Bündnis „Kein Primark am Döppersberg“ sieht sich in Engels-Tradition

Interview mit Beatrix Sassermann und Stephanie Walter : Bündnis „Kein Primark am Döppersberg“ sieht sich in Engels-Tradition

Am 16. April eröffnet die Modekette Primark im Kubus am Döppersberg ihre neue Filiale in Wuppertal – und die Gegner, das Aktionsbündnis „Kein Primark am Döppersberg“ (KPri), wollen nicht tatenlos zusehen. Sie planen sie eine Kundgebung. Beatrix Sassermann und Stephanie Walter erklären Rundschau-Volontärin Hannah Florian, warum es aus ihrer Sicht Sinn macht, gegen Primark am Döppersberg zu demonstrieren.

Rundschau: Sie stecken gerade mitten in der Planung Ihrer Kundgebung zur Primark-Eröffnung. Was erwartet die Wuppertalerinnen und Wuppertaler?

Sassermann: Ein bisschen Spannung wollen wir noch wahren, können aber verraten, dass es Infomaterial geben wird, Stände, Musik und gute Stimmung. Wir starten um 9.30 Uhr, die Filiale eröffnet um 10 Uhr. Eine Band wird konsumkritische Lieder singen und wir stellen Lautsprecherwagen auf. Verschiedene Akteure haben uns angesprochen und sind mit uns vor Ort, zum Beispiel Greenpeace Wuppertal und junge Studenten, die auf uns zugekommen sind.

Rundschau: Man könnte ja jetzt auch sagen, der Drops ist gelutscht. Wozu noch eine Kundgebung?

Sassermann: Ich verstehe die Position, wir haben uns auch gefragt, ob es überhaupt noch Sinn macht. Aber dann kamen die jungen Studenten auf uns zu und gaben uns neuen Schwung. Wir wollen dran bleiben und weiter auf die Missstände in der Textilproduktion, schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte aufmerksam machen.

Walter: Mit der Kundgebung geben wir unserer Protestreihe einen würdigen Abschluss.

Sassermann: Und nächstes Jahr ist Engelsjahr. Wir sehen uns ein bisschen in der Engels-Tradition und sind der Meinung, dass wir mit diesem Sohn der Stadt und als Fair Trade Town Primark keinen Platz einräumen sollten.

Rundschau: Warum demonstrieren Sie nicht vor Modeketten wie H&M oder Esprit, die zu ähnlichen Bedingungen ihre Kleider produzieren?

Sassermann: Wir wissen, dass nicht nur Primark unter problematischen Bedingungen produziert. Aber Primark ist ein Symbol für Firmen, die ähnlich agieren.

Walter: Primark steht vor allem für Fast Fashion. Möglichst viel produzieren, möglichst viele Kollektionswechsel, möglichst viel verkaufen und das zu geringen Preisen. Diese Strategie hat natürlich nicht nur Primark. Aber die Besonderheit der Kette ist, dass sie gerade Jugendliche mit schmalem Geldbeutel anspricht. Wir wollen zeigen, dass es auch junge Leute gibt, die sich davon nicht angesprochen fühlen.

Rundschau: Was wären denn dann beispielsweise Alternativen zu „Fast Fashion“?

Walter: Es gibt Kleidertausch-Partys, ökologisch-gerechte Versandhäuser im Internet, teilweise faire Mode im Einzelhandel, zum Beispiel im Luisenviertel. Second-Hand spielt eine große Rolle. Viele Alternativen sind aber noch längst nicht so etabliert.

Rundschau: Warum finden Ketten wie Primark nach wie vor so großen Zuspruch?

Walter: Eben weil sie günstig sind, und da liegt ein großes Problem. Fair produzierte Kleidung ist nach wie vor sehr teuer.

Sassermann: Aber es geht uns auch nicht darum, die einzelnen Konsumenten anzuklagen. Wir wollen einen gesellschaftlichen Druck entwickeln, der dazu führt, dass Konzerne sich an verbindliche Regeln bei der Produktion ihrer Kleidung halten.

Walter: Und ganz pragmatisch betrachtet, gibt es auch mit kleinem Geldbeutel genug Alternativen.

Rundschau: Wo gehen Sie privat Ihre Kleidung kaufen?

Sassermann: Ich kaufe öfter in Second-Hand-Läden. Mein Pullover zum Beispiel ist Second Hand, aus einem Laden in Cronenberg. Bei Schuhen finde ich das eher schwierig.

Walter: Schuhe kaufe ich auch konventionell, nicht nur bio. Generell trage ich meine Sachen so lange, bis ich ein Loch nicht mehr stopfen kann.

Rundschau: Stellen Sie sich vor, Primark zieht nicht in den Kubus und Sie hätten einen Wunsch frei.

Sassermann: Wir hatten so viele Ideen. Ein Kommunikationsplatz mit Bänken, Bäumen und Cafés, etwas Kulturelles, ein Willkommensportal für Wuppertal mit Stadtgeschichte. Kultur und Treffpunkt. Nicht konsumorientiert, kein Einzelhandel.

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