ziel lautet wie bisher: Wir wollen den WSV in der Sportschau sehen." Momentan, so ein Verwaltungsrat, gehe es darum, nicht den Weg von Union Solingen und des FC Remscheid zu gehen. Die Ex-Zweitligisten sahen sich lange zu höherem berufen, sind aber in den Niederungen verschwunden.