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Kommentar zur Lage beim Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV

Analyse : Hat Wuppertal das Potenzial für einen Fußball-Proficlub?

Nein, wirklich überraschend war das „Finale“ der Kandidaten-Kür zum WSV-Verwaltungsrat am Ende nicht mehr. Bereits am vergangenen Wochenende hatten einige Mitglieder des künftigen Fördervereins „Wir.WSV“ angedeutet, man könne dem Club auch auf andere Art und Weise helfen, und zugleich eine Stellungnahme angekündigt (wir berichteten). Und da sie ihren Hut nicht in den Ring des offiziellen Vereinsgremiums warfen, war es auch nur folgerichtig, dass sie ihr Projekt minutengenau nach dem Ende der Bewerbungsfrist vorgestellt haben. Doch wie geht es weiter?

Zunächst einmal haben die 14 Gründungsmitglieder zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Zum einen haben sie mit ihrem Schritt die Gefahr neuerlicher vereinsinterner Auseinandersetzungen vermieden, die in der Öffentlichkeit und vor allem in der Wirtschaft alles andere als gut angekommen wären. Dass WSV-Geldgeber Friedhelm Runge mit einigen aus dem Förderverein nicht zusammenarbeiten will, ist kein Geheimnis. Dass der 82-Jährige seine Aussage, den WSV insgesamt zwei Jahre lang und damit noch bis Sommer 2022 finanziell zu unterstützen, umsetzt, ist nun wieder wahrscheinlicher geworden. Ob man es mag oder nicht: Ohne das Geld wäre ein Etat, der mindestens 1,5 Millionen Euro betragen muss, eher mehr, wenn in der Saison 2021/22 ein einstelliger Tabellenplatz herausspringen soll, in der Kürze der Zeit nicht zu stemmen. Sportchef Stephan Küsters würde lieber heute als morgen die ersten Verträge abschließen.

Außerdem hat der Förderverein, der nach eigenen Angaben nach vorne schauen will mit dem Ziel, den WSV für die Zukunft aufzustellen, Zeit gewonnen. Es ist kein ungeschickter Schachzug. Zeit, die er nutzen möchte, um bis zur übernächsten Mitgliederversammlung im Frühjahr 2022 weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen, personell und finanziell. Das wird schwierig genug. Warme Worte, wie wichtig der WSV für die Stadt doch ist, gibt es seit Jahren und Jahrzehnten. Helfende Hände, geschweige denn die Bereitschaft, im Falle des Schwurs auch wirklich engagiert mitzuwirken, nur wenige. Und wenn, endeten die Versuche zuletzt entweder im internen Zwist oder in der Insolvenz. Tragfähige Konzepte sind aber spätestens 2022 notwendig, wenn sich Runge endgültig zurückzieht.

Und das in einer Stadt, in der der Sport in Politik und Wirtschaft keine Massen an Fürsprecherinnen und Fürsprechern hat. Frag‘ nach beim erfolgreichen Handball-Bundesligisten Bergischer HC, der ein bundesweites sichtbares Aushängeschild ist, aber etwa im Bemühen um eine lebenswichtige Arena seit Jahren kaum nennenswerte Unterstützung erhält – um es freundlich auszudrücken. Im Gegensatz zu Projekten wie dem Pina-Bausch-Tanzzentrum.

18 Personen haben sich für den WSV-Verwaltungsrat beworben, 13 werden das Gremium bilden – sofern das notwendige Quorum bei der Briefwahl erreicht wird. Sie werden dann den künftigen Vorstand wählen.

Das alles ist eine Zwischenetappe, mehr nicht. Die ganz große Frage ist weiterhin nicht beantwortet: Hat eine Stadt wie Wuppertal das Potenzial für einen Fußball-Proficlub? Ganz konkret, nicht theoretisch.