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80. Wuppertaler Stadtregatta: Jede Menge Kanus - und Tretroller

80. Wuppertaler Stadtregatta : Jede Menge Kanus - und Tretroller

Dicht an dicht lagen die Boote am Samstag (14. September 2019) auf den Wiesen der Kanuclubs am Beyenburger Stausee: Die Kanu-Sportgemeinschaft (KSG) Wuppertal hatte zur 80. Stadtregatta geladen.

Das zweitbeliebteste Fortbewegungsmittel nach dem Boot war allerdings der Tretroller, mit dem die kleinen Sportler auf der Wegstrecke zwischen der Einstiegsstelle und dem Ziel pendelten, entlang an den vier Kanu-Vereinshäusern, die sich an der östlichen Seeseite aufreihen.

Zwei Wochen nach den Deutschen Meisterschaften ist der feste Termin der Traditionsveranstaltung, deren frühe Historie allerdings noch unerforscht auf Dachböden und im Stadtarchiv verborgen liegt. 1949 jedenfalls soll die Stadtregatta nach dem Krieg wieder aufgenommen worden sein.

Insgesamt etwa 170 Sportler aus sieben Vereinen fuhren am Samstag um Medaillen und Pokale. Das Bild bestimmten dabei die Canadier, denn Wuppertal ist Landesleistungsstützpunkt für die schmalen Boote, die im Knien und mit einem Stechpaddel an einer Seite gefahren werden. Im Training lernen also die Kleinen schon, in den etwa 35 Zentimeter schmalen Rennbooten die Balance zu halten. Etwas abgekämpft kam mittags daher auch der neunjährige Michel vom Steg, nachdem er 1000 Meter Paddeln mit einem Wasserkanister als „Stützrad“ absolviert hatte: „Jetzt muss ich nur noch laufen.“ Die Jüngsten bis 12 Jahre wetteifern nämlich im Kanumehrkampf auch in anderen Disziplinen als dem Paddeln.

Regattaleiter Ralf Wienand, selbst in der 80er-Jahren mehrfacher Deutscher Meister und Weltmeisterschafts- und Olympiateilnehmer, nennt den Vorteil des begrenzten Beyenburger Paddelreviers: „Auf dem ruhigen Wasser bei uns können die Jüngeren unbehelligt von Wind, Wellen und Schiffsverkehr ihren ersten Wettkampf bestreiten“ - der Grund dafür, dass sich die Wuppertaler Stadtregatta als ideal vor allem für den Canadier-Nachwuchs unter 14 etabliert hat.

Die Älteren der Schüler A, Jugend und Junioren gingen natürlich trotzdem an den Start, nicht nur in „richtigen“ Rennen gegen die Kanuten aus Bochum, Mülheim und Herdecke, sondern vor allem auch bei den Spaß-Wettkämpfen wie Paddeln mit den Händen oder Rückwärtsfahren, was im Canadier so schwierig ist, dass auch die Medaillenkandidaten mit ihrem Boot schon mal quer zur Fahrtrichtung abdriften. Zum Ende der Saison soll eben der Spaß am Kanufahren im Vordergrund stehen.

Die meisten Lacher und anschließend den größten Beifall des Tages verdiente sich ein Wuppertaler Achtercanadier mit zumeist paddel-unerfahrenen Eltern. Nach einer Kenterung - ausgerechnet mit KSG-Trainer Enno Aufdemkamp als Steuermann an Bord - schafften es alle aus dem Wasser wieder zurück ins Boot, paddelten tapfer ins Ziel - und wissen jetzt besonders genau, was ihre Kinder beim Training so alles leisten.