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Caritas sucht Gastfamilien in Wuppertal - Interview mit Martina Cords

Interview mit Martina Cords : Die Caritas sucht Gastfamilien

Der Caritasverband Wuppertal/Solingen sucht Gastfamilien. Pflegeeltern? Nein, eben nicht. Rundschau-Redakteurin Nina Bossy hat sich das Konzept von Caritas-Expertin Martina Cords erklären lassen.

Rundschau: Frau Cords, wer oder was sind Gastfamilien?

Cords: „Gasteltern oder Gastfamilien sind Erwachsene, die einen Menschen bei sich aufnehmen. Und eben kein kleines Kind, sondern einen Jugendlichen ab 13 oder 14 Jahren.“

Rundschau: Warum habe ich den Begriff so noch nie gehört?

Cords: „Man kennt üblicherweise den Begriff Pflegeeltern. Also Menschen, die Kindern ein Zuhause geben möchten. Aber es gibt eben auch Jugendliche, die nicht bei ihren eigenen Eltern leben können oder wollen, und für die ein familiärer Rahmen besser geeignet ist als ein Heim oder eine Wohngruppe. Der Caritasverband hat vor zehn Jahren festgestellt, dass es für solche Fälle einen Bedarf gibt, der nicht gedeckt ist. Seitdem vermitteln wir Jugendliche an Gasteltern und begleiten sie auf ihrem Weg.“

Rundschau: Wer sind die Jugendlichen, die in einer Gastfamilie gut aufgehoben sind?

Cords: „Das sind Heranwachsende, die nicht zu problembelastet und bindungsfähig sind. Jugendliche mit starken Problemen wie psychischen Problemen oder einer Drogenabhängigkeit sind nicht geeignet. Das sind für uns Ausschlusskriterien.“

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Rundschau: Was sind die Anlässe, warum sie überhaupt ein neues Zuhause brauchen?

Cords: „Manchmal versterben oder erkranken die Eltern. Oder die Jugendlichen erfahren Gewalt, werden vernachlässigt, fühlen sich nicht gesehen. Über Lehrer, Schulsozialarbeiter oder auch Freunde erfährt das Jugendamt von diesen Fällen. Und die kennen die Möglichkeit einer Gastelternschaft und wenden sich an uns.“

Rundschau: Jetzt haben wir viel über die Jugendlichen gesprochen. Wer sind die potenziellen Eltern, die für dieses Lebensmodell infrage kommen?

Cords: „Das sind Menschen, die gut Veränderung in ihrem Leben akzeptieren können, persönlich und finanziell gesichert sind, auch wenn der Lebensunterhalt des Jugendlichen durch einen Pflegesatz finanziert wird. Und die Freude an der Idee haben, ihre Lebenserfahrung an einen jungen Menschen weiterzugeben.“

Rundschau: Wie finden Gasteltern und die Jugendlichen zusammen?

Cords: „Der Kontakt wird sehr behutsam aufgebaut. Wir organisieren erste Treffen, Ausflüge und Hausbesuche. Es kann ein Probewochenende mit Übernachtung stattfinden. Es muss für alle passen. Für die Kinder, die Gasteltern und auch die leiblichen Eltern, die immer noch die Sorgeberechtigten sind.

Rundschau: Sie begleiten den Prozess. Wann spüren Sie, dass eine Vermittlung gelungen ist – wenn sich beide Parteien gut verstehen?

Cords: „Das muss noch nicht einmal der Fall sein. Wir hatten ein Mädchen, die hat ihre Gasteltern am Anfang überhaupt nicht verstanden. So anders war ihre Art und Weise, Fragen zu stellen, sich auszudrücken. Aber wenn sich die Jugendlichen und die Erwachsenen einander zuwenden und ein Bemühen da ist, sich verstehen zu lernen, ist das ein sehr gutes Zeichen.“

Rundschau: Ein sicheres, liebenswertes und stabiles Umfeld – der Gewinn für die Jugendlichen liegt auf der Hand. Was erzählen die Gasteltern, wie die Jugendlichen ihr Leben bereichern?

Cords: „Ich höre oft, dass die Eltern ihre neue Rolle als eine sehr sinnvolle Aufgabe empfinden. Und dass es schön ist, seine eigenen Erfahrungen an einen Jugendlichen weitergeben zu können. Überhaupt, einem jungen Menschen eine Chance zu geben und einen guten Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen, empfinden die Eltern als großen Gewinn für ihr eigenes Leben.“