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Einkaufshelfer Daniel Grebe bekennt sich zum Wuppertaler SV

Fußball-Regionalliga : Einkaufshelfer Grebe bekennt sich zum WSV

Seit dem Sommer 2015 steht Daniel Grebe beim Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV unter Vertrag. Er hat zahlreiche Höhen und Tiefen miterlebt. Die aktuelle Situation rund um die Auswirkungen des Corono-Virus’ übertreffen diese Extreme aber auch für den 33-Jährigen, der gleich in doppelter Hinsicht betroffen ist.

Als Grebe ans Telefon geht, hört man im Hintergrund Vogelgezwitscher. Plötzlich ruft der Mittelfeldspieler jemandem zu: „Spiel ruhig weiter!“ Wir stören ihn – natürlich – beim Kicken. Seine Trainingskameraden sind dieser Tage aber nicht die Kollegen vom WSV, sondern seine vierjährige Tochter und der fünfjährige Neffe seiner Freundin. Dank des heimischen Gartens droht Grebe also nicht das Ballgefühl zu verlieren, obwohl der Ligabetrieb bis mindestens 19. April ruht und alle Spieler individuell trainieren müssen. Dass es danach normal weitergeht? „Das bezweifle ich Stand jetzt stark“, zeigt sich Grebe diesbezüglich wenig hoffnungsvoll und fügt an, dass eine seriöse Prognose zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich sei. Hinsichtlich des ihm bereitgestellten individuellen Trainingsplans mit den Schwerpunkten Kraft und Ausdauer kommentiert der Vizekapitän gewohnt direkt und ehrlich: „Das macht keinen Spaß – wir würden alle viel lieber mit dem Ball trainieren. Aber das gehört nun eben dazu und muss gemacht werden.“

Als „rundum WSV“ beschreibt Daniel Grebe unterdessen seinen Alltag. Und das nicht nur, weil er seit bald fünf Jahren regelmäßig das rot-blaue Trikot überstreift. Denn seit Juli 2019 ist der ausgebildete Sport- und Fitnesskaufmann parallel auch für das Marketing und die Sponsorenakquise beim Fußball-Regionalligisten zuständig. Noch hat sich Grebe zufolge angesichts des sich ausbreitenden Virus' und der daraus entstehenden wirtschaftlichen Folgen noch kein Sponsor aufgrund akuter finanzieller Engpässe an den Verein gewendet – beispielsweise, um eine Aussetzung künftiger Zahlungen zu erbitten. Dennoch ändert die Krise den Arbeitsalltag drastisch: „Ich würde es als respektlos erachten, wenn ich jetzt bei einem unserer Sponsoren wegen einer etwaigen Vertragsverlängerung anklopfe. Die haben gerade ganz andere Sorgen.“ Außerdem wisse ja noch keiner, wie es überhaupt sportlich weitergeht.

Insofern kann auch was Grebes eigenen im Sommer auslaufenden Vertrag angeht momentan nicht verhandelt werden. Dennoch nutzt der Routinier die Frage zu seinem Arbeitspapier für ein klares Bekenntnis zum WSV: „Meine persönliche Tendenz ist klar. Da möchte ich hier am liebsten gar nicht mehr weg. Wenn man das im Verein genauso sieht, bleibe ich ihm gerne erhalten – in beiden Funktionen.“ Diese Aussage trifft er ausdrücklich ligaunabhängig, schränkt jedoch ein, dass man sich bei Verhandlungen natürlich noch einigen müsse und im Fußball nie wisse was kommt. Aber: „Ein Karriereende beim WSV kann ich mir sehr gut vorstellen!“

Im Hier und Jetzt, wo sowohl Mannschaftstraining als auch Sponsorenakquise zum Erliegen gekommen sind, nutzen Grebe und weitere Mitspieler die freie Zeit für den guten Zweck. Bereits seit vergangener Woche bietet der Verein einen ehrenamtlichen Einkaufsservice an. Die Resonanz sei bislang überschaubar, weswegen man sich umso mehr über Anfragen freue. Diese werden wochentags zwischen 8 und 10 Uhr unter der Rufnummer 0157 / 33144688 entgegengenommen. Und auch wenn es gut tut, anderen helfen zu können, sehnt sich nicht nur Daniel Grebe danach, dass bald wieder der Ball rollt.