Die HBL und der BHC Zwei blaue Augen und das eigentliche Problem

Wuppertal · Wochenlang hatten sich die Vertreter der Handball-Bundesliga (HBL) und des Bergischen HC gestritten. Und das auch öffentlich. Am Freitag (14. Juni 2024) wurde die Auseinandersetzung mit dem Kompromiss vor dem Schiedsgericht fast abrupt beendet. Wer geht als Sieger aus dem Disput heraus? Eine Rundschau-Analyse.

 Auch Keeper Christopher Rudeck konnte den Abstieg nicht verhindern.

Auch Keeper Christopher Rudeck konnte den Abstieg nicht verhindern.

Foto: Dirk Freund

Das Bild, das die HBL abgegeben hat, ist im Grunde unglaublich. Wüsste man nicht, dass es sich um eine der wichtigsten Sportorganisationen in Deutschland handelt, man würde es nicht glauben. Die Gerüchte, dass der HSV Hamburg die Lizenzbedingungen nicht korrekt erfüllt habe, und das möglicherweise schon für die Saison 2023/24, gibt es spätestens seit April. Eine Überprüfung hatte nicht nur der BHC gefordert, auch andere Clubs haben sich angeschlossen.

Die Lizenzkommission verweigerte dem HSV die Lizenz, das Präsidium der Handball-Bundesliga sah in zweiter Instanz keinen Grund, die Entscheidung abzuändern. Das letztinstanzliche dreiköpfige Schiedsgericht, in dem auch jeweils ein Vertreter der sich streitenden Parteien saß (kennt man von ordentlichen Gerichten nicht), dann doch. Weil offenbar die Modalitäten, wohin der HSV die geforderte Summe überweisen muss, nicht klar geregelt waren. Eigentlich Slapstick. Das hat jeder Kaninchenzuchtverein professioneller im Griff. Und: Die eigentliche Frage des HSV-Wirtschaftens ist zumindest öffentlich weiter ungeklärt.

Und der BHC? Nun, er war jahrelang ein skandalfreier Vorzeigeclub. Zumindest blieben die (durchaus wie überall bestehenden) Probleme weitestgehend intern. Nun gilt er in Teilen der Handball-Szene als „bad boy“, der nur deshalb klagte, weil er sportlich seine Ziele deutlich verfehlt habe. Das ist insofern Quatsch, als es das gute Recht eines jeden Vereins ist, potenzielle Missstände überprüfen zu lassen, damit ein fairer Wettbewerb besteht.

Die (unsinnigen) Vorwürfe gegen den BHC werden zwar schon in wenigen Tagen kein Thema mehr sein, dafür aber ist der sportlich ob zu vieler Fehlentscheidungen (allen voran die Trainerfrage) verdiente Abstieg in die 2. Liga Fakt: Coburg statt Magdeburg, Minden statt Magdeburg, Dessau-Rosslau statt Kiel. Auf dem Parkett ist das wohl eher ein Betriebsunfall, weil ein direkter Wiederaufstieg ebenso möglich wie wahrscheinlich ist. Da unterscheidet sich die 2. Liga im Handball massiv von der im Fußball (siehe ausgerechnet HSV).

Abträglich ist der Gang ins Unterhaus dem größten BHC-Problem – der fehlenden sportlichen Heimat im Bergischen Land, da das Projekt Düsseldorf weiterhin nur mäßig zündet. Der ohnehin nur schwachen Unterstützung aus der Politik sowohl in Wuppertal als auch Solingen in Sachen Mehrzweckarena gibt der Abstieg sicher keinen Schwung. Da hilft auch die in der Höhe unbekannte Ausgleichszahlung der HBL, die weitere juristische Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang sowie Zeitverzögerungen massiv fürchtete, nur bedingt.

Wer also ist nun der Gewinner des Kompromisses vom Freitag? Niemand. Beide Seiten gehen mit einem blauen Auge in die Sommerpause.