Vorbereitungen laufen Cannabis-Verein „Wubatz“: Flüsteranrufe unerwünscht

Wuppertal · Noch stehen die Gründungsmitglieder des ersten Wuppertaler Cannabis-Vereins „Wubatz“ in einer nahezu leeren Halle. In rund zwei Monaten sollen hier die ersten Marihuanablüten sprießen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Die Rundschau besuchte die Anbauvereinigung auf der Baustelle.

 Die Gründungsmitglieder des Cannabis-Social-Clubs „Wubatz“ (v.l.): David, Tobias, Stephan, Phillip und Sebastian.

Die Gründungsmitglieder des Cannabis-Social-Clubs „Wubatz“ (v.l.): David, Tobias, Stephan, Phillip und Sebastian.

Foto: Wuppertaler Rundschau/mivi

Seit dem 1. April sind der Konsum von Cannabis und der Eigenanbau für alle ab 18 Jahren erlaubt. Auch der nicht-gewerbliche Eigenanbau von Cannabis in Anbauvereinigungen ist legalisiert worden. Die Reglungen dazu treten am 1. Juli in Kraft. Eine solche Anbauvereinigung ist der Cannabis-Club „Wubatz“.

Gründungsmitglied Sebastian erklärt das Konzept: „Wir sind ein offiziell eingetragener Verein mit den klassischen Organen wie Vorstand, Kassenwart, Satzung und Mitgliederversammlung. Besonders ist bei uns aber der Anbaurat, der für die Aufzucht der Pflanzen zuständig ist. Wir haben innerhalb des Vereins Teams gebildet, um Fähigkeiten zu bündeln.“

Die neun Gründungsmitglieder, alle etwa Mitte 30, kennen sich zum großen Teil seit Jahrzehnten, sind in den verschiedensten Bereichen beruflich tätig und lassen diese Expertise in die Vereinsarbeit einfließen. „Wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben einen Biologen, einen Psychotherapeuten, IT - und Marketing-Experten, handwerkliche Fachleute wie einen Malermeister und viele mehr in unseren Reihen. Alle von ihnen bringen ihr Wissen ein“, sagt Sebastian.

Momentan geht es vor allem darum, die kürzlich gemietete Anbauhalle zu auszubauen. Die Arbeiten leitet Gründungsmitglied Phillip, der hauptberuflich als Malermeister tätig ist: „Wir legen gerade die Wände trocken und streichen. Es kommt noch viel Arbeit auf uns zu. Die Fläche der Halle wird in einzelne Anbauparzellen für die verschiedenen Cannabissorten unterteilt und eine aufwendige Licht- und Ablufttechnik werden wir im Bereich der Decke verbauen.“ Alle Arbeiten führen die Mitglieder in Eigenregie in ihrer Freizeit aus und tragen die Kosten dafür selbst. „Wir haben uns vorgenommen, mit ‚Wubatz’ eine Vorreiterrolle in der Cannabis-Szene einzunehmen und möchten mit unserem Verein Strukturen schaffen, die einen verantwortungsbewussten Umgang mit Cannabis ermöglichen“, sagt David, ebenfalls Gründungsmitglied. Er fügt hinzu: „Wir ziehen das hier professionell auf. Das hat nichts mit dem zu tun, was Leute ohne Skrupel auf der Straße kaufen. Wir werden nur hochwertige Qualitätsprodukte anbieten. Rein biologisch, ohne Chemie. Gemeinsam mit einem Biologen und Botaniker werden wir sorgfältig jede Phase des Herstellungsprozesses überwachen. Jede Charge wird in ein Labor geschickt, wo Proben genommen und auf Inhaltsstoffe getestet werden, um höchste Qualität sicherzustellen.“

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Cannabis und die Aufklärung darüber sind den „Wubatz“-Mitgliedern sehr wichtig. „Seit der Gründung arbeiten wir eng mit einer Gründungsberatung für Anbauvereinigungen zusammen, die uns bei Fragen unterstützt. Wir nehmen an Podiumsdiskussionen in der Stadt teil und möchten langfristig mit der Drogenberatung Wuppertal kooperieren“, sagt Sebastian.

Mitglied werden kann im Cannabis-Club „Wubatz“ grundsätzlich jeder ab 18. Sebastian empfiehlt jedoch einen Beitritt ab 25 Jahren: „Das Gehirn ist laut vielen Studien erst ab diesem Alter voll ausgereift. Deshalb ist Cannabis-Konsum vor allem für Jugendliche schädlich.“

Zudem prüft der Vorstand des Vereins jede Mitgliedsanfrage einzeln per Videocall. „Das ist eine Art Bewerbungsgespräch. Wir müssen ja sehen, ob die Menschen und ihre Werte zu uns passen. Es geht bei uns darum, sich im Verein einzubringen und nicht darum, ‚nur eben was zum Rauchen’ abzuholen“, sagt David.

Letzteres ist so auch nicht möglich: Wenn die Mitglieder entschieden haben, einen Bewerber aufzunehmen, ist zunächst eine Aufnahmegebühr von 150 Euro zu zahlen. „Das Geld nutzen wir für die langfristige Finanzierung, das geht nicht in unsere Taschen. Als Mitglied kann man dann in der Abgabestelle seine zuvor festgelegte Bestellung abholen. Wir entwickeln derzeit ein Abo-Modell, das man für eine bestimmte Menge und Kosten buchen kann. Bargeld wird es bei uns nicht geben. Transparenz ist uns sehr wichtig“, sagt Sebastian.

Eine geeignete Abgabestelle hat der Verein noch nicht gefunden. Die Abgabe in der Anbauhalle, deren Adresse unbekannt bleiben soll, möchte der Verein nicht. Ebenso möchte der Verein alle an einer Mitgliedschaft Interessierten darum bitten, von Anrufen abzusehen. „Wir bekommen täglich Anrufe, die wir nicht annehmen können, weil wir alle in Vollzeit arbeiten. Wir bitten, das Antragsformular auf unserer Webseite auszufüllen, wir melden uns. Auch die wichtigsten Fragen werden auf der Seite schon beantwortet. Und wer uns flüsternd anruft und fragt, wo er ‚schnell mal eben was abholen kann’, kann sich den Anruf sparen“, sagt Sebastian resolut.