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Offener Brief der Wuppertaler Moscheen zum Terroranschlag in Hanau

Offener Brief der Wuppertaler Moscheen : „Wir brauchen ein Klima der Toleranz und der Solidarität“

Die Interessenvertretung Wuppertaler Moscheen hat einen Brief zum Terroranschlag in Hanau und zum gesellschaftlichen Klima veröffentlicht. Gleichzeitig ruft sie zur Teilnahme an der „Talvielfalt“-Demo am Samstag (29. Februar 2020) um 16 Uhr vor dem Hauptbahnhof auf.

„Liebe Wuppertalerinnen und Wuppertaler, es ist uns ein wichtiges Anliegen, uns heute an Sie zu wenden. Denn am Mittwoch, den 19. Februar 2020, wurden in Hanau 9 Menschen kaltblütig ermordet. Das bedrückt uns sehr und macht uns sehr traurig. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Familien, denen wir unser tiefstes Beileid aussprechen. Wir wünschen ihnen in dieser schweren Zeit viel Kraft und Gottes Segen. Wir möchten zum Ausdruck bringen, dass es sich bei den Opfern keineswegs um Fremde handelt, sondern um Deutsche muslimischen Glaubens; sie waren Teil der Gesellschaft. Es sind unsere und Ihre Freunde, Nachbarn und Kollegen.

Mittlerweile steht fest, dass die Tat einen rechtsradikalen, antimuslimischen Hintergrund hat. Nach bisherigen Erkenntnissen war sie zwar die Tat eines Einzeltäters; dennoch – davon sind wir überzeugt – war sie kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrelang betriebenen angstschürenden Rhetorik und unzähliger, nicht sachgerecht geführter Islamdebatten. Diese sind zweifelsfrei die Saat für rechtsextreme Handlungen. Den Worten folgen nun Taten. Dieser abscheuliche Anschlag besorgt nunmehr auch viele Wuppertaler Musliminnen und Muslime. Die Anzahl der Anschläge auf Moscheen in Deutschland steigt stetig. Der antimuslimische Rassismus in Deutschland wird für viele Musliminnen und Muslime im Alltag immer spürbarer. Deshalb fordern wir heute die Politik auf, ein klares Zeichen zu setzen! Angstschürende Islamdebatten und politische Ansprachen müssen aufhören.

Rassistisches, antimuslimisches Gedankengut darf nicht gefördert werden und muss entschieden begegnet werden. Wir brauchen ein Klima der Toleranz und der Solidarität. Wir sind darüber erleichtert, dass sich in Wuppertal das Bündnis Talvielfalt gegründet hat, dem auch wir angehören. Für Samstag, 29. Februar 2020, ruft das Bündnis zu einer Demonstration um 16 Uhr am Bahnhofsvorplatz/Döppersberg auf. Wir bitten alle Wuppertalerinnen und Wuppertaler, auch die Muslime unter ihnen, sich der geplanten gemeinsamen Demonstration anzuschließen.

Für den Frieden in Deutschland, Europa und der ganzen Welt beten wir in den Moscheen!

Interessenvertretung Wuppertaler Moscheen“